16.09.2013 10:59 (Andreas Amsler, Projektleiter und Business Developer bei Liip)
Open Swiss Government

Schweizer Pilotportal für Open Government Data steht kurz vor dem Start

Das Open-Government-Data-Portal dient als Filter und Lupe für unsortierte, verstreute und "unerreichbare" Daten, Dateien und Datensätze.
Das Open-Government-Data-Portal dient als Filter und Lupe für unsortierte, verstreute und "unerreichbare" Daten, Dateien und Datensätze. (Quelle: Liip)
Fünf Bundesämter haben zusammen mit Liip und Itopia ein Daten-Pilotportal für Open Government Data erarbeitet. Es bietet freien Zugriff auf maschinenlesbare Verwaltungsdaten. Lanciert wird das Portal an der Open Knowledge Conference. Damit ist ein erstes Etappenziel auf dem Weg zu einem Open Swiss Government erreicht.

Der Autor dieses Artikels ist Andreas Amsler, Projektleiter und Business Developer bei Liip und Vorstandsmitglied im Verein Opendata.ch.

Der Staat sammelt eine grosse Menge an Daten, darunter auch viele, die keine personenbezogenen Angaben beinhalten, wie zum Beispiel Geodaten oder Finanzinformationen. Einige dieser Daten wurden bereits von den entsprechenden Bundesämtern, städtischen und kantonalen Behörden publiziert, allerdings meist in nicht einheitlichen und nur aufwändig zu bearbeitenden Formaten, zum Beispiel als PDF-Dateien. Im Öffentlichkeitsgesetz (BGÖ) ist geregelt, dass grundsätzlich jeder und jede auf Anfrage Einsicht in amtliche Daten erhält. In der Praxis geschieht das oft sehr spezifisch und in jedem einzelnen Fall wieder neu; manchmal auch erst, nachdem der eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) die Anfrage geprüft und ihr Nachdruck verliehen hat.

Von Pull zu Push

Durch das Internet hat sich der Umgang mit Daten verändert. Die Nutzer haben sich daran gewöhnt, aus einer grossen Menge an Daten diejenigen auszuwählen, die sie interessieren. Der Staat hingegen verfuhr bisher online grösstenteils wie ein "Pull"-Medium, das heisst, er stellte nur selektiv Daten öffentlich zur freien Verfügung oder auf Anfrage zur Nutzung bereit. In innovativen Bereichen ist es jedoch schwierig bis unmöglich, im Voraus eine konkrete Anfrage zu formulieren. Innovation wird hingegen begünstigt, wenn das Experimentieren mit bestehenden Quellen möglich ist und alle Daten frei verfügbar sind ("Push").

Technische und organisatorische Hürden

Daten von Behörden haben bereits heute eine hohe Qualität und Zuverlässigkeit. Ihre Auffindbarkeit und Nutzbarkeit und damit auch die freie Wiederverwendung sind aber oft erschwert oder sogar unmöglich. Der Grund dafür sind selten bewusste Entscheide, sondern oft technische oder organisatorische Barrieren: Es fehlen Schnittstellen, um die Daten in Echtzeit zur Verfügung zu stellen. Und nicht alle Ämter haben ihre internen Abläufe für den öffentlichen Zugang zu ihren Daten geregelt.

Bei der Konzeption des Daten-Pilotportals wurden die Anforderungen der beteiligten Bundesämter, möglicher kantonaler wie kommunaler Data Owner und der Datennutzer berücksichtigt. Es soll insbesondere den Bedürfnissen von Softwareentwicklern, Designern und Datenjournalisten gerecht werden. Diese wollen einen einfachen und verlässlichen Zugang zu Daten; sie möchten nicht an 26 verschiedenen Orten nach Gleichem oder Ähnlichem suchen. Und wenn sie Daten finden, benötigen sie diese in nutzbarer Form: maschinenlesbar, in offenen Formaten und versioniert. Ansonsten ist der Aufwand der Nutzer wie auch der Ämter, die die Anfragen beantworten müssen, schlicht zu hoch.

Nachhaltig aufgebautes Portal

Das Pilotportal besteht aus einer Dateninfrastruktur auf der Codebasis von CKAN, einer Datenmanagement-Software der Open Knowledge Foundation. Zusammen mit Liip unterstützt Itopia, die im Bereich Open Government Data (OGD) führende Beratungsfirma der Schweiz, das Projekt des Bundes in strategischen, konzeptionellen und organisatorischen Belangen.

Alle am Projekt beteiligten Mitarbeiter von Liip sind aktive Mitglieder der wachsenden Schweizer Open-Data-Community. Als technische Berater konnten sie ihre langjährige Erfahrung mit offenen Webprojekten einbringen. Liip ist offizieller CKAN-Partner, steht somit in Kontakt mit den entsprechenden Entwicklern weltweit und trägt dazu bei, CKAN weiterzuentwickeln. Dadurch ist sichergestellt, dass das Pilotportal den Anforderungen anspruchsvoller Nutzer und Data Owner auch in Zukunft genügen kann – vorausgesetzt, der Bund entscheidet sich zu diesem Schritt.

Das zentrale Portal opendata.admin.ch wird ab dem 16. September 2013 vom Schweizerischen Bundesarchiv (BAR) betrieben, das als Projektleiter des Bundes fungiert. Das BAR und das Bundesamt für Landestopografie Swisstopo, das mit dem öffentlichen Zugang zu Daten bereits über mehrjährige, wertvolle Erfahrung verfügt, sind mit eigenen lokalen CKAN-Instanzen daran angeschlossen. Weitere Bundesämter wie Meteoschweiz, das Bundesamt für Statistik und die Schweizerische Nationalbibliothek sind direkt an eine dieser beiden lokalen Instanzen (BAR und Swisstopo) angeschlossen.

Föderalistisch und ausfallsicher

Aus technischer Sicht ist CKAN ein klassisches verteiltes System. Eine Instanz ist dabei grundsätzlich von allen anderen unabhängig. Sie erfüllt die Aufgabe, Primär- und Metadaten zu sammeln und bereitzustellen. Im Falle des Pilotportals werden drei solche Instanzen aufgebaut. Die beiden lokalen Instanzen des Bundesarchivs und des Bundesamts für Landestopografie Swisstopo holen die Daten über Harvester bei den beteiligten Institutionen ab. Die zentrale Instanz muss dann nur noch die entsprechenden Metadaten bei den lokalen Instanzen abholen. Dieser föderalistische Aufbau lässt sich beliebig erweitern, unter anderem auch deshalb, weil die Instanzen über ein Messaging-Protokoll miteinander kommunizieren. Der Ausfall einer Komponente gefährdet somit nicht gleich das gesamte System.

Das Pilotportal wurde so aufgebaut, dass nicht nur Bundesinstitutionen, sondern auch Kantone, Städte und Gemeinden mit vertretbarem Aufwand Daten verfügbar machen können. CKAN erlaubt es, jeweils alle Daten eines Data Owners gebündelt aufzulisten. Daneben sind die Daten thematischen Kategorien zugewiesen, wie man es etwa von der Klassifizierung der Daten des Bundesamts für Statistik kennt.

Auf dem Weg zum Open Swiss Government

Aufseiten der Städte und Kantone stehen die Stadt und der Kanton Zürich in der Poleposition für einen Anschluss an das zentrale Pilotportal. Die Stadt Zürich verfügt in der Schweiz über die längste Erfahrung im Betrieb: Ihr eigenes OGD-Portal wurde bereits im Juni 2012 lanciert. Weitere Kantone, Städte und Bundesinstitutionen sind interessiert.

Liip treibt CKAN im Rahmen des Projekts für den Bund wie auch darüber hinaus vor allem im Bereich der Mehrsprachigkeit voran. Hier bestehen spezifische schweizerische Ansprüche, die bislang nicht adressiert wurden, und für die eine zufriedenstellende Lösung gefunden werden muss. Kanada hat ein zweisprachiges OGD-Portal lanciert, das Schweizer Pendant wird auf der Grundlage der verfügbaren Metadaten der Data Owner in vier Sprachen verfügbar sein: in Deutsch, Französisch, Italie­nisch und Englisch.

Das Pilotportal erlaubt es den beteiligten Ämtern sowie weiteren interessierten Data Ownern, Erfahrungen zu sammeln und den Aufwand für den weiteren Betrieb und Ausbau abzuschätzen. Das Projekt ist ein grosser Schritt im Bereich Innovation; und es fördert Folgeinnovationen, die durch die einfachere Auffindbarkeit und die bessere, einfachere Nutzbarkeit der Daten entstehen. Des Weiteren erlaubt das Pilotportal den Projektpartnern, die Nutzung von Open Data in der Schweiz praktisch zu evaluieren.

Der Grundstein und ein solides Fundament wurden mit dem Portal opendata.admin.ch gelegt. Nun wird es darum gehen, das Projekt im Live-Betrieb zu testen und abzuklären, wo die Bedürfnisse für einen Ausbau liegen. Bereits während der Pilot-Betriebsphase von sechs Monaten können weitere Bundesämter, Städte und Kantone an das zentrale Portal angeschlossen werden. Je mehr Daten den Nutzern zur Verfügung stehen, desto interessanter und nützlicher werden die resultierenden Anwendungen sein.

OKCON 2013

An der Open Knowledge Conference vom 16. bis 18. September 2013 in Genf wird das OGD-Pilotportal des Bundes lanciert. Die jährliche, erstmals in der Schweiz stattfindende Konferenz ist der Ort, an dem sich die europäische Open-Data- und Open-Knowledge-Szene untereinander und mit internationalen Exponenten trifft. Staatliche, institutionelle wie privatwirtschaftliche Data Owner und User tauschen sich unter anderem zu den Themen Open Data, Government und Governance, Open Science und Research, Technology, Tools und Business aus.

Das Line-up der Hauptspeaker umfasst zum Beispiel Ellen Miller, Co-Gründerin und Executive Director der Sunlight Foundation, Professor John Ellis, Cern und King’s College London, Chris Vein, Chief Innovation Officer for Global Information and Communications Technology Development der Weltbank, Victoria Stodden, Assistenzprofessorin für Statistik an der Columbia University, sowie Chris Taggart, Co-Gründer und CEO von OpenCorporates.com.

Alle Infos auf okcon.org
Tickets auf okcon.org/tickets
liip.ch/okcon

VEREIN OPENDATA.CH

Eine Gruppe von Aktivisten und Visionären erkannte auch in der Schweiz das Potenzial der Daten, die der Bund sowie kantonale und kommunale Behörden sammeln, für die Entwicklung von innovativen Anwendungen: Daraus lassen sich einerseits neue Möglichkeiten für den Journalismus ableiten, andererseits auch interessante Anwendungen programmieren, indem verschiedene Datenstämme miteinander verglichen oder zueinander in Relation gesetzt und visualisiert werden (Mash-ups). Mithilfe entsprechender Tools lassen sich ganz neue Einsichten und Perspektiven schaffen. Sie gründeten deshalb per Ende Januar 2012 den Verein Opendata.ch. Dessen Ziel ist es, entsprechende Verwaltungs-, aber auch privatwirtschaftliche Daten öffentlich, frei verfügbar und nutzbar zu machen. Halbjährlich veranstaltet Opendata.ch jeweils zeitgleich in der Romandie und der Deutschschweiz die Make.opendata.ch-Hackdays. Daran nahmen bis heute über 500 interessierte Designer, Entwickler, Data Owner und Ideengeber teil. Zusammen haben sie in freiwilligem Engagement und mittels bereits heute verfügbarer Open Data viele innovative Anwendungen und Visuali­sierung entwickelt; zum Beispiel in den Bereichen Mobilität, Gesundheit und Finanzen (eine Auswahl):

http://flows.transport.opendata.ch/
http://bern.budget.opendata.ch/
http://zurich.budget.opendata.ch/
http://winterthur.budget.opendata.ch/
http://transport.opendata.ch/

Der Autor dieses Artikels ist Andreas Amsler, Projektleiter und Business Developer bei Liip und Vorstandsmitglied im Verein Opendata.ch.

Der Staat sammelt eine grosse Menge an Daten, darunter auch viele, die keine personenbezogenen Angaben beinhalten, wie zum Beispiel Geodaten oder Finanzinformationen. Einige dieser Daten wurden bereits von den entsprechenden Bundesämtern, städtischen und kantonalen Behörden publiziert, allerdings meist in nicht einheitlichen und nur aufwändig zu bearbeitenden Formaten, zum Beispiel als PDF-Dateien. Im Öffentlichkeitsgesetz (BGÖ) ist geregelt, dass grundsätzlich jeder und jede auf Anfrage Einsicht in amtliche Daten erhält. In der Praxis geschieht das oft sehr spezifisch und in jedem einzelnen Fall wieder neu; manchmal auch erst, nachdem der eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) die Anfrage geprüft und ihr Nachdruck verliehen hat.

Von Pull zu Push

Durch das Internet hat sich der Umgang mit Daten verändert. Die Nutzer haben sich daran gewöhnt, aus einer grossen Menge an Daten diejenigen auszuwählen, die sie interessieren. Der Staat hingegen verfuhr bisher online grösstenteils wie ein "Pull"-Medium, das heisst, er stellte nur selektiv Daten öffentlich zur freien Verfügung oder auf Anfrage zur Nutzung bereit. In innovativen Bereichen ist es jedoch schwierig bis unmöglich, im Voraus eine konkrete Anfrage zu formulieren. Innovation wird hingegen begünstigt, wenn das Experimentieren mit bestehenden Quellen möglich ist und alle Daten frei verfügbar sind ("Push").

Technische und organisatorische Hürden

Daten von Behörden haben bereits heute eine hohe Qualität und Zuverlässigkeit. Ihre Auffindbarkeit und Nutzbarkeit und damit auch die freie Wiederverwendung sind aber oft erschwert oder sogar unmöglich. Der Grund dafür sind selten bewusste Entscheide, sondern oft technische oder organisatorische Barrieren: Es fehlen Schnittstellen, um die Daten in Echtzeit zur Verfügung zu stellen. Und nicht alle Ämter haben ihre internen Abläufe für den öffentlichen Zugang zu ihren Daten geregelt.

Bei der Konzeption des Daten-Pilotportals wurden die Anforderungen der beteiligten Bundesämter, möglicher kantonaler wie kommunaler Data Owner und der Datennutzer berücksichtigt. Es soll insbesondere den Bedürfnissen von Softwareentwicklern, Designern und Datenjournalisten gerecht werden. Diese wollen einen einfachen und verlässlichen Zugang zu Daten; sie möchten nicht an 26 verschiedenen Orten nach Gleichem oder Ähnlichem suchen. Und wenn sie Daten finden, benötigen sie diese in nutzbarer Form: maschinenlesbar, in offenen Formaten und versioniert. Ansonsten ist der Aufwand der Nutzer wie auch der Ämter, die die Anfragen beantworten müssen, schlicht zu hoch.

Kommentar verfassen

    © Netzmedien AG 2016
    Alle Rechte vorbehalten. Eine Weiterverarbeitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung zu gewerblichen oder anderen Zwecken ohne vorherige ausdrückliche Erlaubnis von Netzwoche ist nicht gestattet.

    Diesen Artikel finden Sie auf Netzwoche unter:

    http://www.netzwoche.ch/News/2013/09/16/Schweizer-Pilotportal-fuer-Open-Government-Data-steht-kurz-vor-dem-Start.aspx