Editorial

PSD2, Open Banking und Robo Advisors

Uhr | Aktualisiert
Marc Landis, Chefredaktor (Source: Netzmedien)
Marc Landis, Chefredaktor (Source: Netzmedien)

Banken haben es in der Ära der Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle vom Front- über das Middle-Office bis zum Back-Office mit verschiedensten Herausforderungen zu tun. In allen Bereichen gibt es Prozesse zu digitalisieren, zu automatisieren, aus- oder umzulagern, zu beschleunigen, zu streamlinen, zu vereinfachen.

Viele Banken würden wohl gerne (schneller) digitalisieren, doch vielleicht hindern sie jahrzehntealte Legacy-Systeme, die teuer unterhalten beziehungsweise am Leben erhalten werden müssen, daran. Andere wollen nicht digitalisieren, weil sie die Dringlichkeit nicht erkennen und glauben, Digitalisierung sei ein Hype.

Dann gibt es jene "flinken Fintechs" (man verzeihe mir die Worthülse), die sich einen bestimmten Prozess einer Bank nehmen und diesen digitalisieren. Idealerweise interessieren sich Banken dann dafür, diesen digitalisierten Prozess beim flinken Fintech einzukaufen, weil sie glauben, damit schneller zu digitalisieren, als wenn sie sich selbst überlegen müssten, wie sie ihre (eigenen) Prozesse digitalisieren sollten.

Dass die Finanzbranche den heissen Atem der Digitalisierung im Nacken spürt und Banken zu Recht befürchten müssen, dass ihnen die Felle davonschwimmen, ist wohl unbestritten. Robo Advisor mit oder ohne künstliche Intelligenz, Predictive Analytics etc. treten in Konkurrenz zu menschlicher Bank­beratung.

Bedroht fühlen sich Finanzinstitute im Weiteren durch die neue EU-Richtlinie "Payment Service Directive" (PSD2), die auch einen Einfluss auf Schweizer Banken haben dürfte. Sie bricht das Monopol der Banken beim Zugriff auf Kontodaten und verpflichtet Geldhäuser, Drittanbietern wie Finanz-Start-ups den Zugriff auf Konten und Daten ihrer Kunden zu ermöglichen. Für Bankkunden dürfte die EU-Richtlinie neue, innovative Finanzprodukte und -dienstleistungen bringen. Wenig überraschend ist die Schweizerische Bankiervereinigung gegen eine "staat­liche Zwängerei" in diesem Zusammenhang. Gegen Open Banking hat sie hingegen nichts. Warum das kein Widerspruch ist? Lesen Sie selbst (Seite 32).

Die Digitalisierung in der Finanzbranche steht am Anfang. Und durch IT wird sie erst möglich. Chancen bieten sich durch sie für Banken, Fintechs, IT-Dienstleister und nicht zuletzt für Kunden. Und sie sollten bei der Digitalisierung – nicht nur der Banken – immer im Zentrum der Überlegungen stehen.

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