Interview mit Patrick Stoll

"Entscheidend sind die persönlichen Fähigkeiten der Mitarbeiter"

Uhr | Aktualisiert
von Andreas Heer

Station gewann bei Best of Swiss Web 2014 drei Mal Bronze und holte die goldene Boje in der Kategorie Marketing. Wir sprachen mit Station-Partner und Mitbegründer Patrick Stoll.

Patrick Stoll, Station AG (Quelle: Station)
Patrick Stoll, Station AG (Quelle: Station)

Herr Stoll, welche Themen stehen heute bei Webprojekten im Zentrum?

Unsere Kunden haben die Bedeutung technologischer Umbrüche und gesellschaftlicher Entwicklungen erkannt und antizipiert: So sind Mobile, App und Barrierefreiheit Themen, die fast jedes Projekt begleiten. War früher der Webauftritt eine Visitenkarte, dient er heute als zentrale Transaktions- und Interaktionsplattform. Dazu gehören beispielsweise Onlineshops und Social Media. Diese Bereiche sind den Kinderschuhen entwachsen und zur ernsthaften Disziplin geworden. Die Marke rückt immer mehr ins Zentrum und wird als digitales Abbild zum Dreh- und Angelpunkt zahlreicher Unternehmensaktivitäten.

Wie äussern sich diese Ansprüche auf Kundenseite?

Bei den Kunden ist die Professionalität signifikant gestiegen. Die Zusammenarbeit mit dem Kunden und seinen Partnern ist heute viel enger, und das Know-how viel grösser. Die Agentur wird zum Sparringspartner bei strategischen und organisatorischen Entscheiden.

Inwiefern beeinflussen die gestiegenen Anforderungen das benötigte Wissen?

Die Berufsbilder haben sich stark verändert. Früher machten technische oder kreative Disziplinen den Unterschied, heute ist es die Gesamtheit der Mitarbeiter. Es reicht nicht mehr, nur gut programmieren, designen und schreiben zu können. Heute braucht es die richtigen Mitarbeiter. Das Handwerk kann man lernen, den Unterschied macht aber die Persönlichkeit, die sogenannten Soft Skills. Best of Swiss Web hat gezeigt, dass sich Schweizer Agenturen auf internationalem Niveau bewegen.

Auch Agenturen haben mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. Was unternehmen Sie, um neue Mitarbeiter zu finden?

Ich bin überzeugt, dass die Zukunft der Branche in der Jugend liegt, die mit all diesen digitalen Geräten aufgewachsen ist. Der Fachkräftemangel ist Realität, dem wirken wir aber aktiv entgegen. Dieses Jahr bilden wir zum ersten Mal einen Lehrling aus. Wir fördern unsere Mitarbeiter und berücksichtigen moderne Arbeitsformen wie etwa Homeoffice. Wir bieten beispielsweise ein internes Weiterbildungsprogramm namens "Early Nerd" an, bei dem wir frühmorgens unsere Mitarbeiter zu einem bestimmten Thema schulen. Das ist freiwillig und erfreut sich grosser Beliebtheit. Wir müssen uns als eine Art Talentschmiede betätigen, um am Ball zu bleiben und die Fähigkeiten der Mitarbeiter freizusetzen. Das ist eine zeitintensive Aufgabe, die ich mittlerweile als meinen wichtigsten Job betrachte.

Wie sieht es mit dem Konkurrenzdruck durch internationale Agenturen aus?

Wir pitchen oft gegen internationale Agenturen, der Konkurrenzdruck ist da stark, das merkt man auch an den Preisen. Ausländische Agenturen unterschätzen die Schweiz aber oft. Wir haben schon erlebt, dass Kunden aufgrund ihrer Erfahrungen wieder zu uns zurückkamen. Die Preise sind nicht immer zentral, da sind wir oft konkurrenzfähig. Und bei der Kommunikation haben wir als Schweizer Agentur Vorteile. Wir sind nicht nur kulturell näher dran, sondern haben auch die gleichen Qualitätsvorstellungen. So verwenden wir etwa viel Zeit fürs Testen, um sicherzustellen, dass das Projekt auf unterschiedlichen Geräten funktioniert. Der Engineering-Anteil und derjenige von Disziplinen wie Strategie, SEO, Testing und dergleichen ist gestiegen. Betrug er früher vielleicht 30 Prozent, so sind es heute eher 50 Prozent.

Wohin entwickelt sich Station in Zukunft?

Wir sind eine Kommunikationsagentur mit starkem digitalen Fokus. Heute reicht es nicht mehr, gut programmieren zu können. Um im Rauschen des Internets gehört zu werden, braucht es mehr. Die Marke rückt in den Mittelpunkt, und Einfachheit ist wichtiger denn je. Firmen wie Apple und Google haben es vorgemacht. In den letzten Jahren mussten wir uns ein paar Mal neu erfinden, beispielsweise 2010, als Apple das iPad vorstellte, wollte plötzlich niemand mehr Flash. Für uns steht aber der Mensch im Zentrum, nicht die Technik. Sie ist nur der "Enabler" für den Transport von Botschaften und Ideen.

AUFSTEIGER DES JAHRES: 2002 gründeten Patrick Stoll und "Patman" in Zürich die Agentur Station, die sich auf digitale Kommunikation konzentriert. Neben den beiden Gründern zählt heute auch Osiris Roost als Technical Director zur Geschäftsleitung. Am Best of Swiss Web gewann die Agentur mit der für die Migros realisierten "MiniMania"-Kampagne zwei Mal Bronze und Gold in der Kategorie Marketing. Für die Website des Vereins Zürcher Museen gabs zudem nochmals Bronze. Damit verbesserte sich Station in der ewigen Bestenliste von Best of Swiss Web auf Rang 6 und wird von der Netzwoche zum zweiten diesjährigen Aufsteiger des Jahres gekürt.

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