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Wir Prosumer!

Uhr | Aktualisiert
von Daniel Liebhart, Solution Manager der Trivadis AG.

Die Informationstechnologie macht es möglich: Jeder wird zum Prosumer – also zum Konsumenten und Produzenten ­zugleich. Was ­ursprünglich als theoretisches Arbeitsmodell definiert wurde, wird zusehends zur Realität.

Daniel Liebhart, Dozent für Informatik an der ZHAW und Solution Manager von Trivadis
Daniel Liebhart, Dozent für Informatik an der ZHAW und Solution Manager von Trivadis

Der Prosumer oder auch Prosument ist als Begriff bereits vor knapp 30 Jahren von Alvin Toffler in seinem Buch "Die dritte Welle – Perspektiven für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts" formuliert worden. Lange Zeit blieb dieses Konzept unbeachtet, bis sich in den letzten Jahren zwei Ausprägungen etabliert haben. Zum einen im Bereich der neuen Medien und sozialen Netzwerke, da der Konsument gleichzeitig Inhalte erzeugt und ins Netz stellt. Und zum anderen in der Energiewirtschaft, da die Möglichkeiten der dezen­tralen Einspeisung durch Solaranlagen, Windräder, Biomasseanlagen oder Kleinwasserkraftwerke es Kunden von Elektrizitätswerken erlauben, selbst Strom zu produzieren.

Prosumer heute

Die Medienbranche versucht seit bald zehn Jahren, diesen Trend zu nutzen und ihre Inhalte mehr und mehr durch ihre Konsumenten mitgestalten zu lassen oder zumindest die Ausstrahlung der eigenen Inhalte durch die Konsumenten mitzuprägen. Keine etablierte Radiostation, die heute nicht eine App verwendet, keine Fernsehgesellschaft, die heute nicht über "Second Screen"-Mechanismen verfügt, um Medienkonsumenten direkt in die Programmgestaltung miteinzubeziehen. Heute alltägliche Sendungen mit Publikumgsvotings sowie Filme mit von Zuschauern gesteuerten Handlungssträngen oder alternativen Enden sind das Resultat dieser Bemühungen.

Die Energiewirtschaft ist dank Smart-Grid-Technologie fähig, ihre Verbraucher als Erzeuger in ihr Verteilnetz miteinzubinden. Es entstehen dadurch sogenannte Prosumer-Communitys, die verschiedene Rollen im Energiemarkt einnehmen können. Die klassische Rolle ist diejenige des virtuellen Kraftwerks. Die einzelnen Mitglieder der Community stellen dabei sogenannte verteilte Energieressourcen dar, die mittels geeigneter Technologie so gesteuert werden können, dass sie wie ein konventionelles Kraftwerk in die Energieversorgung miteingebunden werden können.

Prosumer morgen

In anderen Branchen wie etwa in der Logistik werden entsprechende Ideen bereits seit Jahren diskutiert. Das Szenario: Wer auch immer von A nach B mit einem Fahrzeug fährt, kann auf dieser Route Pakete oder andere Waren gegen entsprechende Vergütung transportieren. Der Besitzer eines Privatfahrzeugs – also ein Konsument der Automobilindustrie – wird zum Produzenten von Logistikdienstleistungen – also zum Prosumer. Dieses Modell existiert nicht nur für die letzte Meile, also die Feinverteilung, sondern auch für Langstreckenlieferungen, wie Plattformen wie Roadie oder Friendshippr zeigen.

Und übermorgen – der Prosumerismus als neue Arbeitsform?

Doch das Phänomen Prosumer wird in Zukunft weitere Branchen erreichen. Das glauben auf jeden Fall jene Wirtschaftswissenschaftler, die im Buch "Digital Labor and Prosumer Capitalism" den Prosumenten als die dominante Arbeitsform der Zukunft darstellen. In Zukunft werden wir, sobald wir uns an einer beliebigen Wertschöpfungskette beteiligen, jederzeit selbst entscheiden können, ob wir als Konsument oder als Produzent oder eben als Kombination von beiden – als Prosument – auftreten wollen. Das eröffnet uns eine Vielzahl neuer Möglichkeiten, wie wir unseren Lebensunterhalt bestreiten können.

Daniel Liebhart ist Dozent für Informatik an der ZHAW (Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften), Experte für Enterprise-Architekturen und Solution Manager der Trivadis AG.

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