Hybrid oder All Flash?

Uhr | Aktualisiert
von Christoph Schnidrig, Leiter Systems Engineering Team Netapp.

Die Verkaufszahlen von Flash-Storage-Systemen steigen kontinuierlich. Gemäss IDC werden All-Flash-Speichersysteme schon ab 2018/2019 primäre Storage-Umgebungen dominieren. Gut beraten ist, wer die Gesamtlösungskosten in Betracht zieht. Schliesslich geht es nicht nur um schnellen Storage, sondern auch darum diesen sichern und spiegeln zu können.

(Quelle: Deutsche Telekom)
(Quelle: Deutsche Telekom)

Wer heute ein Speichersystem für primäre Daten beschafft, wird dies in einer Kombination von Flash tun. Die Entwicklung der Festplattengrössen verlief deutlich schneller als die Verbesserung deren Leistungsfähigkeit, was den Einsatz von Flash notwendig machte. Darüber hinaus steigern fallende Preise und Technologien von Datenreduktion die Wirtschaftlichkeit von Flash-Speicher.

Entscheidung für All-Flash oder Hybrid-Systeme

Mit dem Einsatz von Flash können bereits heute IT-Kosten stark reduziert werden, während die Leistung der Systemlandschaft deutlich gesteigert wird. Grundsätzlich bestimmen der Einsatzzweck, die Leistungsanforderungen zum Verhältnis zur Datenmenge und die Gesamtkosten der Lösung, ob momentan eine reine oder hybride Flash-Lösung sinnvoll ist. Zur Betrachtung gehören auch Rechenzentrenkosten wie Strom, Kühlung und Standplatz. Insbesondere wenn die eine Ressource knapp wird, oder aber der Standplatz gemietet werden muss, fallen zusätzliche Vorteile zugunsten einer reinen Flash-Lösung an. Übersteigt die Datenmenge ein gewisses Mass, während die Leistungsanforderungen moderat ausfallen, respektive gut "cachebar" sind, liegt der Vorteil der Wirtschaftlichkeit noch bei hybriden Systemen.

Die Gesamtlösung im Fokus

Mit der weiteren Verbreitung von Flash-Storage werden Festplatten bald aus dem Performance-Tier verdrängt werden. Der Einsatz von disk-basierten Systemen wird sich auf die Speicherung von sogenannt kalten Daten (Backup und Archiv) beschränken. Entsprechend sind Lösungen gefordert, welche die verschiedenen Systeme nahtlos integrieren und die Daten bedarfsgerecht dazwischen verschieben können. Auch müssen sich All-Flash-Arrays in bestehende Infrastrukturen integrieren können. Der Administrationsaufwand und die Lösungskosten würden durch einen zusätzlichen Storagesilo, in Form eines All-Flash-Arrays, in die Höhe getrieben.

Kosten für Flash vergleichen

Nur den Preis pro Terabyte als Vergleich heranzuziehen, greift zu kurz. Hier haben die klassischen Speichersysteme gegenüber Flash die Nase noch vorne. Zu beachten gilt es die zum Teil sehr unterschiedlichen Mengenangaben bezüglich nutzbarer Kapazität. Handelt es sich um Netto-Speicherplatz oder hypothetischen Speicherplatz, der mit Reduktionstechnologien kleiner oder grösser ausfallen kann? Zusätzlich nähern sich die Preise für die schnelleren Medien kontinuierlich den Festplatten an, während bei diesen kaum noch Potenzial für Produktionskostensenkungen vorhanden sind. Dies liegt darin begründet, dass Festplatten inzwischen sehr komplex und mit Hochtechnologie vollgepackt sind. Bis zu sieben Platten pro Laufwerk, dazu Helium-Füllung sowie 15'000 Umdrehungen pro Minute lassen keine bannbrechenden Fortschritte erwarten.

Dagegen sorgen bei Flash die Skaleneffekte der Massenfertigung und immer neue Materialien sowie Produktionsmethoden dafür, dass die Preise weiter fallen. Man geht davon aus, dass im Laufe des Jahres eine High-end-Festplatte in Bezug auf die reinen Anschaffungskosten von Flash geschlagen wird.

Gesamtkosten entscheiden

Bei der Betrachtung der Gesamtkosten kann Flash heute schon die günstigere Alternative sein. So sind All-Flash-Lösungen den Festplatten-Arrays bei IO-Intensiven Anwendungen wie Datenbanken, virtuellen Servern oder Clients in der Gesamtbetrachtung überlegen. Insbesondere bei Datenbanken können mittels schnellem Flash-Speicher mehr Transaktionen verarbeitet werden, was der CPU-Auslastung der Server zu Gute kommt. Daraus entstehen oftmals Einsparungen bei den Software-Lizenzen, da diese häufig pro CPU berechnet werden. Wird der Datenbankserver durch Flash-Speicher beschleunigt, lassen sich unter Umständen CPU-Kerne auf dem Server abschalten oder reduzieren. Neue Flash-Systeme unterstützen oftmals ausschliesslich Blockprotokolle. Dies kann sich in einer Gesamtlösung negativ auswirken und macht diese folglich komplexer. Weil dadurch zusätzliche Server-Hardware und Software erforderlich wird, was die Kosten entsprechend wieder in die Höhe treibt. Kann ein All-Flash-Array ausschliesslich mit einem ebenbürtigen System gespiegelt werden, können zusätzliche Vorteile auf der Seite von flexibleren Lösungen liegen.

Fazit

Die Technologie macht im Bereich von Flash riesige und immer schnellere Schritte. Somit sind entsprechende Preisreduktionen zu erwarten. Festplatten werden deshalb zunehmend aus primären Systemen verdrängt. Das rasante Datenwachstum zwingt jedoch die Unternehmen, immer grössere Datenmengen zu verwalten. Entsprechend werden kalte Daten vermehrt auf Festplatten statt auf Tapes vorgehalten.

Bei der Beschaffung von neuen Storage-Systemen sollte sicherlich der Kompatibilität und Flexibilität des entsprechenden Systems grosse Wichtigkeit zukommen. Ein separates Datensilo ist aus administrativen Gründen nicht sinnvoll. Bis Flash-Speicher die Festplatten komplett verdrängt haben, sollte ein Speichersystem die Kombination der verschiedenen Medien nicht nur innerhalb, sondern auch ausserhalb für etwa Backup oder Replikation unterstützen. Letztlich entscheiden die Gesamtkosten der Lösung über deren Wirtschaftlichkeit. Zu den Betrachtungspunkten sollten ausser Backup und zweckmässigen Restores, Cloud-Integration, Protokoll-Unterstützung (SAN/NAS) auch weitere Datenmanagement-Funktionen wie Applikationsintegration (zum Beispiel Kloning bei Datenbanken oder Hypervisors) herangezogen werden. Darüber hinaus sind die Datacenterkosten wie Strom, Kühlung und Standplatz weitere wichtige Punkte bezüglich der Gesamtkosten einer Lösung.

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