Konferenz zu Open Data

Open Data = lukrative Geschäftsmodelle

Uhr | Aktualisiert
von Christoph Grau

In Bern hat die erste Jahreskonferenz des Vereins Opendata.ch stattgefunden. Nationale und internationale Referenten referierten über die Vorteile von offenen Daten. In der Schweiz kommt Open Data nur schleppend voran.

Am Mittwoch dem 1. Juli hat der Vereins Opendata.ch zu seiner ersten Jahreskonferenz an die Universität Bern geladen. Zum Event erschienen prominente Referenten der nationalen und internationalen Open-Data-Szene.

Die Veranstalter eine "heisse Konferenz". Die hohen Temperaturen unterstützen sie bei dem Versprechen. Der Audimax der Universität war sehr gut gefüllt, nur in den hinteren Reihen blieben einige freie Plätze. Die Veranstalter gaben mehr als 200 Anmeldungen an.

Beatrice Simon-Jungi, Finanzdirektorin Kanton Bern, begrüsste die Anwesenden. Sie betonte, dass Open Data für die Sicherstellung der Transparenz des staatlichen Handelns zentral sei. Mitte der 90er Jahre habe Bern hier eine Pilotfunktion eingenommen. Dieser Elan sei momentan aber etwas erlahmt. Wichtig ist ihr aber, dass sensitive Bereiche geschützt sind, denn zu viel Transparenz durch Politik und Verwaltung könnte von den Bürgern als Einschränkung wahrgenommen werden.

Ein Hochdruckgebiet umringt von Tiefs

Im Anschluss berichtete Andreas Kellerhals, Direktor des Bundesarchivs und Verantwortlicher für die Open Data Strategie der Schweiz, den aktuellen Stand der Open-Data-Debatte auf Bundesebene. In seiner kurzen und prägnanten Rede bemühte er Begriffe aus der Meteorologie, um die schwierige Wetterlage zu veranschaulichen.

Im Jahr 2014 verabschiedete der Bund die Open-Data-Strategie bis zum Jahr 2018. In einem ersten Pilotprojekt auf dem Portal opendata.admin.ch finden sich bereits mehr als 1800 offen zugängliche Datensätze. Die weitere Strategie besagt, dass offene Daten zum Grundsatz werden sollen, dazu sei jedoch noch viel Arbeit an den rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen zu leisten, sagte Kellerhals.

Momentan gibt es eine Aktivitätenpause, da viele Prozesse im öffentlichen Bereich nur sehr langsam voran gingen. Die Grosswetterlage zur politischen Debatte um Open Data beschrieb Kellerhals als ein "Hochdruckgebiet, dass von Tiefs umringt ist". Momentan wehe nur eine leichte Brise, die das Schiff Open Data voranbringe. Die Segel seien noch nicht gebläht. In der Verwaltung sei noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Besonders bei der Finanzierung gebe es noch viele Knackpunkte. Gerade in der aktuell angespannten finanzpolitischen Lage können sich Sparvorhaben negativ auswirken.

Kellerhals stellte dennoch in Aussicht, dass noch in diesem Jahr das nationale Datenportal, mit der Endung ".swiss", online gehen werde. Eine langfristige Wetterprognose wollte Kellerhals aber nicht abgeben. Für ihn sei vor allem Flexibilität gefragt. Den politischen Wettermachern komme die Schlüsselfunktion zu.

Mehrwert durch Open Data schaffen

Laut Hannes Gassert, Vizepräsident Opendata.ch, Start-up-Unternehmer und Strategieberater, sollten die Verfechter von Open Data nicht als Hippies oder weltfremde Visionäre verständen werden. Denn auch wenn Daten kostenlos und frei zugänglich sind, können sich lukrative Geschäftsmodelle daraus entwickeln. Als Herausragendes Beispiel nannte der die Plattform climate.com, die über frei zugängliche Geo- und Wetterdaten Services für Landwirte anbietet. Sie berät sie beim Einsatz von Dünger und gibt das Risiko von Ernteausfällen an, die sie auch noch in Zusammenarbeit mit Versicherungen absichert. Erst vor kurzem kaufte der amerikanische Agrarkonzern Monsanto das Unternehmen für fast eine Milliarde US-Dollar.

Gassert appellierte jedoch an die Anwesenden, dass mit den offenen Daten ein Mehrwert auch für die Gesellschaft geschaffen werde müsse. Unternehmen sollten nicht nur ihren eigenen Gewinn im Auge behalten, sondern auch etwas an Diensten für die Gesellschaft zurückgeben.

Dabei stellte er auch die Frage, wer für die Erhebung und Verwertung der Daten zu zahlen habe. Sollte der Staat dies für die Allgemeinheit übernehmen und alle Bürger zahlen mit ihren Steuern? Oder sollte nur der Nutzer der Daten zahlen? "Wir müssen das Bezahlmodell so optimieren, dass wir es für das Gesamtsystem optimal machen. Die Weichen müssen so gestellt werden, dass wir eine Kombination der Bezahlmodelle haben", sagte Gassert. Besonders die innovativen Start-ups in diesem Feld sollten durch Bezahlmodelle nicht behindert werden. Diese würden oftmals nicht über die Mittel verfügten, für teure Lizenzen oder ähnliches zahlen zu können.

Ein neuer öffentlicher Dienst durch Open Data

Ton Zijlstra, Gründungspartner von The Green Land und Senior Open Data Experte bei der Weltbank, erklärte den Anwesenden, welchen Einfluss Open Data auf den öffentlichen Dienst hat. Seiner Meinung nach führen offene Daten dazu, dass besonders im direkten Kontakt mit dem Bürger ein deutlicher Mehrwert geschaffen werden könne.

Denn mit Open Data würden deutlich mehr Akteure in die Erbringung von öffentlichen Dienstleistungen eingebunden. Als Beispiel nannte der die Offenlegung der U-Bahn-Daten in London. Im Anschluss hätten viele private und kommerzielle Entwickler neue Apps gestaltet. Diese richten sich an die speziellen Bedürfnisses der heterogenen Benutzergruppen. Das Ergebnis war so zufriedenstellend, dass die U-Bahn-Gesellschaft keine eigenen App mehr entwickelt. Dies zeige, dass Open Data nicht nur Transparenz erzeuge, sondern auch die Bürger und Unternehmen aktiv eingebunden werden können.

Zijlstra Ziel ist es, dass alle Daten der Regierungen grundsätzlich offen verfügbar sind und Einschränkungen speziell eingestellt werden müssten. So würde sich der Kontakt zwischen Bürgern und Verwaltung intensivieren und eine neue Art des öffentlichen Service entstehen.

Open Data solle aber auch über die Landesgrenzen hinaus vorangetrieben werden, forderte Zijlstra. Diesem Anliegen habe sich die EU verschrieben. Nicht zuletzt mit einem Open Data Incubator will die EU die Vernetzung zum Nutzen aller Bürger vorangetrieben.

Das Projekt Wikidata

Den letzten Vortrag der Veranstaltung hielt Pavel Richter, CEO Open Knowledge. Mit der Plattform Wikidata sollen Daten vereinheitlicht werden. Dem zugrunde liegt die Idee, dass strukturierete Daten einzig über einen Zugangspunkt angepasst werden können.

Als Beispiel zog Richter den amtierenden US-Präsidenten Barack Obama heran. Anfang 2017 wird er zum Ex-Präsidenten werden und in diesem Zuge müssen alle Artikel über ihn auf Wikipedia, in über 200 Sprechen, angepasst werden. Die Lösung von Wikidata ist, dass dem Titel "US-Präsident" ein Wert zugewiesen wird. Mit einer Änderung in der Metadatei können alle mit diesem Wert verlinkten Artikel zeitgleich geändert werden, beschrieb Richter das Prinzip dahinter. Dabei können die Daten sowohl von Maschinen, als auch Menschen gelesen werden. Die Bearbeitung erfolgt aber über die Wiki-Community.

Seinen Vortrag schloss Richter noch mit einem Plädoyer für mehr offene Daten ab. Seiner Meinung nach sei es kein einfacher Weg, dieses Ziel zu erreichen. Denn es gebe viele Firmen und Organisationen, die für Geschlossenheit von Daten lobbyieren. "Es wird ein harter Kampf", sagte er.

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