Aus den Labors

App statt Blindenstock

Uhr | Aktualisiert

Forscher der Universität Palermo tüfteln an einer App, die einen Blindenstock ersetzen könnte und ohne GPS oder Audiosignale auskommen soll.

So wird die App in etwa aussehen. (Quelle: Screenshot von Technologyreview.com)
So wird die App in etwa aussehen. (Quelle: Screenshot von Technologyreview.com)

Apps, die Blinden oder sehbehinderten Menschen helfen sollen, sich zurechtzufinden, funktionieren normalerweise mit GPS oder Audiosignalen. Das Problem dabei: Verkehrslärm kann die Audiosignale übertönen, zudem funktioniert GPS nicht innerhalb von Räumen oder bei bedecktem Himmel.

Pierluigi Gallo von der Universität in Palermo hat zusammen mit Forscherkollegen eine neue Navigationshilfe-App für Blinde und Sehbehinderte entwickelt, die ohne GPS und Audiosignale auskommt, wie MIT Technology Review berichtet.

Farbiges Tape markiert Route

Voraussetzung, dass die App funktioniert, ist laut dem Bericht farbiges Tape, das auf dem Boden aufgeklebt ist und so eine Indikationslinie beziehungsweise Route durch das Gebäude markiert. Um das farbige Tape beziehungsweise die Linie zu erkennen, richtet der Nutzer seine Smartphone-Kamera auf den Boden und nutzt sie, um den Boden zu scannen. Dazu muss er das Smartphone wie einen Blindenstock hin- und herbewegen.

Die App analysiert daraufhin den Boden. Sobald die Linie im Suchfeld der Kamera erscheint, vibriert das Smartphone. Der Nutzer, der seinen Finger auf dem Touchscreen hält, spürt die Vibration und kann so erkennen, wo die Linie ungefähr liegt. Die App funktioniert also nach dem Prinzip eines Blindenstocks, mit dem man eine leicht erhöhte Signallinie am Boden ertasten könnte.

Noch nicht am Markt verfügbar

Bisher befindet sich die App noch in einer Testphase. Wann sie auf den Markt kommen und was sie kosten wird, kann Gallo laut MIT Technology Review zum derzeitigen Zeitpunkt nicht sagen. Kommt die App aber dereinst auf den Markt, wird sie darauf angewiesen sein, dass möglichst viele Gebäude mit den erforderlichen Linien ausgerüstet sind - wird sie daher nicht nur beschränkt einsetzbar sein?

Angesprochen auf dieses Problem, schreibt Gallo in einer E-Mail an die Redaktion, dass heutzutage öffentliche Gebäude wie beispielsweise Spitäler bereits mit dieser Art von Streifen ausgestattet seien. Solche Linien am Boden anzubringen oder aufzumalen sei zudem nicht teuer und auch nicht schwierig zu realisieren.

Das Forscherteam sei zudem bereits in Gesprächen mit einigen Behörden, die daran interessiert seien, solche Indikationslinien in verschiedenen Umgebungen zu realisieren. Parallel dazu arbeiten die Forscher laut Gallo auch an Indoor-Lokalisierungssystemen, die ohne diese Linien auskommen sollen. Derzeit sei die Genauigkeit dieser Lösungen aber noch nicht ausreichend. Zwar liesse sich mit spezieller Hardware etwas machen, aber das wiederum wäre unter Umständen zu teuer.

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