Eigenentwicklungen nehmen zu

Selbst ist der Onlineshop

Uhr | Aktualisiert
von Coen Kaat

Immer mehr Onlineshops setzen auf selbst entwickelte Systeme, wie eine E-Commerce-Studie von Carpathia zeigt. Diese verdrängen Standardlösungen wie die ERP-Systeme von Microsoft und SAP von den Spitzenpositionen. Zugleich steigt die Qualität der Shops von Jahr zu Jahr.

(Quelle: varijanta / Fotolia.com)
(Quelle: varijanta / Fotolia.com)

Es gibt immer mehr Eigenentwicklungen im Schweizer E-Commerce. Lag der Anteil 2015 noch bei knapp über einem Drittel, entwickelten gemäss einer Studie von Carpathia 2017 bereits 42 Prozent der Befragten ihren Onlineshop selbst.

Der Anteil reiner Standardsysteme rutschte derweil von 24 Prozent auf 10 Prozent. Die übrigen 48 Prozent nutzen ein stark angepasstes Standardsystem. Dieser Anteil liegt zwar über dem Wert von 2015 (41 Prozent), veränderte sich jedoch nicht gegenüber 2016.

Laut den Studienautoren wollen sich die Onlineshops so von der immer stärkereren Konkurrenz abheben. Wie Carpathia in der Studie schreibt, nimmt auch die Qualität der Shops von Jahr zu Jahr zu.

Der Trend hin zu Eigenentwicklungen zeigt sich deutlich im Bereich der Shopsysteme. Die meistgenutzten Standardsysteme in dem Bereich sind laut der Studie Hybris, Shopware und Magento. Diese drei werden 2017 in etwa gleich oft eingesetzt. Das bedeutet, dass Hybris und Shopware aufgeholt haben, denn vor zwei Jahren lagen die beiden Systeme noch deutlich hinter Magento zurück.

Die drei meistgenutzten Systeme kommen zusammen auf einen Anteil von 43 Prozent. Damit liegt die Top 3 nur knapp vor den Eigenentwicklungen, die 38 Prozent der Befragten nutzen. Der Anteil Eigenentwicklungen nimmt jedoch von Jahr zu Jahr zu – der Anteil der Top 3 schwankt hingegen.

Diese Entwicklungen gehen auf Kosten der Vielfalt. 2015 erfasste die Umfrage noch 24 unterschiedliche Shopsysteme, ein Jahr später waren es noch 22 und 2017 wurden in der Umfrage nur noch 12 verschiedene Systeme genannt - halb so viele wie noch vor zwei Jahren. Entsprechend entwickelte sich der Anteil "andere Lösungen". Dieser rutschte von 45 auf 41 und 19 Prozent ab.

Eigenentwicklungen verdrängen ERP-Standardlösungen

Bei den ERP-Systemen (Enterprise Resource Planning) verdrängen die Eigenentwicklungen laut Carpathia etablierte Lösungen wie MS Dynamics NAV und SAP von der Spitzenposition. Die Autoren der Studie führen das darauf zurück, dass ein schöner Onlineshop alleine heute nicht mehr reiche. Auch die Datenintegration und Bestellabwicklung müsse effizient sein.

Insbesondere von 2015 auf 2016 legte der Anteil selbst programmierter ERP-Systeme deutlich zu. Von 2016 auf 2017 kletterte er nur noch 4 Prozentpunkte hinauf. Auffällig ist auch, dass immer weniger Befragte angeben, kein ERP-System zu nutzen. Der Anteil halbierte sich von 6 auf 3 Prozent.

PIM-Systeme und mobiler Traffic nehmen zu

Die Produktinformationssysteme (PIM) zeigen ein leicht anderes Bild. Zwar stieg der Anteil Eigenentwicklungen von 2015 bis 2017 auf fast ein Viertel. Jedoch lag ihr Anteil im vergangenen Jahr bei fast einem Drittel.

2015 hatte jeder dritte Shop noch gar kein PIM-System, oder es war direkt im Shop integriert. Der Anteil Unternehmen, die kein oder ein integriertes PIM-System nutzen, sank gemäss Studie bis 2017 auf unter 10 Prozent.

Das sei ein Indiz für die steigende Qualität der Onlineshops, schreibt Carpathia. Die zentralisierte Produktdatenpflege optimiere Workflows und Datenqualität.

Für die Studie erhebt Carpathia auch den Anteil des mobilen Traffics in den einzelnen Webshops. Nicht überraschend stieg dieser in den letzten Jahren stark an. 2017 gaben bereits über zwei Drittel der Befragten an, dass mehr als 40 Prozent des Traffics auf mobile Geräte zurückzuführen sei.

Jeder zweite Befragte sagte, dass der Mobile-Verkehr bereits die Hälfte seines Traffics ausmache. Vor zwei Jahren lag der Anteil "über 40 Prozent" noch bei rund einem Drittel.

Methodik

Im Rahmen der jährlichen Swiss E-Commerce Awards führt Carapthia jeweils auch eine Umfrage durch unter den teilnehmenden Webshops. Die Ergebnisse werden konsolidiert und anonymisiert.

Jedes Jahr machen gemäss Carpathia jeweils zwischen einem Drittel und der Hälfte der Award-Teilnehmer mit. 2015 nahmen 60 Onlineshops an der Umfrage teil, 2016 waren es 67 und 2017 noch 50.

Carpathia stellte die anonymisierten Umfrageergebnisse der Redaktion zur Verfügung.

Webcode
DPF8_49240

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