Mobile Payment und NFC

Wie weiter mit Mobile Payment in der Schweiz?

Uhr | Aktualisiert

Aduno hat heute an einer Tagung zum Thema Mobile Payment eine Initiative vorgestellt, die einen Schweizer Standard für mobiles Bezahlen schaffen soll. Die Idee hat zwar durchaus Vorteile, aber auch Tücken.

Das Thema Mobile Wallet oder Mobile Payment wird schon lange diskutiert, doch eine konkrete Lösung hat bisher niemand zur Hand. Die Probleme sind bekannt: Es gibt viele Anbieter, die sich gegenseitig konkurrieren. Standards, an die sich alle halten, sind eine Wunschvorstellung. Jeder will die Kundendaten, die im Rahmen von Mobile Payment generiert werden, für sich behalten. Der Kunde wiederum sorgt sich um den Schutz seiner persönlichen Daten.

Eine neue Initiative will in dieser Diskussion nun Abhilfe schaffen. Die sogenannte Swiss-ALPS-Initiative (ALPS = Access Loyalty Payment Solution) hat das Ziel, eine standardisierte Digital-Wallet zu lancieren, die über das reine NFC-Payment hinausgeht.

Eine Wallet für alle

Ähnlich dem Prinzip, wie es Adnovum bereits im November empfohlen hat, soll diese sogenannte "Swiss Wallet" verschiedene Produkte integrieren, beispielsweise den Ticketkauf der SBB oder die Punkte-Bonus-Systeme von Migros und Coop, wie Roland Zwyssig, CMO der Aduno-Gruppe, heute Morgen zu Beginn der zweitätigen "Mobile Wallet & Mobile Payment"-Tagung im Hotel Belvoir in Rüschlikon erklärte.

Aduno hat 2013 in Zusammenarbeit mit Unternehmen wie UBS, Six Payment Solutions oder Postfinance eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, um die Swiss-ALPS-Initiative zu lancieren und einen Schweizer Standard zu schaffen.

Tapit als Basis

Die Swiss-ALPS-Initiative baut auf der mobilen Payment-Lösung "Tapit" von Swisscom auf, die als eine Art Container für alle NFC-Lösungen fungieren soll. Laut Hugo Straumann, IT, Network & Innovation von Swisscom, handelt es sich dabei um eine "neutrale Plattform, die Swisscom als Mobile Network Operator (MNO) anderen MNOs anbieten will". Dies sagte auch die Projektverantwortliche Britta Reinhardt im Januar gegenüber der Netzwoche.

Gespräche mit Sunrise und Orange seien im Gange, so Straumann. Bleibt noch das Problem, dass Apple nicht auf NFC setzt, und das in einem Land voller Apple-Fans wie in der Schweiz. Swisscom ist sich dessen durchaus bewusst, hat aber aktuell die Patentlösung noch nicht gefunden, wie aus den Ausführungen Straumanns hervorgeht.

Vor- und Nachteile

Die Kunden-Vorteile der Swiss Wallet, sofern sie den Durchbruch schafft, sind klar: Es wäre eine Schweizer Lösung, idealerweise würden verschiedene MNOs und Banken mitwirken und relevante Techologien sollten unterstützt werden. Die Anbieter wiederum könnten Synergien nutzen und Investitionskosten sparen.

Es gibt aber auch Hürden, die es zu überwinden gilt: Die verschiedenen Anbieter müssen von der Idee einer eigenen Lösung und eventuell auch einer Monopolstellung am Mobile-Payment-Markt absehen. Stattdessen müssten sie zusammen mit anderen Anbietern der Mobile Wallet beitreten, bei der die Kundendaten zumindest theoretisch dem Kunden gehören und sonst niemandem. Ob dies wirklich gelingen wird, ist angesichts der Entwicklungen der letzten Jahre doch eher fraglich.

Ausgang noch offen

So oder so - wie es mit Swiss Wallet weitergeht, wird sich zeigen. Testing und Launch sind für Mitte 2014 geplant, ab 2015 soll die Swiss Wallet mit unterschiedlichen Funktionen und Dienstlestungsprovidern ergänzt werden, so die Idee der Initiative.

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