Nachgefragt

"Wir haben geliefert, was wir versprochen haben, auch wenn einige Leute höhere Erwartungen hatten"

Uhr | Aktualisiert

Kirill Tatarinov ist im Januar 2016 als CEO zu Citrix gestossen, um das Unternehmen zu reorganisieren. Vieles läuft heute anders unter dem Mann, der von Microsoft kam und der das Unternehmen (vielleicht) für einen Verkauf schön macht. Im Gespräch mit der Netzwoche erklärt er, wie es mit Citrix weitergeht.

(Quelle: zVg)
(Quelle: zVg)

Womit haben Sie sich seit Ihrem Arbeitsbeginn im Januar 2016 vor allem beschäftigt?

Kirill Tatarinov: Als ich bei Citrix anfing, war mir klar, dass das Unternehmen eine neue Struktur, einen neuen Rahmen brauchte. Also haben wir uns 2016 vor allem mit Firmenvision, Firmenstrategie und Firmenkultur beschäftigt. Nun haben wir eine klare Vorstellung unserer Aufgaben, unserer Strategie und von der Kultur gewonnen, die Citrix haben sollte. Auf Grundlage unserer definierten Werte und in Kontakt mit unseren Angestellten. In der Rückschau verblüfft es mich etwas, wie rasch wir den Kulturwandel geschafft haben. Ich denke, wir waren so schnell, weil die Menschen bei Citrix diesen Wandel herbeisehnten und sich alle dafür engagierten. An unserer Hausmesse Synergy vor einem Jahr haben wir das neue Citrix Synergy erstmals vorgestellt.

Und wie ist es heute, ein Jahr später: Sind Sie wieder auf dem richtigen Weg?

Ja, wir sind auf dem richtigen Weg.

Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung der Unternehmenszahlen?

Wir hatten sieben Quartale mit laufend verbesserten Zahlen. Und wir sind sehr glücklich mit den Resultaten, mit der Margenerhöhung und mit der Entwicklung der weltweiten Verkäufe. Es lief sehr gut. Aber es geht es uns nicht nur um Quartalszahlen, sondern um die Schaffung eines Fundaments für nachhaltiges und profitables Wachstum. Wenn ich zurückblicke, ist es dieses Fundament, das mir für die Zukunft Begeisterung und Zuversicht gibt.

Haben Sie denn genug Zeit, ein Unternehmen auf diese für US-Unternehmen unübliche Art zu führen?

Die Wahrheit ist, man muss beides machen. Man muss sowohl konkrete, kurzfristige Resultate vorweisen können als auch im Rahmen eines langfristigen Plans operieren. Man muss kurzfristig denken und gleichzeitig berücksichtigen, dass man sich in einer Welt mit Grenzen befindet und langfristig denken. Das zieht Hürden nach sich, aber das ist die Realität, in der wir uns zu leben gewohnt und geschult sind.

Die Einnahmen im letzten Quartal von Citrix waren in Ordnung, aber nicht wirklich gut. Warum?

Man verspricht und man liefert. Und wir haben genau das geliefert, was wir versprochen haben, wenn auch einige Leute höhere Erwartungen hatten. Wir haben die Transformation in die Cloud begonnen, was ein wichtiger Teil der Zukunft der Firma ist. Wir haben neue Kunden gewonnen, was uns sehr freut. Wir haben unser Ziel erreicht, aber vor allem haben im letzten Quartal alle Region ihre Ziele übertroffen.

Was sind ihre Perspektiven bei Citrix? Wie viele Jahre bleiben sie CEO?

Ich habe erst vor 16 Monaten angefangen, es ist wohl noch etwas zu früh, um schon über die Rente nachzudenken. Ich bin mit Leidenschaft dabei und denke, wir haben enormes Potenzial und Chancen. Vor allem aber arbeiten bei Citrix grossartige Leute, was den Job zum Höhepunkt meiner Karriere macht. Ich werde ihn geniessen, solange ich darf.

Wie wichtig ist die Schweiz als Markt für Citrix?

Citrix ist bereits seit langer Zeit in der Schweiz aktiv und wir haben einen festen Kundenstamm dort. Die Schweiz ist Sitz vieler grosser Unternehmen wie Nestlé oder ABB, die Kunden von Citrix sind, und wir sind bereit, weiter in der Schweiz zu arbeiten und diese Unternehmen zu unterstützen.

Wir haben in einer Marktumfrage die installierte IT-Basis in den 12 000 grössten Unternehmen in der Schweiz untersucht. Die Studie zeigt, dass Citrix Marktanteile an Microsoft verloren hat. Was wollen Sie tun, um wieder zu wachsen?

Den Bericht möchte ich gerne sehen, denn ich denke, er widerspiegelt nicht die tatsächliche Entwicklung. Wir kooperieren mit Microsoft und dadurch entstehen vielleicht Missverständnisse, denn ihre Lizenzen gehen mit unseren Hand in Hand. Alles in allem haben wir im Verlauf des letzten Jahres erheblich Marktanteile gewonnen, vor allem gegen VMware. 2014 und 2015 gab es gegen diesen Mitbewerber zwar Anteilsverluste, aber 2016 haben wir wieder dazu gewonnen und 2017 hat sich das beschleunigt.

An der Synergy haben Sie in Ihrer Keynote gesagt, dass Citrix gerne zur Sicherheitsfirma werden möchte. Das klingt nicht gerade innovativ, denn jeder möchte sichere Produkte herstellen und Sicherheits-Features anbieten. Inwiefern unterscheidet Ihr Ansatz von demjenigen anderer Unternehmen?

Citrix hat bereits seit vielen Jahren Sicherheitstechnologie ausgeliefert, wir haben die Firma ironischerweise aber nicht so vermarktet und den Wert dieser Produkte nicht herausgestrichen. Auf die Notwendigkeit dies zu ändern, haben mich einige Kunden aufmerksam gemacht. Sie sagten: «Ihr helft uns mit der Sicherheitsinfrastruktur, aber Ihr redet nicht darüber und erklärt den Wert nicht.» Eine Umfrage bei unseren Kunden ergab, dass 66 Prozent unserer Kunden uns bereits als Sicherheitsdienstleister wahrnehmen. Das haben Sie auch vom Chief Security Officer von ADP gehört, einem unserer ältesten Kunden. Wir müssen uns nur anders verkaufen. Denn wenn sie unser Portfolio betrachten, sehen sie eine Menge Sicherheitsanwendungen: Netscaler, Secure Gateway, Sharefile umfasst viele Sicherheitsmerkmale ... Sehen Sie: VDI ist der einzige Weg, Endgeräte sicher zu machen.

Sie haben in Ihrer Keynote auch vom Software Defined Perimeter gesprochen. Ist der physische Perimerterschutz denn nicht mehr wichtig?

Er existiert einfach nicht mehr. Wir können so tun, als ob er noch existiere, aber das wird nur zu mehr Komplexität führen. Wenn sie sich in Orlando befinden und ihre Firma in Zürich stellt Ihnen den Zugang zu einer SAS-Applikation auf ihrem Gerät zur Verfügung, müssten sie im Rahmen eines traditionellen physical perimeters zwischen der Schweiz und den USA wechseln, um authentifiziert zu werden und auf die SAS-Applikation zugreifen zu können. Jede Verbindung über den Atlantik benötigt ca. 150 bis 200 Millisekunden. Wäre es nicht weitaus einfacher, wenn ein Mechanismus zur Authentifizierung direkt auf dem Gerät den Zugriff auf den Gateway und die SAS Application ermöglichen würde?

Sie haben auch über die Digitale Transformation und die Hilfe für Unternehmen in der Digitalisierung gesprochen. Das machen auch alle andern. Warum sollten Unternehmen hier Citrix den Vorzug geben?

Die Welt dreht sich im Moment um Partnerschaften und Modularität. Citrix hält seine Versprechen, sichere digitale Arbeitsbereiche zu liefern. Natürlich werden da auch andere aktiv sein. Verschiedene Business-Analytics-Unternehmen spielen bei der digitalen Transformation eine Rolle, ebenso Business-Software-Unternehmen. Unsere Aufgabe ist es, die Lieferung von Informationen zu ermöglichen und den Menschen Zugriff auf Inhalte und Applikationen von überall auf der Welt zu geben. Da arbeiten wir mit diesen Unternehmen eng zusammen.

Bei ihren Big Data- und Analytics-Angeboten sieht es ähnlich aus. Warum sollten Unternehmenskunden das mit Ihnen machen?

Weil wir diese Daten haben und kennen, und weil wir Experten haben, die wissen wie man Algorithmen schreibt, die aus diesen Daten Erkenntnisse ziehen können. Citrix versteht die Daten, die gesammelt werden. Das ist die Grundlage. Darauf bauen wir die Spezialisierung in der Data Science auf. Dadurch wissen wir, wie wir diese Daten lesen und daraus Erkenntnisse gewinnen können. Das ist Citrix Analytics.

Es klingt etwas, als greife Citrix die meisten Buzzwords auf, die momentan die IT-Welt beschäftigen: Security, AI, IoT, Big Data. Wird Citrix zu einer Me-too-Company, die nur sagt, was alle anderen auch sagen?

So würde ich das nicht sehen. Wir haben einen einzigartigen Ansatz, die Trends der Industrie zu beschreiben. Wir beschreiben die Gesamtsituation der Technologie-Welt und bieten einen Weg, auf dem sich Unternehmen in dieser Welt zurechtfinden können.

Lassen Sie uns noch über Citrix und Microsoft reden. Warum ist diese Partnerschaft für Sie so wichtig?

Diese Partnerschaft ist eigentlich für beide sehr wichtig. Wir beiden haben Kunden, die möchten, dass Microsoft und Citrix zusammenarbeiten, um Windows-Umgebungen zu virtualisieren. Andere brauchen Hilfe bei der Umstellung auf Windows 10, denn Windows 7 wird bald den Support Life Cycle verlassen und dann nicht mehr sicher sein. Die Leute wissen, dass sie umstellen müssen und für viele bedeutet das, virtuelle Umgebungen zu schaffen. Dieser Schritt bedeutet für viele auch den Schritt in die Cloud zu tun – und genau in diesem Zusammenhang wird diese Partnerschaft grosse Vorteile bieten. Die Möglichkeit, ein virtuelles Windows 10 aus der Azure Cloud einzusetzen, ist logisch und nur ein Teil dieser Partnerschaft.

Und welche Bedeutung hat diese Partnerschaft für Microsoft?

Microsoft hat am Roll-out von Windows 10 ein ebenso grosses Interesse wie alle anderen auch. Dass Citrix hierbei als engagierter Anbieter auftreten kann, ist für Microsoft sehr wichtig. Citrix ist für Microsoft ausserdem ein sehr wichtiger Anker für die Azure Cloud.

Sie wurden gefragt, ob Citrix zum Verkauf stehe. Lassen Sie uns einmal spekulieren: Wäre es für das längerfristige Überleben von Citrix nicht besser, mit einer anderen Firma zu fusionieren?

Nun, Citrix hat das grösste Durchhaltevermögen in der Welt der Technologie. Wir haben seit 28 Jahren erfolgreich geschäftet und Produkte auf den Markt gebracht. Wir hatten einige Stolpersteine auf dem Weg vor vier, fünf Jahren, aber darüber sind wir hinweg. Wir preschen vorwärts mit Geschwindigkeit und Überzeugung. Ich würde sagen, das Durchhaltevermögen von Citrix ist wesentlich besser, als das von anderen Unternehmen in der Branche.

Sie haben in Ihrer Keynote auch vom Software Defined Perimeter gesprochen. Ist der physische Perimerterschutz denn nicht mehr wichtig?

Er existiert einfach nicht mehr. Wir können so tun, als ob er noch existiere, aber das wird nur zu mehr Komplexität führen. Wenn sie sich in Orlando befinden und ihre Firma in Zürich stellt Ihnen den Zugang zu einer SAS-Applikation auf ihrem Gerät zur Verfügung, müssten sie im Rahmen eines traditionellen physical perimeters zwischen der Schweiz und den USA wechseln, um authentifiziert zu werden und auf die SAS-Applikation zugreifen zu können. Jede Verbindung über den Atlantik benötigt ca. 150 bis 200 Millisekunden. Wäre es nicht weitaus einfacher, wenn ein Mechanismus zur Authentifizierung direkt auf dem Gerät den Zugriff auf den Gateway und die SAS Application ermöglichen würde?

Sie haben auch über die Digitale Transformation und die Hilfe für Unternehmen in der Digitalisierung gesprochen. Das machen auch alle andern. Warum sollten Unternehmen hier Citrix den Vorzug geben?

Die Welt dreht sich im Moment um Partnerschaften und Modularität. Citrix hält seine Versprechen, sichere digitale Arbeitsbereiche zu liefern. Natürlich werden da auch andere aktiv sein. Verschiedene Business-Analytics-Unternehmen spielen bei der digitalen Transformation eine Rolle, ebenso Business-Software-Unternehmen. Unsere Aufgabe ist es, die Lieferung von Informationen zu ermöglichen und den Menschen Zugriff auf Inhalte und Applikationen von überall auf der Welt zu geben. Da arbeiten wir mit diesen Unternehmen eng zusammen.

Bei ihren Big Data- und Analytics-Angeboten sieht es ähnlich aus. Warum sollten Unternehmenskunden das mit Ihnen machen?

Weil wir diese Daten haben und kennen, und weil wir Experten haben, die wissen wie man Algorithmen schreibt, die aus diesen Daten Erkenntnisse ziehen können. Citrix versteht die Daten, die gesammelt werden. Das ist die Grundlage. Darauf bauen wir die Spezialisierung in der Data Science auf. Dadurch wissen wir, wie wir diese Daten lesen und daraus Erkenntnisse gewinnen können. Das ist Citrix Analytics.

Es klingt etwas, als greife Citrix die meisten Buzzwords auf, die momentan die IT-Welt beschäftigen: Security, AI, IoT, Big Data. Wird Citrix zu einer Me-too-Company, die nur sagt, was alle anderen auch sagen?

So würde ich das nicht sehen. Wir haben einen einzigartigen Ansatz, die Trends der Industrie zu beschreiben. Wir beschreiben die Gesamtsituation der Technologie-Welt und bieten einen Weg, auf dem sich Unternehmen in dieser Welt zurechtfinden können.

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DPF8_47380

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