Titelgeschichte

Was Schweizer CIOs dieses Jahr beschäftigt

Uhr | Aktualisiert

Die Redaktion hat Informatikentscheider in der Deutsch- und Westschweiz zu ihren Prioritäten für 2017 befragt. Sie wollen im neuen Jahr vor allem ihr Risk und Security Management stärken und die Customer Experience verbessern. Künstliche Intelligenz, Wearables und das Internet der Dinge stossen hingegen noch immer auf wenig Interesse. Ein grosses Thema ist dafür die Einführung neuer digitaler Geschäftsmodelle.

Welche Technologien sind für Unternehmen wichtig? Wo liegen die Prioritäten der CIOs? Und für welche Veränderungen müssen die Informatikleiter gewappnet sein? Um diese Fragen zu beantworten, erkundigte sich die "Netzwoche" gemeinsam mit ihrem Westschweizer Schwestermagazin "ICTjournal" bei Schweizer CIOs zu deren Prioritäten für das Jahr 2017. Die Redaktion führte die Umfrage zwischen Dezember 2016 und Januar 2017 mit dem Onlinetool Surveymonkey durch. Es nahmen insgesamt 22 Informatikentscheider teil. Letztes Jahr hatte die Redaktion Antworten von 24 CIOs erhalten.

IT-Budgets stagnieren

Eines vorweg: Die Digitalisierung von Unternehmen, von der Marktbeobachter, Analysten und Consultants ständig sprechen, ist kein Märchen. Das Fazit aus der CIO-Studie 2016 gilt auch für dieses Jahr. Der Einsatz von Technologien hat heute einen direkten Einfluss auf den Unternehmenserfolg von Firmen. Und die Beziehung ­zwischen IT, Marketing und Sales gewinnt weiter an Bedeutung.

Letztes Jahr gaben rund 54 Prozent der CIOs an, dass sie 2016 etwa ein gleich hohes IT-Budget hätten wie 2015. 25 Prozent der Befragten hatten damals mehr Geld zur Verfügung als im Vorjahr, 21 Prozent hatten weniger. In der aktuellen Umfrage sieht es ähnlich aus. 59 Prozent der Befragten müssen mit gleich hohen IT-Budgets wie letztes Jahr auskommen. Rund 14 Prozent der CIOs können auf weniger Geld zurückgreifen, die restlichen 27 Prozent dürfen sich über eine Erhöhung des IT-Budgets freuen.

Apps sind so beliebt wie noch nie

Besonders beliebt in Unternehmen sind Mobile-Apps: 13 von 22 CIOs setzen sie bereits ein, 4 sind dabei, sie auszurollen, und 4 beobachten die Entwicklungen im Markt. Kein einziges Unternehmen gab an, sich gar nicht für Mobile-Apps zu interessieren. Bei der Umfrage gab es in diesem Punkt eine Stimmenthaltung.

Im Trend liegt auch die App-Nutzung in der Public Cloud. 12 Firmen nutzen Software-as-a-Service (SaaS), eine rollt gerade eine solche Lösung aus und 3 fahren eine Pilotphase. Weitere 3 beobachten genau, wie sich der Markt entwickelt. 2 Unternehmen gaben an, gar kein Interesse an SaaS zu haben.

Unter Beobachtung: Software-defined und künstliche Intelligenz

Bemerkenswert ist, dass sich 10 Unternehmen mit Software-defined-Infrastrukturen beschäftigen. 2 weitere sind in einer Pilotphase, 4 nutzen das Konzept bereits. 5 Firmen sagten allerdings auch, dass sie gar nicht an Software-defined-Infrastrukturen interessiert seien.

10 Unternehmen beobachten den Markt für künstliche Intelligenz (KI), aber kein einziges nutzt die Technologie. Immerhin: Ein KI-Projekt wird gerade ausgerollt, 3 befinden sich in der Pilotphase. Ein Drittel der Befragten zeigt überhaupt kein Interesse an KI.

Ungebremste Cloud-Euphorie

In der Umfrage 2015 gab es fast keine CIOs, die den Trend hin zum Cloud Computing ignorierten. Knapp 92 Prozent aller Befragten in der Deutsch- und Westschweiz waren in irgendeiner Form an Public und Private Clouds interessiert. Sie hatten die Cloud entweder auf dem Radar, testeten sie gerade oder hatten sie bereits eingeführt. In der aktuellen Umfrage ist dieser Wert auf 82 Prozent gesunken. Das dürfte damit zu tun haben, dass dieses Jahr mehr Unternehmen aus der Finanzbranche an der Umfrage teilnahmen. Ihnen wird die Nutzung der Cloud durch regulatorische Anforderungen oft erschwert.

9 Unternehmen nutzen Private Clouds, 12 Software-as-a-Service, 5 Platform-as-a-Service und 7 Infrastructure-as-a-Service. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Cloud-Euphorie weiter anhält.

Analysten gewinnen an Bedeutung

Die CIOs beantworteten auch Fragen zu externen Stakeholdern. Letztes Jahr gaben 13 der befragten Informa­tikentscheider an, dass es für sie immer wichtiger werde, ein gutes Verhältnis zu den Shareholdern zu haben. In der aktuellen Umfrage sagten das noch 2 Teilnehmer. 19 Informatikentscheider gehen nun davon aus, dass die Beziehung zu den Shareholdern stabil bleibt.

Kaum von Bedeutung waren letztes Jahr die IT-Analysten: 8 CIOs bewerteten sie als durchschnittlich wichtig, 5 als wenig wichtig und 9 sogar als irrelevant. Gerade mal 2 der 24 Umfrageteilnehmer waren 2015 der Meinung, dass IT-Analysten eine grosse Bedeutung hätten. Kein einziger der Befragten gab an, dass die Analysten von allerhöchster Wichtigkeit seien. Das hat sich geändert: Nun stufen 10 der 22 Befragten die Beziehung zu den Analysten als wichtig ein. 5 finden sie wenig wichtig, 6 gar nicht wichtig.

Wandel durch neue Technologien

Welche Faktoren befeuern die digitale Transformation von Unternehmen? Diese Frage stellte die Redaktion zum ersten Mal. Mehrfachnennungen waren möglich.

62 Prozent aller Informatikentscheider gaben an, dass neue Technologien entscheidend sind. 57 Prozent müssen darauf reagieren, dass ihr Umfeld mehr Agilität fordert. 52 Prozent spüren die wachsende Macht der Konsumenten. Je 38 Prozent der Befragten kämpfen gegen neue digitale Konkurrenten und wollen den Mitarbeitern neue Wege für Kollaboration und Zusammenarbeit ermöglichen.

Rund 29 Prozent der CIOs gaben an, mit Digitalisierungsinitiativen ehrgeizige Wachstumsziele zu verfolgen. Etwa gleich viele streben nach höheren Gewinnmargen.

Kunde im Fokus

Doch was gehört zur digitalen Transformation in Firmen? Die Einführung digitaler Geschäftsmodelle, sagen rund zwei Drittel der Befragten. Für 62 Prozent heisst Digitalisierung, schnell auf Veränderungen im Markt zu reagieren. 57 Prozent nannten die Nutzung von Kundendaten.

Nur rund ein Viertel der Informatikentscheider sagt, dass Management-Entscheidungen in ihrem Unternehmen immer öfter auf Daten und Algorithmen beruhen. Die "Softwarization" von physischen Gütern ist gar nur für 14 Prozent der Befragten wichtig. Weniger als 10 Prozent der CIOs sagten, dass Digitalisierung für sie heisse, ähnliche Technologie-Tools wie Start-ups zu nutzen.

Stattdessen konzentrieren sich viele Unternehmen auf ihre Beziehung zu den Endkunden. Genau die Hälfte der Befragten gab an, dass diese immer wichtiger werde. Für 12 der 22 Unternehmen hat sie allerhöchste Priorität, für weitere 7 Firmen ist sie sehr wichtig.

Das passt zu einer Vorhersage von IDC. Der Marktforscher sagt voraus, dass 65 Prozent aller IT-Organisationen bis 2018 neue Dienstleistungen für Kunden schaffen werden. Laut Gartner wird KI dabei eine grosse Rolle spielen. Das hat sich in der Umfrage der Redaktion allerdings nicht bestätigt.

Webcode
DPF8_22440

Kommentare

« Mehr