Gemunkel um Riesen-Zuschlag

APG sticht Tamedia im Rennen um SBB-Werbeflächen aus

Uhr | Aktualisiert

Die SBB haben einen Riesen-Zuschlag an die allgemeine Plakatgesellschaft (APG) vergeben. Ab 2019 übernimmt die APG die gesamte digitale und analoge Fremdwerbung der Bundesbahnen. Derweil regen sich kritische Stimmen zum Ausschreibungsverfahren.

Ab 2019 betreut die APG alle digitale und anaolge Fremdwerbung bei der SBB. (Source: APG)
Ab 2019 betreut die APG alle digitale und anaolge Fremdwerbung bei der SBB. (Source: APG)

Die Allgemeine Plakatgesellschaft (APG) hat einen Riesen-Zuschlag der SBB erhalten. Das Schweizer Unternehmen übernimmt ab Januar 2019 die gesamte digitale und analoge Fremdwerbung der Bundesbahnen in Bahnhöfen und Zügen, berichten die APG und die SBB in zwei separaten Mitteilungen. Die APG hat dabei mehrere Mitbewerber ausgestochen – unter ihnen die Mediengruppe Tamedia. Das bestätigt Christoph Zimmer, Sprecher von Tamedia, im Gespräch mit der Redaktion. Mitbewerber waren ausserdem Clear Channel, Livesystems und Goldbach Media, berichtet horizont.net.

Über das Auftragsvolumen wollte der Redaktion niemand Auskunft geben – weder Tamedia, noch die SBB oder die APG. Offenbar schrieb das Verfahren diesbezüglich Stillschweigen vor. Die APG lässt in ihrer Mitteilung allerdings durchblicken, dass es sich beim SBB-Zuschlag schweizweit um einen Werbeauftrag von beispielloser Grösse handelt.

Tamedia ist enttäuscht

"Wir bedauern natürlich, dass wir den Zuschlag nicht erhalten haben", sagt Zimmer. "Wir werden den Entscheid der SBB nun zuerst einmal analysieren." Rechtliche Schritte schliesse Tamedia nicht aus, sie seien aber eher unwahrscheinlich, betont Zimmer. "Wir haben APG zum Auftragsgewinn gratuliert."

Die APG soll für die SBB die digitalisierte "Out of Home"-Werbung (OOH) vorantreiben, schreibt die APG. Das Projekt beginne im Januar 2019 und dauere je nach Los zwischen fünf und zehn Jahre.

Insgesamt habe die APG sieben von acht Losen der Ausschreibung für sich beansprucht, heisst es in der Mitteilung des Werbeunternehmens weiter. "Die APG vermarktet schon heute die Werbeplattformen bei der SBB", schreiben die Bundesbahnen in einer E-Mail an die Redaktion.

Die Ausschreibung wirft Fragen auf

Das Ausschreibungsverfahren der SBB gibt zu reden. Die Ausschreibung begann im Januar 2017 und dauerte rund sechs Monate, wie die SBB der Redaktion mitteilt. Sie sei auf shab.ch und auf sbb-immobilien.ch ausgeschrieben gewesen.

Die Bundesbahnen und APG nennen die Ausschreibung "öffentlich". Auf simap.ch ist die entsprechende Ausschreibung allerdings nicht auffindbar.

Tamedia übernimmt Neo Advertising

Tamedia kündigte im Juli an, den OOH-Werber Neo Advertising aufzukaufen. Auch Neo Advertising habe eine Absage von den SBB bekommen, weiss horizont.net. Das Genfer Unternehmen durfte bei den SBB offenbar gar keine Offerte einreichen. Christian Vaglio-Giors, CEO von Neo Advertising, nennt dieses Verhalten „unfair“ – so zitiert ihn horizont.net.

"An der geplanten Übernahme von Neo Advertising ändert der SBB-Entscheid nichts", sagt Zimmer von Tamedia gegenüber der Redaktion. "Wir sind nach wie vor von dieser Partnerschaft überzeugt." Der digitale OOH-Markt habe grosses Wachstumspotential, unabhängig vom Rückschlag durch die SBB.

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