IT-Landschaft

Was Elektrizität und Cloud gemeinsam haben

Uhr | Aktualisiert
von Alex Fürst, Vice President DACH bei Rackspace

Lange Zeit gab es gute Gründe dafür, IT-Landschaften auf eigenen Servern in On-Premise-Rechenzentren aufzubauen: Kosten, Leistung und Verfügbarkeit – und damit ganz ähnliche Argumente, die einst für eigene Stromkraftwerke sprachen. Doch wie die Energieerzeugung binden die Betreuung und Instandhaltung eigener Rechenzentren Ressourcen, ohne zum Kerngeschäft beizutragen.

Zu Beginn der Elektrizitätsversorgung in der Schweiz haben die meisten hiesigen Unternehmen selbst Strom für ihre Fabriken erzeugt. So bezogen 1909 erst knapp die Hälfte der Fabriken ihre Energie aus einem elektrischen Verteilnetz, obschon die Errichtung von Versorgungsnetzen bereits weit fortgeschritten war. Der Strom aus dem Netz war zu teuer, instabil oder schlicht noch genügend vorhanden. Erst mit der zunehmenden Elektrifizierung legten die Firmen ihre Kraftwerke still, gingen ans Netz – ein sinnvoller Schritt, durch den Ressourcen frei wurden und die Unternehmen sich stärker auf ihr Kerngeschäft fokussieren konnten. Genau wie es heute sinnvoll ist, IT-Infrastrukturen aus dem eigenen Rechenzentrum in die Cloud zu verlagern.

Als die ersten Unternehmen vor rund 20 Jahren Rechenzen­tren bauten, gab es noch keine Cloud-Provider. Doch die Verbreitung der Cloud ist – wie die Elektrifizierung im frühen 20. Jahrhundert – seit 10 bis 15 Jahren unaufhaltsam und verändert IT und Unternehmen massiv. Der Schritt in die Cloud ist für Betriebe ebenso wichtig wie der damalige Wechsel ans öffentliche Stromnetz: Damals wurde das eigene Kraftwerk stillgelegt; heute werden Workloads, Anwendungen und Prozesse outgesourct.

Dazumal gab es ähnliche Bedenken der Skeptiker – Warum diese Kontrolle in fremde Hände legen? – wie heute bei der Migration in die Cloud. Die für die Cloud sprechenden Kern­argumente hingegen sind weitaus mehr als Kosten und Verfügbarkeit, die beiden Hauptfaktoren, die damals für die Nutzung des öffentlichen Stroms sprachen. Unternehmen, die heute mit Cloud-Providern arbeiten, erhalten direkt Zugang zu mehr Rechenpower und mehr Ressourcen. Sie profitieren davon, dass jemand die Cloud-Rechenzentren managt, Server patcht und Investitionen tätigt, damit immer genug Rechenpower zur Verfügung steht. Der Schritt in die Cloud ist kein Ersatz, sondern ein Upgrade, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Ressourcen, die frei werden und sich anstelle von "Stromerzeugung" – oder heute eher "IT-Management" – auf die Unternehmensziele fokussieren können.

Rechenzentrum aus – Cloud an?

Anders als bei der Elektrifizierung vollzieht sich der Wechsel in die Cloud jedoch nicht in einem Schritt. Eine Migration in die Cloud ist bei Weitem nicht so einfach wie ein Schalter, der hier aus- und dort angeschaltet werden muss. Unternehmen, vor allem solche, die über ältere IT-Infrastrukturen verfügen, werden sich eher für eine Kombination aus Cloud und eigener Hardware oder eine Hybrid Cloud entscheiden. Einige werden Clouds von unterschiedlichen Anbietern, also eine Multi-Cloud, nutzen.

Aufgrund der Komplexität der verschiedenen Lösungen und der hohen Innovationsgeschwindigkeit wird es immer wichtiger, einen kompetenten und vertrauenswürdigen Partner an der Seite zu haben, der die verschiedenen Cloud-Systeme im Sinne des Unternehmens effizient managt, optimiert und sicher hält. Daher empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem Managed Service Provider, im Idealfall mit einem erfahrenen und unabhängigen Anbieter, der sich mit allen Clouds auskennt und eine reibungslos funktionierende Lösung anbietet, die exakt zu den Anforderungen des Unternehmens passt.

Viele Vorbehalte gegenüber der Cloud wie etwa ein Vendor-Lock-in können so von einem Managed Cloud Provider entschärft werden. Für viele Unternehmen ist die Entscheidung so glasklar wie der Schritt vor hundert Jahren, als die Industrie ihre eigene Energieerzeugung einstellte und ans öffentliche Stromnetz wechselte.

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