Wild Card

Stell Dir vor, es ist Cloud, und keiner geht hin

Uhr | Aktualisiert

Wer je Daten aufgrund eines fehlenden Back-ups verloren hat, dem passiert das kein zweites Mal. Wie bequem ist ein Cloud-Speicher, der automatisch die lokalen Dokumente synchronisiert. Was sich zuhause bewährt, steht in vielen Unternehmen aufgrund von Cloud-Verboten nicht zur Verfügung.

Christof Zogg ist Director Digital Business bei der SBB
Christof Zogg ist Director Digital Business bei der SBB

Schmerzhafte Erlebnisse haften besser im Gedächtnis und so erinnere ich mich, als wäre es gestern gewesen: Vor rund zwei Jahrzehnten half ich als Student im Sekretariat eines Jugendverbandes aus. Dieser nutzte für die Verbandsarbeiten schon damals PCs mit Apfel-Logo (noch lange bevor das als hip galt). Und so beschloss ich, als Lohn für meine ehrenamtliche Tätigkeit, auf der Back-up-Festplatte ein paar Mac-Programme mit nach Hause zu nehmen (mein Software-Piracy-Unrechtsbewusstsein war damals noch nicht völlig ausgebildet ...).

Ganz nach Murphy’s Law hatte nun der Sekretariats-Mac just dann einen Harddisk-Crash, als ich mir gleichzeitig das formatierte Back-up als Datenträger für die besagten Programme auslieh. So kam es, wie es kommen musste: Die auf der Harddisk abgespeicherten Kursunterlagen im Erstellungsaufwand von rund zwei Mannjahren lagen nun in den ewigen Datengründen. Und der sich schuldige bekennende Student investierte zwei Wochen seiner Semesterferien mit der Wiederherstellung derselbigen. Einem Flachbettscanner samt OCR-Software verdanke ich, dass nicht die gesamten Ferien draufgingen.

Synchronisation statt Depression

Wie unterschiedlich verlief dagegen vor Kurzem das eigentlich vergleichbare Ereignis: Beim Aufweckversuch meines Surface Pro regte sich gar nichts mehr (und wenn Hardware nicht will, steht auch der Software-Kundige still), sodass mir nur der Weg zum Microsoft Customer Support blieb. Da die Zwei-Jahres-Garantie schon ein halbes Jahr abgelaufen war, bestand keine Chance mehr, das Gerät reparieren zu lassen. Man bot mir für einen fairen Preis das Nachfolgemodell an – logischerweise jedoch ohne meine privaten Daten.

Was damals noch meinen digitalen Ruin bedeutet hätte (ein Datenverlust von zwanzig Mannjahren), liess mich heute nur einen kurzen Moment zagen: Denn alle meine persönlichen Dokumente, Passwörter, Fotos, Videos und Songs werden selbstverständlich in der Public Cloud synchronisiert. So dauerte es nach Erhalt des Ersatzgerätes gerade mal vier Stunden Handarbeit sowie eine Synchronisation von knapp 200 GB an Daten über Nacht, bis meine neue Maschine wieder vollständig aufgesetzt war.

Das Sicherheitsargument des Spiegelfechters

Wie anders wäre die Geschichte verlaufen, hätte nicht mein Privat-PC, sondern mein Geschäfts-Laptop ins digitale Gras gebissen? Hier gibt’s nämlich wie in den meisten Grossunternehmen (aber wohl auch vielen KMUs) ein striktes Cloud-Verbot für Unternehmensdaten. Nun mag der geneigte Systemadministrator einwenden, dass die Unternehmensdokumente ja sowieso auf einem Unternehmensserver und keinesfalls auf dem lokalen Client liegen dürfen. So einen Administrator müsste man dann aber fragen, wie man so pro Monat rund 4000 Kilometer produktiv im Zug arbeiten könne, obwohl an manchen Orten die WLAN-Signalverstärkung nach wie vor zu wünschen übrig lasse.

Und überhaupt: Wer glaubt denn heute ernsthaft noch, dass die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Hackerangriffs auf Dropbox, Onedrive oder Google Drive grösser ist als diejenige eines unzufriedenen Mitarbeiters, der am USB-Port seine externe Festplatte anschliesst?

Also, liebe Unternehmen, wenn die Daten schon nicht in die Cloud dürfen, dann wenigstens auf ein System mit Offline-Datensynchronisation.

Christof Zogg ist Director Digital Business bei der SBB.

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