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Die Schnellsten, die Eifrigsten und die Grosszügigsten im Beschaffungswesen

Uhr | Aktualisiert
von Coen Kaat

Die Onlineplattform IT-Beschaffung.ch hat sich das Schweizer Beschaffungswesen genauer angeschaut und eine Reihe statistischer Auswertungen veröffentlicht. Daraus geht etwa hervor, wer 2016 die meisten Aufträge erteilte, wer dies mehrheitlich freihändig tat, oder welches Unternehmen pro Auftrag am meisten verdiente.

(Quelle: Fotolia)
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Braucht eine Gemeinde neue PCs oder will ein Bundesdepartement einen neuen IT-Dienstleister, muss die zuständige Stelle den Auftrag öffentlich publizieren. Dies geschieht auf der elektronischen Meldeplattform
Simap.ch – dem Informationssystem über das öffentliche Beschaffungswesen in der Schweiz.

Jedes Jahr werden auf der Plattform einige tausend derartiger Ausschreibungen publiziert. 2016 waren es 8815 gemäss der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit der Universität Bern. Die Plattform publiziert auch die Zuschläge. Also die Meldung, wenn sich eine Behörde für einen bestimmen Auftragnehmer entschieden hat.

Das Onlineportal IT-Beschaffung.ch sucht aus den Aufträgen jeweils die für die IT-Branche relevanten heraus. Zudem veröffentlichen die Organisatoren hinter der Plattform auch jährlich statistische Auswertungen zum Schweizer IT-Beschaffungswesen. Die Redaktion hat sich diese Statistiken etwas genauer angesehen.

Wer vergab die meisten Aufträge?

Geht es nach der Anzahl Aufträge hatten 2016 zwei Instanzen die Nase vorn: das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) mit 69 Aufträgen und die Organisation und Informatik der Stadt Zürich (OIZ) mit 67 Aufträgen. An dritter Stelle folgten die SBB mit 41 Aufträgen.

Legende zu den Abkürzungen: Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT), Stadt Zürich, Organisation und Informatik (OIZ), Schweizerische Bundesbahnen (SBB)

Wer gab am meisten aus?

Die Ausgaben des BIT für öffentliche Ausschreibungen beliefen sich 2016 auf fast 683 Millionen Franken. In absoluten Zahlen führt das BIT die Liste an. Allerdings verteilten sich diese auf 69 verschiedene Aufträge. Im Schnitt gab das BIT weniger als 10 Millionen Franken pro Auftrag aus.

Das Auftragsbudget der Alptransit Gotthard AG umfasste 2016 zwar nur bescheidene 63 Millionen Franken – allerdings für einen einzelnen Auftrag. Der grösste Auftrag des BIT im vergangenen Jahr hatte ein Volumen von 60 Millionen Franken.

Legende zu den Abkürzungen: Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT), Stadt Zürich, Organisation und Informatik (OIZ), Schweizerische Bundesbahnen (SBB), Führungsunterstützungsbasis (FUB), Luzerner Kantonsspital (LUKS), Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL)

Wer vergab die meisten freihändigen Vergaben?

Bei einer freihändigen Vergabe wendet sich die zuständige Stelle direkt an den Auftragnehmer. Solche Projekte werden nicht öffentlich ausgeschrieben und auch die Zuschläge erscheinen nicht zwingend auf Simap oder im lokalen Amtsblatt.

Diese Form der Vergabe erfreut sich einiger Beliebtheit. So erteilten das Bundesamt für Statistik, die Eidgenössische Zollverwaltung, das Universitätsspital Genf und die Steuerverwaltung des Kantons Bern nur freihändige Vergaben. Aber auch das kantonale Steueramt Zürich, die Post, das Amt für Informatik und Organisation des Kantons Bern (KAIO) sowie das Informatikzentrum der Universität Lausanne vergaben einen Grossteil ihrer Aufträge freihändig.

Legende zu den Abkürzungen: Amt für Informatik und Organisation des Kantons BE (KAIO), Führungsunterstützungsbasis (FUB)

Wer entschied am schnellsten?

Bis eine Entscheidung fällt, vergehen jeweils etliche Monate. Gewisse Auftragnehmer wissen jedoch schon viel schneller, an wen ihre Aufträge gehen sollten. So kam die Centrale Commune d’Achats des Kantons Genf auf eine durchschnittliche Evaluationsdauer von 95 Tagen bei insgesamt 7 Vergaben.

Freihändige Vergaben verfälschen diese Statistik jedoch. Da derartige Vergaben die Evaluationsdauer signifikant verkürzen.

Dass es aber auch deutlich länger dauern kann, zeigte etwa das Universitätsspital Basel. Das Spital vergab im vergangenen Jahr 9 Aufträge. Dafür brauchte es im Schnitt 418 Tage.

Welche Ausschreibung erhielt die meisten Offerten?

Die Statistiken für das vergangene Jahr zeigen, dass Projekte für die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) wohl besonders beliebt sind. Die 2 Aufträge, für welche die meisten Offerten eingingen, kamen beide von den SBB. Für die Ausschreibung "Projektleiter / Business Analyst (PL/BA)"erhielten die SBB 24 Offerten, für die Ausschreibung "Engineering"23.

Darauf folgte die Schulgemeinde Grabs. 17 Offerten gingen bei ihr ein, als die Gemeinde ihre Schulinformatik erneuern wollte. Ebenfalls 17 Offerten erhielt die Polizei- und Militärdirektion des Kantons Bern, als sie einen externen Dienstleister suchte.

Ein direkter Zusammenhang zwischen der Anzahl Offerten und der Evaluationsdauer scheint jedoch nicht zu bestehen. So benötigten die SBB für die 24 Offerten für den Projektleiter 93 Tage, um sich zu entscheiden. Für die 23 Offerten für den Engineering-Auftrag benötigten sie aber 116 Tage.

Wer schnappte sich die meisten Aufträge?

Das vergangene Jahr war insbesondere für Swisscom ein sehr aktives. Der Telko angelte sich insgesamt 32 Aufträge. Mit einigem Abstand folgte Elca Informatik mit 19 Aufträgen und Prime Technologies mit 11. IBM und Siemens Postal, Parcel & Airport Logistics sicherten sich jeweils 10 Aufträge.

Wer verdiente am besten?

Mit den 32 Aufträgen sicherte sich Swisscom auch das grösste Budget im vergangenen Jahr – allerdings nur knapp. Das Gesamtvolumen aller Aufträge des Telkos belief sich auf fast 131 Millionen Franken. IBM hatte sich zwar nur 10 Aufträge geschnappt, doch kam das Unternehmen auf ein Volumen von über 123 Millionen Franken.

Das höchste durchschnittliche Auftragsvolumen erzielte jedoch Epic. Das Unternehmen sicherte sich zwar nur einen Auftrag, dieser hatte jedoch ein Volumen von fast 66 Millionen Franken.

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DPF8_37107

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