Silicon Valley meets Switzerland

Ein Hauch von Silicon Valley im Aargau

Uhr | Aktualisiert

Was macht den Erfolg des Silicon Valley aus? Und ist so etwas auch in der Schweiz möglich? Die Teilnehmer des Events "Silicon Valley meets Switzerland" an der FHNW suchten Antworten auf diese Fragen - und wurden fündig.

Podiumsdiskussion (Quelle: Netzmedien)
Podiumsdiskussion (Quelle: Netzmedien)

"Was haben das Silicon Valley und die Schweiz gemeinsam?", fragte Ralf Haller von Extendance gestern am Event "Silicon Valley meets Switzerland" in Brugg-Windisch. "Beide haben Erfolg." Und doch gibt es grundlegende Differenzen: Während das Valley von Risikobereitschaft, Optimismus und Erfindergeist geprägt ist, stösst man in der Schweiz eher auf Zurückhaltung, Pessimismus und Schwarzmalerei. "Wer hier einen Bestseller schreiben will, sollte einen Titel wie 'Das iPad macht uns dumm, krank und arm' wählen", sagte Regierungsrat Urs Hofmann, der die Eröffnungsrede hielt.

Der Event, der auf dem Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz stattfand, wollte das ändern. Er brachte Exponenten aus dem Silicon Valley mit Schweizer Firmen, Hochschulen und Politikern zusammen und bot so eine Plattform für Networking und Erfahrungsaustausch. Organisatoren waren die FHNW, der Kanton Aargau und das ICT-Beratungshaus Extendance, das den Event gründete.

Verlieren, um zu gewinnen

Was aber ist es, dass das Silicon Valley so erfolgreich macht? Im Kalifornien treffen Abgänger der Universitäten Stanford, Berkeley und UCLA auf eine gut ausgebaute Infrastruktur, viel Unternehmertum und noch mehr Kapital. Und doch ist das Mekka der IT-Welt, dieser rund 80 Kilometer lange Streifen Land zwischen San José und San Francisco, für die meisten Firmen nicht gleichbedeutend mit Erfolg, sondern ein Ort des Scheiterns. Laut Zahlen der National Venture Capital Association finden nur rund 10 von 100 Jungunternehmen überhaupt Gehör bei den Geldgebern im Valley. Und nur einem davon gelingt es, auch wirklich Kapital an Land zu ziehen.

Suzi LeVine, US-Botschafterin in der Schweiz und Liechtenstein, brachte die Unterschiede zwischen der Schweiz und dem Silicon Valley an der gestrigen Veranstaltung am besten auf den Punkt. In den USA werde es nicht primär als schlecht erachtet, wenn Unternehmer scheitern. Ganz im Gegenteil: Risikokapital gebe es oft nur für Entrepreneurs, die schon mindestens dreimal Schiffbruch erlitten hätten. Wer nie gestolpert sei, könne eben auch nicht wachsen, sagte LeVine. Das Mantra im Silicon Valley laute deshalb "fail fast and fail cheaply" - scheitere schnell und günstig.

"Sogar Failcon ist gescheitert"

Die "Philosophie des Scheiterns" gehe im Silicon Valley sogar so weit, dass es auch in Ordnung sei, zu Grunde zu gehen, wenn man durch Risikokapital gestützt werde. Den Investoren sei schliesslich bewusst, dass nicht alle Firmen Erfolg haben können. Dieser "Spirit" sei in der Schweiz noch nicht angekommen. Das habe Gründe: In den USA sei Innovation seit rund 150 Jahren ein wichtiges Thema, in der Schweiz erst seit etwa 20 Jahren. Viele Investitionen, die im Valley in Firmen getätigt werden, würden zudem selbst von Unternehmern kommen. Das sei einer der Gründe dafür, dass es in der Schweiz zwar viel Wohlstand, aber kaum Risikokapital gebe, erklärte LeVine.

"Sogar Failcon, eine Konferenz über das Scheitern, ist in den USA gescheitert", witzelte LeVine - weil der Umgang mit Fehlschlägen im Silicon Valley eben alltäglich und etwas völlig Normales sei.

An Innovation mangelt es nicht

Auch George Kurtz, Gründer und CEO der IT-Sicherheitsfirma Crowdstrike, verkörperte auf der Bühne den Geist des Silicon Valleys. "Wenn du eine Lücke im Markt siehst, musst du versuchen, sie zu schliessen", sagte der Ex-CTO von McAfee. Er startete 2012 das Unternehmen Crowdstrike, das gleich zu Beginn 26 Millionen US-Dollar Risikokapital akquirieren konnte.

Cristina Riesen, General Manager EMEA von Evernote, zeigte an einem Beispiel die Innovationskraft der Schweiz auf. Der Präsentationsmodus von Evernote sei in Zürich entwickelt worden, wo das Unternehmen mittlerweile rund 20 Mitarbeiter beschäftigt. Mit seiner Offenheit und der tollen Hochschullandschaft sei die Schweiz ein fantastischer Standort für Innovation, so Riesen.

Eine Wette auf die Zukunft

Mit Hans-Jörg Dohrmann war gestern auch jemand vor Ort, der den Geist des Silicon Valleys in der Schweiz verkörpert. Er ging eine Wette auf die Zukunft ein: Der Vorsitzende des Verwaltungsrats von Sharoo setzt darauf, dass sich die Einstellung der Gesellschaft zum Thema Besitz und Eigentum schon bald radikal ändert. Sharoo ist eine Plattform, die Besitzer von Fahrzeugen mit Menschen verbindet, die diese mieten möchten. Das sei sinnvoll, sagte Dohrmann in seiner Präsentation, denn Fahrzeuge würden heute im Schnitt rund 23 Stunden pro Tag ungenutzt rumstehen.

Kernstück der Lösung ist das "Sharoo Access Kit", das in rund einer Stunde verbaut sein soll und das Teilen von Fahrzeugen via Smartphones ermögliche. Die Idee entstand 2011 als Projekt der Migros-Tochter M-Way. 2013 wurde Sharoo in eine eigene Firma ausgegliedert, und bereits 2017 soll jeder Schweizer in Laufdistanz zu einem Sharoo-Fahrzeug leben, so Dohrmann. Am Start-up sind neben M-Way auch die Schweizerische Mobiliar und die Mobility-Genossenschaft beteiligt.

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