ICT-Jahr 2017

Schweizer ICT-Branche auf Sieben-Jahres-Hoch

Uhr | Aktualisiert
von Coen Kaat

Der Schweizer ICT-Sektor ist auf einem Sieben-Jahres-Hoch. Wie der ICT-Index von Swico zeigt, erwartet die Branche ein Wachstum. Die Marktzahlen bekräftigen diese Haltung – allerdings nicht in allen Bereichen.‏

"Zum Glück sind unsere Prognosen besser als das Wetter", heisst es seitens Swico, noch bevor die eigentliche Medienorientierung beginnt. Draussen, vor dem Zürcher Café Metropol, regnet es in Strömen.

Der Verband der Schweizer ICT-Dienstleister Swico nutzt den jährlichen Anlass, um über die aktuelle Lage im Schweizer IT- und Telekom-Markt zu informieren und einen Ausblick auf das neue Jahr zu geben. Dieser Ausblick stimmt optimistisch.

"Die Branche erwartet ein Plus wie seit sieben Jahren nicht mehr", sagt Giancarlo Palmisani, Leiter Verbandsdienstleistungen beim Swico. Beflügelt von der Digitalisierung, der guten Weltkonjunktur und Themen wie der künstlichen Intelligenz.

ICT-Index so hoch wie seit 2011 nicht mehr

Der ICT-Index, sozusagen die von Swico erhobene und grafisch dargestellte Selbsteinschätzung der Branche, ist auf 117,6 Punkte geklettert. Der höchste Stand seit 2011, als der Index im zweiten Quartal auf knapp über 120 Punkte anstieg.

Besonders das Software-Geschäft gedeiht derzeit. Hier zeigt der Index einen Wert von 122,3 Punkten an. Den Gegenpunkt bilden jedoch die beiden Segmente Consumer Electronics (CE) sowie Imaging, Printing & Finishing (IPF).

In der CE-Branche zeige sich der Preisdruck, sagt Palmisani. Das IPF-Geschäft erhole sich zwar, sei aber noch immer unrentabel. Die Indexwerte der beiden Segmente lagen unter 100 Punkten – der Wachstumsgrenze.

Den Wachstumsaussichten stehen jedoch auch Hürden gegenüber. Allen voran: der Mangel an ICT-Spezialisten. Die Nachfrage aus der Wirtschaft sei vorhanden. Wenn die Firmen genügend qualifizierte Spezialisten rekrutieren könnten, wären die Umsatzprognosen deutlich besser, ist Palmisani überzeugt.

Umsatz wächst auf 31,4 Milliarden Franken

Die Selbsteinschätzung deckt sich mit den aktuellen Marktdaten des European Technology Observatory (EITO) in Partnerschaft mit IDC. 2017 erzielte die ICT-Branche einen Gesamtumsatz von 31,4 Milliarden Franken. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent.

Die Zahlen zu 2017 sind zwar noch vorläufig. EITO wagt dennoch bereits einen Blick nach vorn: Im laufenden Jahr soll das Wachstum leicht abbremsen. 2018 werde der Schweizer ICT-Markt noch um 2,2 Prozent auf einen Gesamtumsatz von über 32 Milliarden Franken ansteigen.

Die positiven Zahlen seien auf die Cloud-Adoption zurückzuführen. Diese schreite auch im KMU-Umfeld voran, was wiederum Investitionen nach sich ziehe. Ein weiterer Wachstumstreiber sei etwa die EU-Datenschutzgrundverordnung, welche die Ausgaben im Bereich Security antreibe.

Rund zwei Drittel entfallen auf den IT-Markt – der Rest auf den Telekommunikationsmarkt. Das Segment IT wuchs im Jahresvergleich um 3,5 Prozentpunkte auf 19,8 Prozent. Der Schweizer IT-Markt wachse somit schneller als der EU-Durchschnitt und auch als die Schweizer Gesamtwirtschaft, kommentiert Axel Pols, Geschäftsführer von Bitkom Research, die Marktzahlen.

Der Wachstumsmotor ist Software. Hierzu zählt Eito auch Software-as-a-Service-Angebote aus der Cloud. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs dieses Segment um 6 Prozent. "Software ist momentan der spannendste Markt", sagt Pols. Mit Trends wie der Cloud, künstlicher Intelligenz und dem Internet der Dinge passiere hier derzeit am meisten.

PC-Markt soll fallen

Das PC-Geschäft überzeugte hingegen weniger. Im vergangenen Jahr erreichte der PC-Absatz eine Stückzahl von 2 Millionen Einheiten. Damit lag der Wert in etwa auf dem Vorjahresniveau. Im laufenden Jahr soll die Stückzahl jedoch um 5,1 Prozent fallen.

Ein Grund dafür sei unter anderem Windows 10. Das neue Betriebssystem habe einige dazu gebracht, in neue Hardware zu investieren. Dieses Jahr werden derartige Einkäufe gemäss Pols ausbleiben. Ein kleiner Wehrmutstropfen: Die Durchschnittspreise steigen in allen Kategorien – von Consumer bis Business, von Portable bis Desktop. Denn es kommen immer hochwertigere Geräte auf den Markt und in der Schweiz werden ebendiese auch stark nachgefragt.

IT-Markt kannibalisiert TK-Markt

Im Gegensatz zum IT-Markt bleibt der Telekommarkt in der Schweiz jedoch stehen. 2017 wuchs der Markt um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 11,6 Milliarden Franken. Daran soll sich nichts ändern: Auch im laufenden Jahr werde der Markt um 0,3 Prozent wachsen und bei etwa 11,6 Milliarden Franken bleiben.

Immer mehr Sprach- und Datenverkehr, sagt Pols, werde über das Internet übertragen. So fallen im TK-Markt Umsätze weg, die dann in den IT-Markt fliessen. Früher hatten Telkos etwa noch SMS als Einnahmequelle. Heute läuft15 dieser Verkehr über Whatsapp und Co.

Das grösste Wachstum kam 2017 aus dem Bereich Telekom-Equipment. Dazu zählt EITO sowohl die Ausgaben für Mobilfunkgeräte wie etwa Smartphones als auch Infrastrukturausgaben etwa für den Ausbau des Glasfaser-, LTE- oder Kupferkabelnetzes. Gegenüber dem Vorjahr wuchs das Segment um 3,6 Prozent.

Der Schweizer Smartphone-Markt stabilisierte sich derweil. Zeigten die Marktdaten für 2016 noch ein Minus von 10 Prozent, lag der Rückgang 2017 bei nur noch 1,5 Prozent. 2018 werde der Absatz sogar leicht zunehmen, versprechen die Zahlen von EITO: um 0,9 Prozent auf 3,3 Millionen Smartphones.

Referendum gegen Geldspielgesetzt kommt wohl zu Stande

Abschliessend sprach Jean-Marc Hensch, Geschäftsführer von Swico, noch über den Verband und die politischen Themen für 2018. So knackte der Verband etwa die 500-Mitglieder-Marke. Ein Grund hierfür sei die Start-up-Initiative, welche der Verband vergangenes Jahr lancierte. Heute zählt der Verband gemäss Hensch bereits zwei Dutzend Start-ups als Mitglieder.

Zu den politischen Dauerthemen 2018 zähle weiterhin der ICT-Fachkräftemangel. Ferner werde sich der Verband auch für ein freies und sicheres Netz einsetzen. "Denn Digitalisierung ist nur möglich, wenn das Netz in Freiheit funktioniert." Das Referendum gegen das Geldspielgesetz etwa, für das sich der Swico einsetzt, werde gemäss Hensch mit aller Wahrscheinlichkeit zustande kommen.

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