Berner Tagung ISSS

"Die Cloud ist super"

Uhr | Aktualisiert

Die Berner Tagung des Informationssicherheitsverbands ISSS stand unter dem Zeichen der Cloud-Sicherheit. Glaubt man den Referenten, nehmen die Vorbehalte gegenüber der Cloud ab. Doch die Erfahrungen eines international tätigen Schweizer KMUs zeigen, dass nicht alles eitel Sonnenschein ist.

Willy Müller vom Informatikstrategieorgan Bund.
Willy Müller vom Informatikstrategieorgan Bund.

Cloud, Mobile und Social Media sind derzeit die Stars unter den IT-Themen. Gekoppelt mit dem Thema Informationssicherheit ergibt das einen explosiven Themenmix. Auf dieses Rezept haben auch die Organisatoren der gestrigen Berner Tagung des Informationssicherheitsverbands ISSS gesetzt. Mit Erfolg: Das Berner Bellevue Palace war mit 340 Teilnehmern restlos ausgebucht.

Auf das erste Loblied auf die Cloud musste man indes nicht lange warten: "Die Cloud ist super", hielt Willy Müller vom Informatikstrategieorgan des Bundes gleich zu Beginn seines Referats fest. Seiner Meinung nach sollten die Behörden wo immer möglich Cloud-Dienste nutzen und gemeinsame Projekte realisieren. Er mahnte aber dazu, nichts zu überstürzen und Augenmass zu bewahren.

Für ihn ist klar, dass die hochsensiblen Staatsdaten nicht in die Public Cloud wandern dürfen. Für diese Daten liegt das Modell einer "Behörden-Cloud" laut Müller durchaus im Bereich des Möglichen. Dafür müssten allerdings mögliche Lösungsansätze zuerst in einem politischen Prozess diskutiert werden. Und man wolle das Projekt möglichst gemeinsam mit der Wirtschaft realisieren.

Sicherheitsbedenken nehmen ab

In Umfragen von Marktforschern nahmen die Sicherheitsbedenken  als Argument gegen den Einsatz von Cloud-Diensten zuletzt regelmässig Spitzenplätze ein. Bestärkt wurden die Cloud-Skeptiker durch Vorfälle wie die Cloud-Panne bei Amazon oder der Kundendatenklau bei Sony. Da konnten Cloud-Anbieter noch so lange mit den beiden augenscheinlichsten Vorteilen ihres Modells, den tiefen Kosten und der hohen Skalierbarkeit, werbem. Viele Unternehmen blieben standhaft gegen die Cloud.

Doch das Argument verliert an Gewicht, wie Michael Waidner vom Fraunhofer Institut anmerkte. Die absolute Sicherheit gebe es natürlich nicht, aber die Cloud sei in vielen Fällen sicherer als der Inhouse-Betrieb. Man solle jedoch genau hinschauen, denn nicht alle Cloud-Dienste böten die gleichen Schutzstandards. Waidner wird dazu Anfang Dezember auf der Institutssite eine neue Studie unter dem Titel "On the Security of Cloud Storage Services" gratis zum Download anbieten.

Michael Binder vom Sicherheitslösungsanbieter Symantec plädierte derweil für einen Paradigmenwechsel in der IT-Sicherheit, weg vom systemzentrischen hin zum informationszentrischen Ansatz. "Im Mittelalter hat man Mauern um die Städte gebaut. Das geschieht auch heute bei der IT in Unternehmen", sagte Binder. Längst nicht alle Daten seien gleich sensibel, deshalb müssten sich Unternehmen genau überlegen, welche Daten sie wie gut schützen wollten. Mit Data-Loss-Prevention-Lösungen könne man das Problem in den Griff bekommen, so Binder.

Mit Zertifikaten Vertrauen stärken

Für Pascal Scheller vom weltweit tätigen Technologie-KMU Adval Tech, der die IT-Strategie für das Unternehmen verantwortet, sind die Sicherheitsbedenken gar nicht unbedingt das Haupt-Problem. Viel eher bemängelt er den Support der Cloud-Dienstleister. So sei die Erreichbarkeit innerhalb einer bestimmten Zeit zwar gegeben, doch bis wann das Problem dann gelöst sei, sei oft nicht definiert. "Auf interne Ressourcen kann man mehr Druck ausüben als auf den Support in Übersee", stellt Scheller klar. Insgesamt überwiegten jedoch die Vorteile der Cloud-Dienste, insbesondere deshalb, weil das Unternehmen international tätig ist.

Cyrill Osterwalder, Privacy Engineering Lead von Google Schweiz, hob währenddessen hervor, dass man bei Google alles dafür tue, das eigene Cloud-Angebot zu stärken. Sowieso sei es die Aufgabe der Cloud-Anbieter, mit Standards und Zertifikaten mehr Vertrauen der Nutzer zu gewinnen. Google zum Beispiel biete seit geraumer Zeit die sogenannte "2-step verification"-Google-Mail an, um die Sicherheit zu erhöhen.

Denn letztlich überwiegen die Vorteile der Cloud laut Osterwalder bei weitem. Nicht nur bezüglich Kosten, sondern auch in puncto Performance. So habe Youtube bei der königlichen Hochzeit diesen Frühling selbst bei 40000 Requests pro Sekunde keine Performance-Einbussen gehabt. Auch Wibke Sudholdt vom ETH-Spin-off Cloudbroker wies auf die Vorteile der Cloud im High Performance Computing hin, die vor allem bei Forschungsprojekten mit riesigen Datenmengen zum Tragen kommen.

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