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"Es gab Hochs und Tiefs, aber das gehört zu jeder guten Beziehung"

Uhr | Aktualisiert

Die App «go! so einfach geht Taxi» hat den Titel Master of Swiss Apps 2017 gewonnen. Hinter der App steckt Yourmile. Die Redaktion hat beim Unternehmen nachgefragt, wie die Entwicklung der App verlief und was für Herausforderungen es gab. Felix Engelhard, CEO und geistiger Vater der Go!-App, und Roberto Salerno, Head Sales und Marketing, gaben Auskunft.

Herzliche Gratulation zum Gewinn des Master of Swiss Apps 2017. Was bedeutet der Award für Yourmile?

Roberto Salerno: Herzlichen Dank. Für uns ist es eine Bestätigung unserer Idee und der täglichen Arbeit, die wir seit über anderthalb Jahren für die App geleistet haben. Die Auszeichnung beweist uns, dass sich auch ein Schweizer KMU in der digitalen Welt verwirklichen und weiterentwickeln kann.

Bitte erzählen Sie uns doch kurz etwas über Ihr Unternehmen. Wer steckt hinter Yourmile?

Felix Engelhard: Yourmile hat seine Wurzeln im analogen Taxivermittlungsgeschäft im Grossraum Zürich. Die dadurch gewonnene Kompetenz wurde über die Jahre auf weitere Mobilitätsdienste ausgebaut, wobei vor allem die digitalen Buchungskanäle an Bedeutung gewannen. Yourmile steht für «Deine Meile», also die individuelle, nachfrageorientierte Tür-zu-Tür-Beförderung, die durch kompetente Partner schweizweit sichergestellt wird.

Wer hatte eigentlich die Idee für die Go!-App? Und wann?

Engelhard: Vor zirka drei Jahren wurde immer klarer, dass es nur zwei Optionen gibt. Entweder findet die Digitalisierung durch amerikanische Start-ups und ohne uns statt, oder aber wir nehmen das Heft selbst in die Hand und kreieren eine marktgängige, inländische Lösung – mit anstatt gegen unsere regionalen KMU-Partner.

Wie lange dauerte die Entwicklung der App?

Salerno: Für die Entwicklung – von der Grundidee bis zum Launch – brauchten wir knapp zwei Jahre.

Was waren die grössten Herausforderungen?

Salerno: Eine war sicher, sich auf das Wesentliche zu reduzieren, und dies auch umzusetzen. Während der Realisierung gab es immer wieder neue Inputs und Ideen, die wir dann auf die Seite legen und später realisieren mussten. So kam die Voucher-Funktion zum Beispiel einiges später als geplant, da wir unsere Ressourcen zuerst darauf konzentrierten, den Grundnutzen der App zu perfektionieren. Eine andere grosse Herausforderung war und ist, die lokalen Partner dazu zu motivieren, ihren Tagesbetrieb zu automatisieren und somit zu digitalisieren. Viele Kleinbetriebe leben im Alltag noch sehr analog. So haben einige zum Beispiel kein Wi-Fi. Auch viele Fahrer arbeiten zum ersten Mal mit einer App oder sogar mit einem Smartphone generell. Diese richtig zu schulen und einen reibungslosen Betrieb zu garantieren, war besonders anfangs eine grosse Challenge.

Wie verlief die Zusammenarbeit mit Apps with Love?

Salerno: Die verlief und verläuft sehr gut. Wir bauen ja ständig weiter und ergänzen und verfeinern das Angebot und die Back-end-Prozesse. Klar gab es während des Projekts Hoch und Tiefs, aber das gehört zu jeder guten Beziehung.

Für die App setzen Sie auf Fixpreise. Warum?

Salerno: Während der Entwicklung der App wurde sehr viel Wert auf Schweizer Branchen-Know-how gelegt. Somit wussten wir einerseits, was Schweizer Kunden von einem Taxiservice erwarten, aber andererseits konnten wir auch die Bedürfnisse der Schweizer Taxifahrer und -unternehmen abholen. So haben wir beispielsweise die Trinkgeldfunktion eingefügt, da dies für viele Fahrer ein wichtiges Anliegen ist. Für die Kunden ist ein wichtiges Anliegen die Sicherheit – diesem Bedürfnis nehmen wir uns mit dem Fixpreis an. Durch das pauschale Zahlen kann der Fahrgast seine Fahrt stressfrei geniessen. Er muss sich keine Gedanken über den Preis machen, wenn der Fahrer eine längere Route nimmt, oder wenn es auf dem Weg Baustellen und Stau gibt – der Preis bleibt gleich. Das fördert auch die Transparenz und damit die Fairness gegenüber dem Kunden. Allerdings setzen wir nicht nur auf Fixpreise. Ein anderer Punkt sind die Partnerschaften mit offiziellen Taxibetrieben und keinen Privatfahrern. Damit garantieren wir, dass die Dienstleistung immer von einem lizenzierten Profi, der auch versichert ist und Sozialabgaben zahlt, durchgeführt wird.

Warum sollten Taxi-Passagiere in der Schweiz «go! so einfach geht Taxi» und nicht Uber verwenden?

Salerno: Die Go!-App ist bereits in vielen Gebieten in der Schweiz verfügbar, wo die Mitbewerber nicht vertreten sind, zum Beispiel Bern oder St. Gallen. Zudem bedienen wir auch kleinere Regionen wie Herisau und Basel-Land. Für den Schweizer Taxikunden bieten wir also eine natio­nale Taxibestellplattform an, die sich immer an den gleichen Werten orientiert: Fixpreis, lizenzierte Fahrer und grossflächig verfügbar. Zudem arbeiten wir mit den grössten Schweizer Mobilitätsanbietern zusammen und können auch als Teil einer integrierten Reisekette gebucht werden. Zum Beispiel via SBB-Reiseplaner-App. Wir nehmen so unsere Verantwortung in der Schweizer Mobilitätskette wahr – mit Stolz. Als Schweizer KMU haben wir auch die nötige Flexibilität und Agilität, um persönlich auf Kunden oder Partneranfragen einzugehen, denn wir sind mit unseren Schweizer Wurzeln immer nah am Kunden.

Wo speichern Sie die Kundendaten?

Salerno: Selbstverständlich werden alle Kundendaten in der Schweiz gespeichert. Unsere Server sind in Bern. Die Kreditkarten-Daten verwaltet Datatrans.

Wie haben Sie die SBB dazu gebracht, die Go!-App in ihren Reiseplaner zu integrieren?

Engelhard: Die SBB pflegen ein integriertes Mobilitätsverständnis, das nicht am Bahnhof aufhört. Da war es naheliegend, für die erste und letzte Reisemeile auf eine nationale Plattform wie Go! zu setzen. Treiber war aber klar die gemeinsame Freude an innovativen Mobilitätslösungen für ein intermodales Reiseerlebnis.

Wann wird die Go!-App auf Italienisch und Englisch verfügbar sein?

Salerno: Mit der englischen Version sind wir in den Startlöchern und werden sie so schnell wie möglich ausrollen. Italienisch werden wir 2018 umsetzen.

Viele Taxiunternehmen machen bei Go! nicht mit. Warum?

Salerno: Das würde ich so nicht sagen. Als wir die App lancierten, wurden wir überwältigt von Anfragen, nicht nur von Kunden oder der Presse, sondern vor allem von kleineren Taxiunternehmen, die uns als Chance sahen (und immer noch sehen), sich weiterzuentwickeln und zu digitalisieren. Unser Ziel ist ein qualitatives Wachstum in den Regionen. Der lokale Partner muss die Digitalisierungsmöglichkeiten und das Vernetzungspotenzial verstehen, dann gehen wir eine Partnerschaft ein. Wenn diese Faktoren nicht verstanden werden, evaluieren wir lieber einen anderen.

Die Go!-App will bis Ende 2017 in allen Kantonen der Deutsch- und Westschweiz vertreten sein. Wird das gelingen?

Salerno: Nein, das macht aber auch nichts. Denn wie vorhin erklärt, muss der lokale Partner die Voraussetzungen verstehen. Mit einer anderen Strategie hätten wir die Abdeckung in allen Kantonen bereits erreicht. In der Westschweiz wünschten wir uns schon eine stärkere Ausbreitung. Mit Fribourg, Bulle und Vevey/Montreux sind wir aber jetzt schon gut vertreten.

Ist es denkbar, dass Sie die Go!-App auch einmal im Ausland ­anbieten?

Salerno: Das könnte durchaus der Fall sein. Wir haben auch schon Anfragen. Zuerst wollen wir aber unsere Hausaufgaben auf unserem Heimmarkt erledigen und diesen optimieren, bevor wir einen weiteren Markt angehen. Die Plattform ist aber so gebaut, dass sie in Europa einsetzbar wäre.

Was planen Sie in Zukunft für die App?

Salerno: Einiges! Das Baby lernt ja gerade erst laufen. Sicherlich wollen wir uns noch mit weiteren Partnern wie den SBB vernetzen. Danach stehen Erweiterungen an, wie zum Beispiel eine Via-Funktion oder ein erweitertes Vouchering. Zudem verfolgen wir mit Datatrans die Integra­tion von alternativen Zahlungsmöglichkeiten.

Das Unternehmen

Yourmile mit Sitz in Kloten schafft nationale und regionale Lösungen im Schweizer Mobilitätmarkt für die erste und letzte Reisemeile. Sie vernetzt Mobilitätsplattformen und professionelle Beförderungsanbieter. Während sie in Zürich durch 7x7-Fahrdienste vertreten ist, digitalisiert «go! so einfach geht Taxi» als einzige nationale Buchungsplattform die Schweizer Taxi-Branche.

Webcode
DPF8_72532

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