Europäischer Vergleich

Schweiz muss bei E-Government noch deutlich aufholen

Uhr | Aktualisiert

Die Schweiz schneidet im Bereich E-Government im europäischen Vergleich nicht gut ab. In fast allen Bereichen liegt sie unter dem Durchschnitt. Der Trend zeigt aber leicht aufwärts.

Die Europäische Kommission hat ihren 13. E-Government-Statusbericht vorgelegt. Die Erhebung vergleicht den Stand der E-Government-Dienste in den 28 Mitgliedstaaten der EU wie auch Island, Norwegen, Montenegro, Serbien, der Schweiz und Türkei, also in insgesamt 34 Ländern.

In der Erhebung wurden die vier Hauptindikatoren Nutzerorientierung, Transparenz, grenzüberschreitende Mobilität und Basismodule (Key Enablers) untersucht, wie es in einer Mitteilung des Bundes heisst.

Nutzerorientierung

Bei der Nutzerorientierung rangiert die Schweiz leicht unter dem Durchschnitt der untersuchten Staaten, wie der Studie zu entnehmen ist. Führend sind Malta, Österreich und Portugal, die bei der Online-Verfügbarkeit fast den Höchstwert von 100 Prozent erreichen. Die Schweiz liegt hingegen nur bei etwas mehr als 70 Prozent. Bei den Aspekten der Nutzerfreundlichkeit und der Einfachheit der Nutzung liegen Malta, Estland und Norwegen mit rund 80 Prozent an der Spitze. Die Schweiz befindet sich mit 65 Prozent leicht unter dem Durchschnitt.

Besonders grosse Fortschritte in der Schweiz gab es bei der Nutzerorientierung im Business-Umfeld. Im Vergleich zu vor zwei Jahren stieg der Wert von rund 65 auf fast 80 Prozent. Dies ist etwa der Durchschnitt aller Staaten. Bei der Nutzerorientierung auf die Bürger machte die Schweiz nur einen kleinen Schritt auf rund 80 Prozent und bleibt damit deutlich unter dem Durchschnitt.

Auch bei der Nutzerfreundlichkeit der Dienste landete die Schweiz unter dem Durchschnitt. Die Schweiz belegt nur Platz 26 von 34.

Der Bund sieht das Abschneiden der Schweiz bei der Nutzerorientierung aber positiv. Der Bericht gebe der Schweiz eine „gute Note“, heisst es wörtlich, was durch die Zahlen aber nur teilweise untermauert wird.

Transparenz

Beim Thema der Transparenz ging es um die "Nachvollziehbarkeit von Onlineprozessen", der Transparenz im Umgang mit persönlichen Daten wie auch der Transparenz der öffentlichen Organisationen. Laut dem Bund gibt es für die Schweiz bei diesen Punkten noch „Nachholbedarf“, wie auch die Zahlen der Studie belegen. Die Schweiz belegt im Durchschnitt nur den drittletzten Platz, vor Ungarn und Rumänien. Malta, Estland und Litauen sind führend.

Besonders bei der Servicebereitstellung und dem Umgang mit persönlichen Daten fällt die Schweiz weit hinter den Durchschnitt zurück. Die Forscher sehen die Schweiz bei nur rund 20 Prozent, im Vergleich zu rund 50 Prozent im Durchschnitt. Einzig die Transparenz der öffentlichen Organisationen ist mit fast 60 Prozent nahe dem Mittelwert aller Länder.

Generell attestiert die Studie aber allen Ländern eine nur langsame Entwicklung im Bereich der Transparenz in den vergangenen Jahren.

Grenzüberschreitende Mobilität

Etwas unter dem Mittelwert liegt die Schweiz beim Hauptindikator der grenzüberschreitenden Mobilität. Bei der Mobilität erreicht die Schweiz etwas mehr als 40 Prozent und bei der Nutzerzentrierung 70 Prozent. Der Durchschnitt liegt im Vergleich bei 46 beziehungsweise 78 Prozent.

Ein generelles Problem aller Staaten ist laut der Studie, dass die E-Government-Dienste für Inländer deutlich unfreundlicher sind als für Ausländer. Dies unterbinde die Mobilität über die Grenzen hinweg, schreiben die Autoren weiter. Es bewege sich aber langsam in die Richtung zu mehr Gleichheit, ist eine weitere Erkenntnis.

Basismodule

Zu den Basismodulen, oder Key Enablers, zählt die Studie die elektronische Identität (eID), elektronische Dokumente, Authentifizierung der Quelle, elektronische Safe (eSafe) und Einmalanmeldungen (Single-Sign on).

Laut dem Bund "verzeichnet die Schweiz gegenüber den Vorjahren eine Verbesserung". Vor allem die eID, die sichere Dokumentenablage und die Einmalanmeldungen seien verbessert worden.

Dennoch liegt die Schweiz immer noch deutlich hinter dem Durchschnitt. Der Wert der Schweiz verbesserte sich im Verglich zu vor zwei Jahren von 25 Prozent auf rund 30 Prozent. Alle Länder zusammen machten im gleichen Zeitraum im Schnitt einen Sprung von 50 auf 55 Prozent. Der Abstand ist also sehr gross und blieb in etwa gleich.

Führend im Vergleich sind Malta und Estland mit fast 100 Prozent, gefolgt von Polen, Österreich, Norwegen und Island mit etwa 90 Prozent.

Nicht überall unterdurchschnittlich

Die Schweiz ist nicht in allen E-Government-Bereichen im Rückstand. Etwas besser als der Schnitt schneidet das Land etwa bei der Mobile-Freundlichkeit von öffentlichen Websites ab. Etwa durchschnittlich ist die Schweiz auch bei der Möglichkeit, ein Unternehmen online zu gründen.

Generell lässt sich aber zusammenfassen, dass die Schweiz im Bereich E-Government noch erheblich aufholen muss, um zumindest auf den europäischen Durchschnitt zu kommen. Momentan befindet sich die Schweiz eher in einer Liga mit Rumänien, Ungarn und Bulgarien. Deutschland und Österreich sind der Schweiz in fast allen E-Government-Bereichen deutlich überlegen. Positiv bleibt festzuhalten, dass sich die Situation in den letzten Jahren zumindest leicht verbessert hat. Der Abstand zum Durchschnitt blieb aber in etwa gleich.

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