Interview mit Dirk Heitmann von IBM

"Wichtig ist die Frage, was man bewirken kann"

Uhr | Aktualisiert

Mit Watson setzt IBM momentan ganz auf das Thema künstliche Intelligenz (KI). Chief Digital Officer DACH Dirk Heitmann sagt, welche Aufgaben der CDO bei IBM hat und wo ihm KI bei der Arbeit hilft.

Dirk Heitmann, Chief Digital Officer und Leader Digital Business Group DACH, IBM. (Source: zVg)
Dirk Heitmann, Chief Digital Officer und Leader Digital Business Group DACH, IBM. (Source: zVg)

Wie lange braucht es den CDO eigentlich noch?

Dirk Heitmann: Das ist eine spannende Frage, die ich mir aber gar nicht stelle, weil sie stark an einer Rolle hängt. Bei dem grossen Mass an Bewegung und Transformation in unserer Industrie, ist die Frage der Rolle nicht so relevant. Wichtiger ist die Frage, was man bewirken kann. Zusammen mit den Kollegen aus der Technik und aus der CIO-Ecke auf der einen Seite, und aus dem Business auf der anderen Seite. Diese Kombination, aus guten Geschäftsideen und den technischen Möglichkeiten wirklich neue, disruptive Ansätze zu entwickeln, das zählt jetzt. Ob das in einem Jahr oder in zwei Jahren noch eine Relevanz hat, spielt für mich persönlich keine grosse Rolle.

Was macht man als CDO bei IBM?

Wir haben einen spannenden Ansatz. Wir kombinieren Transformationsrollen immer mit einer geschäftlichen Verantwortung. Auf der einen Seite habe ich Verantwortung für einen Geschäftsbereich der IBM, insbesondere das mittelständische Segment in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gleichzeitig habe ich den Auftrag, das Thema Digitalisierung nach Innen und Aussen zu vertreten. Gerade wenn es darum geht, das wir mit Kunden an Lösungen arbeiten, die durch uns oder Vertriebspartner entwickelt werden.

Was bedeutet diese doppelte Aufgabe für IBM?

Dadurch entsteht ein Geschäft, das sich vom klassischen Geschäft der IBM unterscheidet. Wir haben ein höheres Handlungsvolumen, eine bessere Kombination aus digitalen Vertriebsmethoden und arbeiten an innovativen Ansätzen. Mit Kampagnen, Marketing und unterstützt von künstlicher Intelligenz, um Kunden in der Breite besser identifizieren und betreuen zu können.

Wie kann KI dem CDO oder CIO konkret helfen?

Wir treiben auch selber Innovation und arbeiten mit einem hohen Mass an Selbstverständlichkeit mit KI. In meinem Bereich gibt es ein sehr gutes Beispiel, bei dem in einer Kombination aus Fachkraft und Technikern - man braucht immer beides - ein KI-Modul trainiert worden ist, um in einem Arbeitsprozess repetitive aber vergleichsweise aufwändige Tätigkeit aus unserer eigenen Cloud abzubilden. Das kleine Team hat so mittlerweile von fünf Tagen die Woche einen Tag eingespart. So suchen wir auch danach, wie wir mit KI-Komponenten effizienter mit unseren Kunden arbeiten oder interne Prozesse optimieren können.

Ist KI bereits über den Hype-Status hinausgewachsen?

Ja - wir sind mit Watson natürlich schon relativ lange dabei. Wir haben etwa in den vergangenen Jahren für die gesamte Belegschaft kleine Wettbewerbe veranstaltet. Die Kollegen haben eigene Projekte vorgestellt, wie man KI-Komponenten am besten nutzen und Watson zum Einsatz bringen kann. Am Ende sind fünf Teams von unserer CEO Ginni Rometty gekürt worden. Insofern haben wir einen gewissen Vorlauf, weil das Thema bei uns schon deutlich länger im Konzern getragen wird. Das Spannende ist, dass man nicht über KI spricht, sondern über Funktionalität. KI wird als Mittel zum Zweck verstanden. Wir haben mit der Forschung in Rüschlikon und dem Labor in Böblingen eine unglaubliche Nähe zu unseren eigenen Entwicklern und tragen das Thema nach Aussen in die Entwickler-Communities, um von dort Impulse und Ideen zu generieren.

Watson ist in der Medizin, in der Bilderkennung und in der Wettervorhersage im Einsatz. Welches Anwendungsfeld möchten Sie als nächstes erschliessen?

Ich bin dankbar für die Selbstverständlichkeit, mit der unsere Kunden das Thema aufgenommen haben und wir selber haben kaum einen Geschäftsbereich, in dem es keine Relevanz hat. Das Thema Watson ist als Synonym für KI längst Teil unseres eigenen Produktportfolios und natürlich auch unserer Dienstleistung. Was ich durchaus sehe ist, dass wir mit vielen Kunden im Moment über die Veränderung der eigenen Geschäftsmodelle sprechen.

Können Sie Beispiele hierfür geben?

KI kommt bei der Vereinfachung bestehender oder der Entwicklung neuer Tätigkeitsfelder zum Einsatz. Auch im Umfeld der Robotics, wo höherwertige Tätigkeiten umgearbeitet werden können. Wobei es da nicht darum geht, Arbeitskräfte zu ersetzen, sondern Dinge zu tun, die man bisher nicht tun konnte. Ein Beispiel ist die Firma V-Zug, die mit Modulen von Watson ihre Spülmaschinen in der Fertigung besser überprüfen kann, als jeder Mensch das tun könnte. Das sind für mich die Erfolgsfälle, wo Kunden mit vergleichsweise geringem Aufwand schnell und experimentell anfangen, selber die Einsatzzwecke zu erkennen und dann zu einem grösseren Kontext auszubauen. Ich persönlich bin dann begeistert, wenn ich ganz still und leise die KI-Komponenten in den Prozessen unserer Kunden immer mehr wahrnehme. Denn dann sind wir mit dem Thema angekommen und das ist meine Motivation, das Thema intern wie extern zu treiben.

Kunden kommen also zu IBM mit einer Idee, wie Watson ihnen helfen könnte?

Ja, das ist eine interessante Art des Arbeitens. Wir stellen fest, dass das Vernetzen von Interessen auf der Kundenseite und unserer eigenen Teams dazu führt, dass man besser versteht, wo man Interessen zusammenführen kann. Da geht es häufig um mittelständische Unternehmen, die keine grosse KI-Abteilung haben, sondern experimentell agieren. Unterstützt durch unsere Expertise können diese Unternehmen neue Einsatzzwecke definieren. Wir werden deshalb auch mit externen Entwicklern arbeiten.

Wie arbeitet IBM mit externen Entwicklern zusammen?

Wir wissen, dass von dort eine ganze Menge an guten Ideen Richtung IBM fliesst. Das bedeutet nicht, dass wir nicht an Industrielösungen arbeiten. Wir sind in der Banken- und Versicherungsindustrie sehr tief in die Prozesse unserer Kunden eingebunden und haben dort sehr viel Expertise im Beratungsumfeld. Entscheidend ist aber der Anwendungsfall. Es gibt Kunden, die mit der KI in der IBM-Cloud arbeiten. Die wollen das selber steuern und handlungsfähig sein. Ich sehe das als Demokratisierung der Technologie, die auch in unserem Interesse ist. Ginni Rometty sagt nicht umsonst, dass Watson innerhalb der nächsten Jahre Milliarden Menschen in irgendeiner Form beeinflussen wird.

Wann hat jedes Unternehmen Watson im Büro?

Ich halte das für schwer einzuschätzen, aber ich kann eines sicher sagen. Egal, welche Art von Unternehmen den Schritt in diese Richtung machen will - wir und unser Wertschöpfungsnetzwerk werden diese Kunden gerne auf dem Weg begleiten.

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