Müllers kleines ABC

N wie Neudeutsch

Uhr | Aktualisiert
von Christopher Müller, Inhaber und CEO von Die Ergonomen Usability AG.

Christopher Müller ist Inhaber und CEO von Die Ergonomen Usability. In seiner Kolumne seziert er IT-Probleme.

Theorie: «Neudeutsch», gelegentlich auch «Neusprech», wird meist abwertend für eine Ausdrucksweise verwendet, die charakteristisch für eine gerade modische (neudeutsch: hippe) Lebensform oder Verhaltensweise steht.

Realität: Eine wichtige Funktion hat Neudeutsch bei den Jugendlichen. Ihnen hilft es, sich von ihren verkrampften (uncoolen) Eltern sprachlich abzugrenzen und gleichzeitig ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe (Community) zu verlautbaren. Klar, das mag zuweilen nerven, dient aber offensichtlich der Entwicklung unserer lieben Kleinen. Kommunikativ gesehen, hält sich der Schaden eh in Grenzen – wer will, wer kann denn schon die Pubertierenden verstehen?

Schwierig wird’s hingegen, wenn Neudeutsch unreflektiert ins Geschäftsleben überschwappt, und das tut es gerade in der IT-Branche recht häufig. Dann passiert es schon mal, dass Tante Klara via FAQ den Tipp bekommt, ihr bockendes Handy doch einfach zu rebooten. Dem Hundefrisör um die Ecke wird per Mailing wärmstens empfohlen, zur Steigerung des Traffic auf seiner Website ein SEO-Package zu buchen. Die Buchhalterin mit dem Drucker-Problem erhält vom Admin die Anweisung, eine Remote Session auf ihrem Device zu initialisieren.

Nun, die Chancen stehen gut, dass Tante Klara nervös wird und ihr Handy am Ende doch lieber bei der nächsten Filiale vorbeibringt. Der Hundefrisör wird sich vermutlich kurz hinter den Ohren kratzen und die E-Mail dann löschen. Die Buchhalterin, als eher dünnhäutig bekannt, wird wohl gleich losbrüllen, sie habe jetzt keine Zeit für solchen Remote-Quatsch, und den Hörer aufs Telefon knallen.

Fazit: Die Kommunikation mit Nutzern oder Kunden ist definitiv der falsche Ort, sich sprachlich vom Rest der Welt zu differenzieren. Wer hier Jargon säht, wird nicht Respekt, sondern Unverständnis ernten. Deshalb: Halten Sie es einfach (keep it simple) und denken Sie daran (remember): Ein Drucker ist ein Drucker und kein Printer.

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