Wild Card

Sich trauen zu klauen!

Uhr | Aktualisiert
von Daniel Liebhart, Solution Manager der Trivadis AG.

Allen Unkenrufen zum Trotz ist Individualsoftware nach wie vor gefragt. Die gerade losrollende Technologiewelle wird das nicht ändern. Es ist mit einer Zunahme des Bedarfs zu rechnen. Um das Beste für den Kunden zu liefern, ist es klug, von den Guten zu klauen.

Daniel Liebhart, Dozent an der ZHAW und Solution Manager bei der Trivadis AG.
Daniel Liebhart, Dozent an der ZHAW und Solution Manager bei der Trivadis AG.

Als Individualsoftware werden Anwendungen bezeichnet, die für den Einsatz in einem speziellen Betrieb entwickelt werden (Gabler Wirtschaftslexikon). Es handelt sich dabei um Einzelanfertigungen und in viel Fällen sogar um exzellentes Kunsthandwerk, sofern es von fachkundigen Profis erstellt wurde. Seit vielen Jahren wird dieser Kunst durch Industrialisierung der Tod vorausgesagt. So etwa in der Prognose von MSM Research aus dem Jahr 2015, die einen Rückgang des Budgets von 31 auf 25 Prozent für dieses Jahr voraussieht (Statista).

Die Realität wird wahrscheinlich anders aussehen, denn seit Jahren liefern sich Individualsoftware und Standardprodukte in den meisten Ländern ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wenn es um die Ausgaben und Marktanteile geht. Die Zahlen des Swiss Software Industry Survey 2016 sprechen für die Schweiz eine deutliche Sprache. Die Erstellung von Individualsoftware ist mit 36,9 Prozent Anteil, gemessen an der Anzahl Fachkräfte, nach wie vor die Königsdisziplin. Kein Wunder, welches Unternehmen will schon nicht Software, die zu 100 Prozent auf seine Bedürfnisse abgestimmt ist.

Die Konsequenzen der Technologiewelle

Die Analysten sagen für dieses Jahr die Reife einer Vielzahl neuer Technologien wie etwa Blockchain, Maschine Learning oder Virtual & Augmented Reality voraus. Sie sind nur die Schaumkronen der Technologiewelle, die eine Vielzahl von Innovationen und neuen Lösungen für Unternehmen ermöglichen. Mit dieser Technologiewelle wird eine neue Generation von Individuallösungen entstehen. Lösungen, die dafür sorgen, dass Unternehmen ein integraler Bestandteil der digitalen Welt werden. Und damit auch Lösungen, deren Technologiemix weitaus breiter und deren Integrationsbedarf weitaus höher ist als bisher. Das macht die Orientierung bezüglich der Vielzahl von Umsetzungsvarianten schwieriger.

Referenzarchitekturen werden wichtiger!

Jede Individuallösung wird in einer bestimmten Branche für einen bestimmten Zweck eingesetzt. Mag sie noch so innovativ sein, so ist dennoch zu erwarten, dass ähnliche Aufgabenstellungen bereits realisiert oder jedoch angedacht wurden. In sehr vielen Fällen sind entsprechende Referenzarchitekturen vorhanden. Sie sind praktisch auf jeder Ebene verfügbar. Angefangen bei Technologien wie etwa IoT (IoT-A), Cloud (NIST CCRA) oder Big Data (Big-Data-Ecosystem) über Branchen wie etwa die industrielle Fertigung (RAMI), Banking (BIAN), Verwaltung (HERA) oder die Energieversorgung (SGAM) bis hin zu einzelnen typischen Anwendungsbereichen wie CRM, ERP, SCM und einer Vielzahl weiterer. Darüber hinaus hat jeder grosse Hersteller seine Referenzarchitekturen, die auf das Einsatzgebiet seiner Produkte oder Plattformen zugeschnitten sind. All diese Leute haben sich bei der Definition etwas gedacht. Bei der Umsetzung zukünftiger Individuallösungen sind wir angesichts der zu erwartenden Herausforderungen gut beraten, diese Überlegungen in unsere Lösungen mit einzubeziehen. Trauen wir uns, bei ihnen zu klauen!

Daniel Liebhart ist Dozent für Informatik an der ZHAW (Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften), Experte für Enterprise-Architekturen und Solution Manager der Trivadis AG.

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