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26.01.2016 12:11 (Christoph Grau)
Hinter den Kulissen

Bitcoin steht vor Spaltung

Bitcoin
(Quelle: Flickr/Zach Copley/CC BY-SA 2.0)
Nach dem Hype im vergangenen Jahr ist es um Bitcoin in letzter Zeit wieder ruhiger geworden. Hinter den Kulissen brodelt es aber gewaltig. Es ist sogar von einer Spaltung die Rede.

Das Medienecho um den Bitcoin ist in den letzten Monaten verhallt. Hinter den Kulissen brodelte es aber gewaltig. Wie jetzt durch einen Brandbrief auf dem Blog von Bitcoin-Entwickler Mike Hearn bekannt wurde, gab es Grabenkämpfe in der Community. Der Konflikt entbrannte zwischen den wenigen Entwicklern, den Minern (den Personen die Bitcoins erschaffen), und den Mining-Pools (Zusammenschlüsse von Minern).

Entwickler der ersten Stunde geht

Hearn ist einer der profiliertesten Entwickler des Bitcoins. Seit mehr als fünf Jahren schreibt er Software für das Projekt. Zu seinem grössten Verdienst zählt die Entwicklung der BitcoinJ-Library, wie Luzius Meisser, Präsident der Bitcoin Association Schweiz, sagt. Damit habe er das Bitcoin-Wallet für Android-Handys ermöglicht.

In einem Blogbeitrag kündigte Hearn nun seinen Rückzug aus dem Bitcoin-Projekt an. Er sei von den Entwicklungen in der Bitcoin-Community desillusioniert. Er spricht sogar von einem "gescheiterten Experiment".

Grosse Vorwürfe macht er vor allem der Community, die versagt habe und dies gleich in mehrerer Hinsicht. Zunächst bemängelter er, dass sich die Macht beim Bitcoin-Projekt in immer weniger Händen konzentriere. Diese Konzentration der Mining-Power zerstöre die Demokratie im Projekt. Ein paar Leute könnten mit ihrer Stimme wichtige Entscheidungen blockieren.

Konflikt um die Blockgrösse

Hearn machte dieses Problem anhand eines Konflikts über die Grösse der Blöcke auf der Blockchain deutlich. Die Blockchain ist das Verzeichnis aller Transaktionen von Bitcoins, ähnlich einem riesigen Hauptbuch in der Buchhaltung. Neue Transaktionen werden in Blöcke zusammengefasst und der Kette angefügt. Bisher galt für die Blocks die maximale Grösse von 1 Megabyte.

Aufgrund der zunehmenden Popularität von Bitcoin nahm die Anzahl Transaktionen nun aber so weit zu, dass die Blockgrösse von 1 Megabyte nicht mehr ausreicht, um alle Transaktionen zu verarbeiten. Nutzer müssen unter Umständen Stunden bis Tage warten, bis ihre Transaktionen abgearbeitet werden. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit hängt dabei von der Transaktionsgebühr ab, die der Nutzer zu zahlen bereit ist. Diese Gebühr dient als Trinkgeld für die Miner: je höher, desto grösser der Anreiz, schnell bedient zu werden.

Um dies zu ändern, hat Hearn zusammen mit einigen anderen Entwicklern vorgeschlagen, die Grösse der Blöcke zu erhöhen. Er entwickelte bereits den Code dazu und nannte das Projekt "BitcoinXT".

Hackerangriffe gegen "BitcoinXT"

Diesen Vorschlag unterbreitete er der Community und wollte ihn zur Abstimmung bringen. Die Administratoren der Bitcoin-Foren stellten sich laut Hearn aber gegen ihn und blockierten jede Diskussion.

Hearn spricht sogar von Zensur. Auch zwei Konferenzen konnten den Streit nicht beilegen. Laut Hearn hat es sogar Hackingangriffe auf die Unterstützer des "BitcoinXT"-Projekts gegeben, um auf diese Weise das Projekt zu torpedieren.

Aufgrund dieses Konflikts warf Hearn nun das Handtuch und stoppte sein Engagement. Die Krise um das Kernelement der Blockchain stelle das ganze Projekt infrage.

Spaltung scheint möglich

Meisser ordnete diese Anschuldigungen etwas differenzierter ein. Zwar lobte er die Verdienste von Hearn, "aber durch den Streit um die Blockgrösse hat er es sich mit vielen verscherzt, und manche werfen ihm vor, eine Diva zu sein", sagte Meisser.

Er verstehe die Position von Hearn: "Meiner Meinung nach hatte er in der Sache Recht, und ein Eklat war angesichts der verhärteten Positionen wohl unvermeidlich."

Droht die Spaltung?

Laut Meisser steht der Bitcoin vor einem "Schisma". Die Spaltung könnte sich entlang des "Bitcoin Classic", eines alternativen Vorschlags zur Anpassung der Blockgrösse, und des ursprünglichen Bitcoins ("core") vollziehen.

"'Bitcoin Classic' wird von einer Mehrheit der Stakeholder unterstützt, aber nicht von der Mehrheit der Core-Entwickler. Im schlechtesten Fall wird sich das Bitcoin-Netzwerk zweiteilen und alle Bitcoins danach doppelt vorhanden sein, nämlich in jedem der beiden Netzwerke ein Mal. Da die Mehrheit der Börsen und Händler zu 'Bitcoin Classic' tendiert, werden die Bitcoins des Core-Netzwerks aber nicht besonders nützlich sein." Meisser ist aber der Meinung, dass sich die Core-Entwickler noch rechtzeitig einigen werden und sich der Vorschlag einer Erhöhung auf 2 MB durchsetzen werde.

Das Projekt ist nicht in Gefahr

Der Abgang von Hearn hat den Wert des Bitcoin in den Keller getrieben. Möglicherweise sind die Miner dadurch zur Einsicht gelangt, dass Reformen notwendig sind. Die Existenz des Bitcoin steht für Meisser aber nicht auf dem Spiel. "Das ist ein gesunder Test für die Governance von Bitcoin. Er wird letztlich gestärkt daraus hervorgehen", zeigte er sich überzeugt.

Auch die Existenz der vielen Blockchain-Start-ups stellt er nicht infrage. "Die meisten sind recht flexibel im Geschäftsmodell und können auch mit anderen Blockchains arbeiten. Das Ökosystem würde aber schon um ein bis zwei Jahre zurückgeworfen", fügte Meisser ergänzend an.

Auch die Machtkonzentration in den Händen von wenigen Miningpools sieht Meisser etwas differenzierter. Die Grösse der Pools sei sehr volatil und die Miner können jederzeit wechseln. "Die Grösse und Zusammensetzung eines Pools kann sich rasch ändern, wenn der Betreiber sich unbeliebt macht. Von daher sieht die Machtkonzentration in der Statistik dramatischer aus, als sie tatsächlich ist."

Das Medienecho um den Bitcoin ist in den letzten Monaten verhallt. Hinter den Kulissen brodelte es aber gewaltig. Wie jetzt durch einen Brandbrief auf dem Blog von Bitcoin-Entwickler Mike Hearn bekannt wurde, gab es Grabenkämpfe in der Community. Der Konflikt entbrannte zwischen den wenigen Entwicklern, den Minern (den Personen die Bitcoins erschaffen), und den Mining-Pools (Zusammenschlüsse von Minern).

Entwickler der ersten Stunde geht

Hearn ist einer der profiliertesten Entwickler des Bitcoins. Seit mehr als fünf Jahren schreibt er Software für das Projekt. Zu seinem grössten Verdienst zählt die Entwicklung der BitcoinJ-Library, wie Luzius Meisser, Präsident der Bitcoin Association Schweiz, sagt. Damit habe er das Bitcoin-Wallet für Android-Handys ermöglicht.

In einem Blogbeitrag kündigte Hearn nun seinen Rückzug aus dem Bitcoin-Projekt an. Er sei von den Entwicklungen in der Bitcoin-Community desillusioniert. Er spricht sogar von einem "gescheiterten Experiment".

Grosse Vorwürfe macht er vor allem der Community, die versagt habe und dies gleich in mehrerer Hinsicht. Zunächst bemängelter er, dass sich die Macht beim Bitcoin-Projekt in immer weniger Händen konzentriere. Diese Konzentration der Mining-Power zerstöre die Demokratie im Projekt. Ein paar Leute könnten mit ihrer Stimme wichtige Entscheidungen blockieren.

Konflikt um die Blockgrösse

Hearn machte dieses Problem anhand eines Konflikts über die Grösse der Blöcke auf der Blockchain deutlich. Die Blockchain ist das Verzeichnis aller Transaktionen von Bitcoins, ähnlich einem riesigen Hauptbuch in der Buchhaltung. Neue Transaktionen werden in Blöcke zusammengefasst und der Kette angefügt. Bisher galt für die Blocks die maximale Grösse von 1 Megabyte.

Aufgrund der zunehmenden Popularität von Bitcoin nahm die Anzahl Transaktionen nun aber so weit zu, dass die Blockgrösse von 1 Megabyte nicht mehr ausreicht, um alle Transaktionen zu verarbeiten. Nutzer müssen unter Umständen Stunden bis Tage warten, bis ihre Transaktionen abgearbeitet werden. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit hängt dabei von der Transaktionsgebühr ab, die der Nutzer zu zahlen bereit ist. Diese Gebühr dient als Trinkgeld für die Miner: je höher, desto grösser der Anreiz, schnell bedient zu werden.

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