Editorial

Glück gehabt!

Uhr | Aktualisiert
George Sarpong, stellvertretender Chefredaktor, Netzwoche
George Sarpong, stellvertretender Chefredaktor, Netzwoche

Geräte, Haushalte, Maschinen in Unternehmen, sogar die Infrastruktur von Städten: Alles soll miteinander vernetzt werden, Daten austauschen und neue Informationen schaffen. Dies soll das Leben der Menschen verbessern und der Wirtschaft neue Möglichkeiten eröffnen. Doch die Vernetzung von Produkten und Geräten birgt auch Gefahren. Sie eröffnet Cyberkriminellen neue Möglichkeiten. Wie verheerend diese sein können, zeigte jüngst der Angriff durch den ­Kryptotrojaner "Wanna Cry". Dieser verschlüsselte mehr als 200 000 Rechner in 150 Ländern weltweit. Laut Experten schaffte es noch keine Erpressungssoftware, in so kurzer Zeit so viele ­IT-Systeme weltweit lahmzulegen.

Die Schweiz kam nach Angaben von Melani glimpflich davon. Die staatliche IT-Sicherheitsbehörde sprach gegenüber der "Tagesschau" von gut 200 infizierten IP-Adressen. In anderen Ländern sah es schlimmer aus. In Grossbritannien wurden mehrere Spitäler Opfer der Cyber-Erpresser. Während sich in den Medien Sicherheitsexperten darüber stritten, ob man bei Angriffen mit Kryptologgern Lösegeld bezahlen sollte oder nicht, mussten Ärzte Operationen verschieben. Sie konnten nicht mehr auf wichtige Patientendaten zugreifen.

Schweizer Spitäler hatten wohl Glück. Der Spitalverband H+ begründete dies mit dem hohen Sicherheitsniveau Schweizer Krankenhäuser. Dass die Spitäler und die restliche Schweiz mit einem blauen Auge davonkamen, hatte aber auch einen anderen Grund. So gingen die Erpresser eher stümperhaft vor und hinterliessen ihrerseits eine Sicherheitslücke: eine unregistrierte Website. Ein Sicherheitsspezialist sicherte sich die Domain und bremste hierüber die weitere Ausbreitung von "Wanna Cry".

Doch was passiert bei der nächsten Attacke? Wenn die Schweiz bei der digitalen Transformation von Wirtschaft, Gesellschaft und öffentlicher Hand kein Sicherheitsfiasko erleben will, müssen die Verantwortlichen jetzt handeln. Denn die digitale Entwicklung ist in vollem Gange. Die SBB, Schweizerische Post und selbst verschiedene ­Gemeinden arbeiten an Smart-City-Konzepten. E-ID und E-Voting werden kommen.

Es ist wichtig, die Vorzüge der neuen digitalen Lösungen aufzuzeigen. Doch genauso wichtig ist es, umfassende Sicherheitskonzepte zu erstellen. Security-Anbieter, IT-Verantwortliche, aber auch Strafverfolgungsbehörden inklusive der Geheimdienste müssen zusammenarbeiten. Dies auch über Kantons- und Landesgrenzen hinweg.

Viel Lesevergnügen!

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