Swiss Payment Forum 2017

Mobiles Bezahlen und offene Schnittstellen beschäftigen die Payment-Branche

Uhr | Aktualisiert

Das Swiss Payment Forum hat sich dieses Jahr auf das Thema mobiles Bezahlen fokussiert. Die Branche befindet sich im Umbruch und dies nicht nur hinsichtlich technischer Veränderungen. Auch die PSD2 der EU wurde heiss diskutiert.

Thierry Kneissler, CEO, Twint (Source: Netzmedien)
Thierry Kneissler, CEO, Twint (Source: Netzmedien)

Am Montag war es wieder Zeit für das Swiss Payment Forum. Das alljährlich stattfindende Branchentreffen der Schweizer Payment-Szene fand dieses Mal im Hotel Marriott in Zürich statt. Der Saal war gut gefüllt. Die Gäste sassen nicht wie üblich in Reihen vor der Bühne, sondern fanden sich an runden Tischen verteilt zusammen. Dies förderte den Austausch, der sich in den Pausen fortsetzte.

Viel Bewegung in den vergangenen beiden Jahren

Zu Beginn der Veranstaltung blickte Thomas Fromherz, Chief Strategy Officer, Payments, bei Netcetera, auf die letzte Veranstaltung von vor zwei Jahren zurück. Seitdem habe sich viel getan, war eine zentrale Schlussfolgerung. Viele Trends und Themen der diesjährigen Konferenz waren damals noch nicht auf dem Tapet. Bei der Diskussion um das mobile Bezahlen wurde etwa vor allem der "War of Wallet" thematisiert. Aktuell gehe es eher um "Blocking of Wallet" sagte Fromherz, denn für einen Kampf brauche es faire Ausgangsbedingungen, was immer weniger gegeben sei. Auch habe sich das mobile Bezahlen weg von der Wallet, hin zur App entwickelt.

Thomas Fromherz, Chief Strategy Officer, Payments, Netcetera (Source: Netzmedien)

Mit Apple Pay und Samsung Pay seien inzwischen grosse Player in den Schweizer Markt eingestiegen. Auch Twint mausere sich langsam. Generell verläuft die Entwicklung den Ausführungen Fromherz' zufolge eher "gemächlich". Der Beginn sei gemacht, der Weg sei aber noch weit.

Value Added Services machen den Unterschied

Christian Baumann, Head Value Added Services bei Six Payment Services, zeigte auf, dass es mehr als nur ein funktionierendes Bezahlen brauche, um den Kunden zu überzeugen. Vielmehr komme es darauf an, den Kunden mit gewinnbringenden Dienstleistungen an sich zu binden. Als Beispiel eines solchen Vorgangs nannte Baumann die Auswahl seiner Krankenversicherung. Bevor er diese gefunden habe, habe er jedes Jahr die Krankenversicherungen verglichen, um die möglichst günstigste für die Grundversorgung zu finden. Denn der Grundversorgungsauftrag sei gesetzlich geregelt und der Preis das einzige Unterscheidungsmerkmal.

Christian Baumann, Head Value Added Services, Six Payment Services (Source: Netzmedien)

Baumann änderte seine Meinung, als er in Kontakt mit dem Kundenportal seiner jetzigen Versicherung kam, wie er sagte. Dieses mache es ihm einfach, Belege digital einzureichen und auch Anpassungen vorzunehmen. Dies habe ihn so überzeugt, dass er seit ein paar Jahren keine Versicherungen mehr verglichen habe, der zusätzliche Service sei ihm der Preis wert. Auch Bezahlanbieter müssten von diesem Beispiel lernen, so seine Konklusion.

Vor allem müssten die Anbieter lernen, das vorhandene Wissen noch besser als Kapital zu nutzen. Falsch sei es jedoch, sich nur auf die Technologie allein zu konzentrieren, was in der Branche häufig noch der Fall sei. Vielmehr müsse die Technologie so eingesetzt werden, dass sie dem Kunden unmittelbar einen Vorteil bringe. Erst so werde dieser überzeugt und schliesslich zu einem loyalen Kunden. Daten sind für Baumann bei der Entwicklung solcher Dienste zentral. Unter Berücksichtigung des Datenschutzes müssten diese soweit wie möglich genutzt werden, um einen "Customer Centric Service" aufzubauen.

Die PSD2 bewegt die Branche

Am ersten Tag thematisierten gleich zwei Vorträge die neue Payment Services Directive (PSD2). Am zweiten Tag der Veranstaltung stand ein weiterer zum Thema auf der Agenda. Dies bringt zum Ausdruck, wie stark die Branche durch die Direktive in Bewegung ist. Vor allem der Punkt, dass die Banken in der EU bald offene Schnittstellen für Drittanbieter bereitstellen müssen, beschäftigte die Referenten. Zwar sind Schweizer Banken nicht direkt betroffen, es ist dennoch ein Thema, wie dem Vortrag von Carsten Miehling, CEO von PPI Schweiz, zu entnehmen war.

Carsten Miehling, CEO von PPI Schweiz (Source: Netzmedien)

Die EU-Banken müssen bis zum Beginn des nächsten Jahres, oder in einigen Fällen sogar erst bis April 2019, die Direktive umgesetzt haben. Die Schweizer Bankenvereinigung sprach sich gegen eine Übernahme dieses Konzepts aus. Sie sei sogar gefährlich, zitierte Miehling Branchenvertreter. Für ihn werden diese Ansätze für ein Open Banking in der Schweiz einen schweren Stand haben, obwohl sie auch Chancen böten.

Diese veranschaulichte Miehling anhand der neuen Initiative EU SEPA Instant. Diese soll Transaktionen innerhalb von Europa innerhalb von 10 Sekunden ermöglichen. Und zwar 365 Tage im Jahr und rund um die Uhr. Möglich sei dies nur durch offene Schnittstellen. Die Initiative sei sozusagen die "Antwort der alten Banken auf die Fintechs und Blockchains", sagte Miehling. Mit bestehenden Netzwerken werde ein Dienst angeboten, den es bisher nicht gab. Solch ein Angebot könne auch mit einem Aufpreis versehen werden, sodass sich die Margen auf Überweisungen für die Banken wieder mehr lohnen könnten.

Miehling sieht durch die PSD2 sehr viel Bewegung im Markt. Vor allem die Drittanbieter werden die Entwicklung in den nächsten Jahren voranbringen. "Auch Banken in der Schweiz werden sich nicht gegen Open APIs sperren können", zeigte sich Miehling überzeugt. Er forderte die Branche daher dazu auf, jetzt aktiv zu werden, um auf die Veränderungen reagieren zu können.

Gefahr durch die grossen Datensammler

Auf mögliche Gefahren ging Gian Reto à Porta, Co-Gründer und CEO von Contovista, ein. Durch die PSD2 erhalten Fintechs und auch die grossen Datensammler wie etwa Google oder Amazon, Zugriff auf die Daten von Banken. Da Banken diese Daten bisher kaum nutzten, könnten die neuen Player die Daten zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle auswerten.

Gian Reto à Porta, Co-Gründer und CEO von Contovista (Source: Netzmedien)

Der Kunde habe dann die Wahl, welches Frontend er für sein Banking nutzen wolle. Entweder das angestammte seiner Bank oder das eines Drittanbieters beziehungsweise das einer Fremdbank. Der Kunde werde sich für das Angebot entscheiden, das ihm einen Mehrwert biete, so À Porta.

Daher müssten sich auch die Schweizer Banken mit der PSD2 auseinandersetzen und die Entwicklung nicht einfach abblocken. Sonst bestehe die Gefahr, dass Drittanbieter oder auch EU-Banken einen Vorteil hätten, der von den Schweizer Banken nicht mehr eingeholt werden könne. Die Schweiz könnte so auch an Bedeutung in der Finanzbranche verlieren, skizzierte À Porta eine weitere Gefahr.

Twint sieht seinen Start geglückt

Fast zum Abschluss des ersten Konferenztages sprach Twint-CEO Thierry Kneissler über die Entwicklung seiner Firma und die weiteren Pläne. 2017 war für Kneissler ein "bewegtes Jahr", das auch viele Erfolge aufzuweisen hatte. Anfang des Jahres wurden die Systeme von Twint und Paymit zusammengeschlossen. Die neue Twint App konnte mit lanciert werden. Die grösste Herausforderung war dabei die Direktanbindung der App an die Konten der Banken, wie Kneissler sagte. Inzwischen hätten 10 Banken eine solche Schnittstelle. 30 weitere Institute würden mit der Prepaid-Version der App arbeiten.

"Wir sind der Überzeugung, dass wir erfolgreich sind", schätzte Kneissler die Lage ein. Dies zeige sich an mehreren Kennzahlen. Inzwischen zähle die App eine halbe Million registrierte Nutzer, über 1000 kommen laut Kneissler täglich hinzu. Weiter wurden in diesem Jahr über 400'000 Transaktionen mit der App ausgeführt. An rund 50'000 Akzeptanzstellen, von schätzungsweise 200'000 in der Schweiz, könne Twint genutzt werden. In der kurzen Zeit habe viel erreicht werden könnte, sagte Kneissler. Für die Zukunft gebe es aber noch viel zu tun.

In der Schweiz ist Twint laut Kneissler der Marktführer beim mobilen Bezahlen. Erreicht habe dies Twint durch zahlreiche Differenzierungsmerkmale (USPs), die konkurrierende Apps nicht böten. Dies seien etwa die Direktanbindung, die Verbindung mit Schweizer Bonusprogrammen, wie der Coop-Karte, oder die einfache Bedienung im E-Commerce. In der Zukunft will Twint diese USPs noch weiter ausbauen. Kneissler kündigte an, dass demnächst eine App-Switch-Funktion verfügbar sein werde. Diese ermögliche das Zahlen innerhalb von Apps auf das Smartphone.

Kneissler zeigte sich überzeugt, dass Kunden nur mit solchen Mehrwerten dazu bewogen werden können, ihr Zahlungsverhalten zu ändern. Dies bedeute: weg von Bargeld und Karten, hin zum mobilen Bezahlen auf dem Smartphone.

Fokus liegt zunächst auf der Schweiz

Für das kommende Jahr hat Twint grosse Pläne, wenn man den Ausführungen Kneisslers glauben schenkt darf. Vor allem will Twint noch mehr Nutzer gewinnen und die Zahl der Transaktionen deutlich steigern. Ein weiterer Ausbau der USPs stehe auch an. Twint wolle mit einem verstärkten Einsatz von QR-Codes mehr Händler gewinnen, kündigte Kneissler an.

Der strategische Fokus liege zunächst auf der Schweiz. Zwar sei es schon denkbar, Twint an ausländische Systeme anzubinden, eine konkrete Planung gibt es laut Kneissler aber noch nicht. Die grösste Herausforderung in der Zukunft werde es sein, die Kunden zu halten. Denn viele würden das mobile Bezahlen nur einige Male ausprobieren. Die Leute bei der Stange zu halten, sei für alle Anbieter von mobilen Bezahl-Apps eine Herausforderung. Twint bilde da keine Ausnahme.

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