Christof Zogg, Director Developer & Platform Group bei Microsoft Schweiz

"Wir werden nicht mit einem Release die ganze Welt auf den Kopf stellen können"

Uhr | Aktualisiert
von René Mosbacher

Die neuste Beta-Version von Windows 8 ist nun schon einige Wochen öffentlich zugänglich. Die Netzwoche hat sich mit Christof Zogg, Director Developer & Platform Group bei Microsoft Schweiz, über Freud und Leid mit Metro und über Chancen und Risiken im Markt der mobilen Geräte unterhalten.

Christof Zogg ist überzeugt, dass sich die Metro-Oberfläche auf den Desktops durchsetzen wird.
Christof Zogg ist überzeugt, dass sich die Metro-Oberfläche auf den Desktops durchsetzen wird.

Herr Zogg, haben Sie die neue Beta-Version von Windows 8 schon installiert?

Auf dem Hauptrechner noch nicht, aber auf meinem Tablet. Das brauche ich zurzeit für alle Präsentationen.

Was finden Sie das Spannendste daran?

Für mich ist es die Möglichkeit, auf dem Tablet und dem PC dieselben Anwendungen laufen zu lassen. So kann ich mit demselben Betriebssystem entweder via Touchscreen oder via Maus und Tastatur arbeiten – sowohl in Reinkultur als auch im gemischten Betrieb. Das ist aber auch am gewöhnungsbedürftigsten.

Genau – wenn ich auf dem Desktop damit arbeite, falle ich zwischen den Bedienkonzepten von Metro- und Aero-Oberfläche in ein Loch. Wie soll das gelöst werden?

Das ist eine berechtigte Frage. Aber wir mussten die Anwender schon öfters sozusagen in ihr neues Glück schubsen. Mir ging es etwa beim neuen Outlook mit der Conversation View so. Diese Funktion hat mich anfangs so geärgert, dass ich sie nach drei Tagen abgeschaltet habe. Unterdessen möchte ich darauf aber keinesfalls mehr verzichten. So ähnlich dürfte es auch mit der Metro-Oberfläche gehen. Aber ich gebe zu, wir hören Nutzer klagen, dass sie keine Wahlfreiheit bezüglich Bedienkonzept haben. Metro lässt sich ja nicht abschalten. Ob sich das noch ändern wird, kann ich momentan nicht sagen.

Liegt es nicht einfach daran, dass es für Metro noch keine passende Desktop-Hardware gibt?

Nein, ich glaube, das ist wirklich eine Frage der Gewöhnung. Es gibt schon gute Beispiele von reinen Metro-Applikationen für den Desktop, etwa Metrotwit. Der Unterschied ist einfach, dass die Applikation nicht mehr ins Fenster gezwängt wird, sondern den ganzen Bildschirm nutzt. Dafür bekommt man Animationselemente, eine moderne Typografie und das Ganze lässt sich auch mit Tastatur und Maus gut bedienen. Klar, wir werden nicht mit einem Release die ganze Welt auf den Kopf stellen können. Wir werden uns und unseren Partnern Zeit für einen sauberen Übergang geben müssen. Einen ersten Eindruck, wie das aussehen kann, geben die Screenshots von Office 15.

Windows 8 scheint vor allem den Consumern viel Spannendes zu bieten – warum aber sollen sich Unternehmen darauf stürzen?

Teilweise gebe ich Ihnen recht – der neue Release heisst ja auch Consumer Preview. Im Ernst: In der Schweiz werden bis zur Hälfte der Tablets von Unternehmen gekauft. Aber weil es sich vor allem um Geräte mit iOS oder Android handelt, tut sich die IT schwer, sie zu integrieren. Hier steckt ein grosses Potenzial für Windows 8, besonders, wenn man bedenkt, was sich im Zusammenspiel mit Windows Server 8 alles machen lässt. Dazu kommt, dass noch immer etwa die Hälfte der Firmen-PCs auf Windows XP läuft. Die werden wohl oder übel bald ersetzt werden. Die Erneuerungszyklen in Unternehmen dauern zwar länger, als wir uns das wünschen. Wir glauben aber, dass die Adoption von Windows 8 etwa gleich lang dauern wird wie bei früheren Versionen.

Geht es bei Windows 8 nicht vor allem darum, im Mobile-Markt endlich Fuss zu fassen?

Da möchte ich mich gar nicht herauswinden – Microsoft ist mit seinem Marktanteil in diesem Bereich unzufrieden. Aber der Wettbewerb steht erst am Anfang, und wir haben eine einzigartige Antwort. Wir haben nämlich die Bedienoberfläche für Tablets nicht einfach aus einem Handybetriebssystem hochskaliert, wie das andere tun. Aus unserer Sicht ist nun der Moment da, eine Plattform für alle Geräte zu bauen, die auf derselben Betriebssystembasis beruht. Das ist ökonomisch und hat unter anderem den Vorteil, dass alle Applikationen auf allen Geräten laufen. Insofern ist unser Ansatz radikaler und konsequenter.

Aber auch ziemlich riskant ...

Durchaus – Steve Ballmer hat Windows 8 nicht umsonst als riskantestes Projekt bezeichnet, das Microsoft je lanciert hat.

Was passiert eigentlich mit all der Desktopsoftware, für die es keinen Migrationspfad auf ARM-Tablets zu geben scheint?

Zurzeit bieten wir keine Tools für die Anpassung von x86-Programmen auf ARM an. Wir haben aber Versionen von Office, Windows Explorer und Internet Explorer für ARM angekündigt. Damit bewegen wir uns deutlicher in Richtung produktives Arbeiten auf Tablets, als dies die Konkurrenz tut. Heute sind Tablets meist nur Zweit- und Drittgeräte, weil sie vor allem zum Informationskonsum und nicht zur Informationsproduktion taugen.

Apps für ARM-Geräte können ausschliesslich über den Windows Store installiert werden. Ist das das kommende Modell auch für Intel-PCs?

Nein. Metro-style Apps lassen sich auf Intel- und ARM-Geräten sowohl via Windows Store als auch ausserhalb des Stores verbreiten.

Wie wurde Windows 8 bisher angenommen?

Die Consumer Preview wurde innerhalb des ersten Tages eine Million mal heruntergeladen. Einen weiteren Hinweis geben die ausgesprochen guten Bewertungen, die wir an der kürzlich abgehaltenen Windows-Tech-Konferenz erhielten. Dort ging es schwerpunktmässig um die Entwicklung von Metro-style-Apps. Aufgrund des guten Feedbacks erwarten wir, dass bis Ende Juni bereits 25 funktionierende Metro-Apps für die Lancierung fertig sein werden.

Das heisst, Windows 8 wird also doch im Oktober auf Tablets gestartet?

Ein offizieller Termin wurde noch nicht genannt. Ich freue mich aber, wenn die Gerüchte stimmen.

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