Crowdfunding im Aufwind

"Die Kombination von Rendite und emotionellem Return ist in der Finanzbranche einmalig"

Uhr | Aktualisiert

Crowdfunding gilt als spannendes neues Modell der Unternehmensfinanzierung im Internet. Mit C-Crowd ist auch eine Schweizer Plattform am Start, bei der man kürzlich auf erste erfolgreich finanzierte Unternehmen angestossen hat. CEO Philipp Steinberger zieht ein halbes Jahr nach der Lancierung eine erste Bilanz.

Herr Steinberger, Sie haben am 22. November auf zwei erfolgreich finanzierte Jungunternehmen angestossen, die dank ihrer Crowdfunding-Plattform C-Crowd starten konnten. Was ist ihr Fazit zu diesem Abend? Was für Feedbacks haben Sie erhalten?

Der Abend war ein voller Erfolg. Einerseits von den Anmeldungen her, da rechneten wir mit maximal 50 Anmeldungen und es kamen knapp 100. Das ist ein klares Zeichen, dass das Thema Crowdfunding in der Schweiz eine Daseinsberechtigung hat und die breite Masse interessiert. Andererseits haben wir ausschliesslich positive Feedbacks zu den präsentierenden Unternehmen und Projekten erhalten. Man hat gesehen, dass Leute sich für alternative, fassbare Investitionsmöglichkeiten interessieren. Es hat sich gezeigt, dass eine andere Art der Unternehmensfinanzierung möglich ist und sich das Leben sich nicht immer nur um Blue Chips und hochbezahlte CEOs dreht. Letztlich geht es geht auch darum, Leute zu unterstützen, die tolle Geschäftsideen haben und die den Drive, die Energie und das Know-how haben, diese Ideen umzusetzen.

Wie ist es konkret zu C-Crowd gekommen?

Ich bin schon länger im Bereich Finanzierung tätig, hauptsächlich für grössere Projekte. Und dort ist die Investorensuche immer ein sehr ineffizienter Prozess, der sehr zeitaufwändig ist. Ich habe mich oft gefragt, ob es nicht einen effizienteren Weg gibt. Dann bin ich vor zwei Jahren über das Thema Crowdfunding gestolpert und habe gedacht: Das könnte die Lösung sein!

In welchem Zusammenhang haben Sie davon gehört?

Das war bei der Plattform Sellaband.com, auf der die Leute Musikgruppen finanziell unterstützen können. Die Geldgeber sind beispielsweise am Erlös des CD-Verkaufs beteiligt. Ich fand es spannend, dass wildfremde Leute Projekte finanziell unterstützen können und dafür auch etwas bekommen. Denn die Geldgeber erhalten ja potenziell nicht nur Geld, sondern werden zum Beispiel auch an Konzerte eingeladen. Damit bauen sie, zusätzlich zu einem eventuellen finanziellen Return,  eine emotionale Beziehung zur Band auf. Die Kombination von Rendite und emotionellem Return ist in der Finanzbranche einmalig. Das hat mich fasziniert.

Für Künstler und Wohltätigkeitsprojekte gibt es Crowdfunding ja schon länger. In welchen Bereichen hat das Modell des Crowdfunding momentan am meisten Aufwind?

Kickstarter ist derzeit sicher die erfolgreichste Plattform für kommerzielle Projekte in den USA. Für Unternehmen ist Crowdfunding allerdings noch nicht so populär, da es das regulatorische Umfeld in vielen Ländern (noch) nicht erlaubt, direkte Anteile an Investoren über das Internet zu verkaufen. Dies kann sich aber bald ändern. US-Präsident Obama hat kürzlich einen „Crowdfunding-Vorstoss“ für Unternehmer lanciert, der vom Repräsentantenhaus angenommen wurde. Als nächster Schritt wird nun auch noch der Senat darüber befinden. Ich bin zuversichtlich, dass im Verlauf des nächsten Jahres auch diese Hürde genommen wird. Das wird eine grosse Welle erzeugen, weitere Länder werden dem Beispiel der USA folgen.

Welche rechtliche Hürden meinen Sie konkret?

Es geht hauptsächlich um das Thema Anlegerschutz. Die Schweiz ist in diesem Fall anders strukturiert als andere Länder. Dieser Unterschied hat es uns schliesslich ermöglicht, für das Crowdfunding eine Art Pionierarbeit zu  leisten. Investoren können via C-Crowd.com in Schweizer Aktiengesellschaften investieren, die unter anderem einen Emissionsprospekt gemäss OR erstellen.

Was müssen Unternehmen denn sonst noch einreichen, wenn sie sich auf Ihrer Plattform präsentieren wollen?

Wichtig zu verstehen ist, dass Leute nicht einfach ihr Projekt auf die Plattform hochladen können. Jedes Projekt wird von uns zuerst auf seine Plausibilität geprüft. Nebst dem Emissionsprospekt muss der Unternehmer einen Fragekatalog von uns ausfüllen sowie ein Businessplan und weitere aussagekräftige Unterlagen einreichen. Falls uns das Projekt interessiert, laden wir den Unternehmer zum Gespräch ein, bei dem wir die eingereichten Unterlagen noch einmal hinterfragen. Nur wenn wir innerhalb des C-Crowd-Verwaltungsrates einstimmig für das Projekt stimmen, schalten wir es auf die Plattform auf. Dieser Plausibilitätscheck ist vor allem dazu da, um einerseits zu versuchen, schwarze Schafe auszusortieren, aber insbesondere auch um den Qualitätsanforderungen von Investoren gerecht zu werden.

Wie lange muss der Unternehmer dann auf Ihr Feedback warten?

Wenn jemand ein perfektes Dossier einreicht und alle Beteiligten für Meetings verfügbar sind, können wir das Projekt im Idealfall innerhalb von zwei Wochen aufschalten. Es kommt allerdings immer darauf an, wie aufwändig das Projekt und wie umfangreich und komplett die eingereichten Unterlagen sind.

Wie viele Informationen gelangen dann letztlich auf die Plattform, Stichwort Transparenz für die potenziellen Investoren?

Über C-Crowd Investitionsgelder zu suchen, ist ein sehr transparenter Prozess. Jeder, der sich bei uns registriert, erhält Einsicht in die Unterlagen der Unternehmer. Somit muss ein Unternehmer genügend Informationen präsentieren, damit sich ein  potenzieller Investor ein gutes Bild vom Unternehmen machen kann, aber nicht derart detailliert, dass ein Konkurrent das Geschäftsmodell kopieren kann. Wünscht ein Investor mehr Informationen, kann er direkt mit dem Unternehmer Kontakt aufnehmen. Die Kontaktdaten sind auf dem Profil ersichtlich. Der potenzielle Investor kann nach Unterzeichnung einer Vertraulichkeitserklärung den ganzen Businessplan mit allen Details analysieren.

Welche Erfahrungen haben Sie bezüglich der Qualität der Unterlagen gemacht?

Die bisher aufgeschalteten Projekte waren in der Regel gut bis sehr gut, teils haben wir noch Verbesserungsvorschläge gemacht. Bei den abgelehnten Projekten waren meistens die Unterlagen nicht nur unvollständig, sondern auch schlecht vorbereitet und präsentiert. In solchen Fällen sehen wir, dass der Unternehmer die Idee noch zu wenig gut durchdacht hat.

Werden die potenziellen Investoren, die sich bei Ihnen auf der Plattform registrieren, auch überprüft? Oder kann sich jeder anmelden?

Wir sind eine Plattform für die Masse, ohne Einschränkungen. Auf C-Crowd.com kann sich jeder kostenlos anmelden.

Über C-Crowd können ja nicht nur Unternehmen und kommerzielle Projekte finanziert werden, sondern auch Wohltätigkeits-Projekte. Wie sieht es diesbezüglich aus?

Es werden deutlich mehr Wohltätigkeits-Projekte als Company- und Campus-Projekte eingereicht. Die bei uns registrierten Geldgeber scheinen sich allerdings stärker für die Finanzierung von Unternehmen zu interessieren. Das hat uns positiv überrascht, da wir dachten, dass der Wohltätigkeitsbereich einfacher und schneller anlaufen würde, weil es einfacher ist 20 Franken zu spenden als 1000 Franken via Internet zu investieren.

Wie handhaben Sie es bezüglich den Grenzen beim Investitionsvolumen? Können die Unternehmer alles selbst bestimmen?

Die Untergrenze einer gesuchten Finanzierung sollte mindestens bei 100 000 Franken liegen. Auf der Investorenseite ist es dem Unternehmer freigestellt, wo er die Mindestinvestitionssumme für die einzelnen Investoren festsetzt. Dadurch kann er kontrollieren, wie viele neue Investoren er maximal zu sich ins Unternehmen holen möchte. Der Unternehmer muss sich bewusst sein, dass mit der steigenden Anzahl an Investoren der administrative Aufwand wächst. Die kleinstmögliche Investition war bis jetzt 500 Franken. Aber wir arbeiten an einer spannenden Lösung, die es dem Unternehmer erlaubt, die Administration der Investoren einfach zu organisieren. Es wäre natürlich super, wenn wir dadurch den Unternehmen schon bald die Möglichkeit anbieten können, Investoren ab 20 Franken aufzunehmen.

Wer hat bisher investiert? Sind das traditionelle Business-Angels oder eher Leute, die noch nie vorher investiert haben?

Wir sind sehr überrascht wie breit gefächert die Investoren sind. Das geht vom Student, der 500 Franken investiert, über den Business Angel bis hin zum Unternehmer, der 20 000 Franken oder mehr investiert. Insgesamt haben wir in den zwei finanzierten Projekten ungefähr 80 Investoren vermittelt. Der grösste Teil der Investoren hat zwischen 500 und 5000 Franken investiert, also relativ kleine Beträge. Dies freut uns umso mehr, als es zeigt, dass die Demokratisierung des in der Schweiz noch elitären Business-Angel-Konzeptes voranschreitet. Wir sind klar der Meinung, dass jede Person ein Business Angel sein kann, unabhängig vom Vermögen. Denn jede Person hat ein intaktes Kontaktnetzwerk, Lebens- und Berufserfahrungen sowie Marketingpower um „sein“ Unternehmen zu bekannt zu machen und voranzutreiben.

Sie haben an der Veranstaltung einen Relaunch der Plattform angekündigt. Wann geht der live und was bringt er?

Wir sind zur Zeit dabei die gesamte Plattform neu zu gestalten. Die Nutzer sowie Projektinitiatoren haben neue Funktionen sowie unter anderem eine verstärkte Social-Media-Integration zur Verfügung. Zudem wird die Webseite auch zweisprachig betrieben. Wenn alles klappt, wird sie Mitte Dezember mit neuen Projekten live geschaltet.

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