Editorial

Ein trauriges Schaufenster

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George Sarpong, stv. Chefredaktor, Netzwoche
George Sarpong, stv. Chefredaktor, Netzwoche

Mit viel Pomp und Politprominenz ist vor einem Jahr der Adressraum .swiss eingeführt worden. Die Waggons der Jungfraubahnen trugen den Schriftzug .swiss hinauf auf das Jungfraujoch. Neben der Tell-Statue ragte in Altdorf eine .swiss-Statue empor und bewarb die neue Top-Level-Domain.

Bundesrätin Doris Leuthard liess es sich nicht nehmen, den Medien persönlich die Strategie hinter dem Kauf des 185 000 Franken teuren Adressraums zu erklären. Der Bund wolle mit den .swiss-Websites ein buntes Schaufenster der Schweizer Wirtschaft und Kultur gestalten, erklärte Leuthard. Damals herrschte Aufbruchstimmung.

Ein Jahr später ist davon nicht mehr viel übrig (Seite 24). Das Bakom habe zwar fast 16 000 Websites mit der Endung .swiss genehmigt, teilte das Amt kürzlich mit. Allerdings führt die Eingabe entsprechender Adressen oft auf eine .ch-Adresse oder gar ins Leere. Wer
rivella.swiss in die Adresszeile eines Browsers eintippt, wird auf­rivella.ch weitergeleitet, Gleiches gilt für den Auftritt von Feldschlösschen und Arosa-Tourismus. Das Bakom präsentiert auf seiner Website dot.swiss diese Unternehmen als Nutzer von .swiss-Adressen.

Das ist keine gute Werbung. Ausserdem ist die Situation bedauerlich für jene Unternehmen, die gerne .swiss-Adressen genutzt hätten. Wie etwa für den Kaffeemaschinenhersteller Jura. Für Jura gewinnt das Auslandsgeschäft zunehmend an Bedeutung, und gerade ausländische Kunden sprechen auf die Adress-Endung .swiss an. Leider erhielt der Kanton Jura den Zuschlag. Dabei nutzt der Kanton die Adressen bis auf Weiteres überhaupt nicht. So wird es nichts mit dem bunten Schaufenster der Wirtschaft und Kultur im Web.

Viel Lesevergnügen!

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