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Economiesuisse und WIRE skizzieren einen Weg in die digitale Zukunft

Uhr | Aktualisiert

Economiesuisse und der Think Tank WIRE haben eine Studie zur digitalen Zukunft der Schweiz präsentiert. Sie soll eine Art Fahrplan für die erfolgreiche Bewältigung der Digitalisierung bieten. Bei der Regulierung des Wandels soll sich der Staat zurückhalten.

Stephan Sigrist von WIRE fasste die Kernaussagen der Studie zusammen. (Source: Netzmedien)
Stephan Sigrist von WIRE fasste die Kernaussagen der Studie zusammen. (Source: Netzmedien)

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse und der Think Tank für Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft (WIRE) haben in Zürich die Studie "Zukunft digitale Schweiz" vorgestellt. Sie soll eine nüchterne Diskussion über die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung ermöglichen, sagte Michael Wiesner, Kommunikationschef bei Economiesuisse, zur Begrüssung. Im Zentrum würden konkrete Fragen stehen. Etwa: Was heisst Digitalisierung? Oder: Was soll die Politik machen?

Die Schweiz soll "Digitalisierungsgewinnerin" werden

Heinz Karrer, der Präsident von Economiesuisse, zeigte nach dem Auftakt, wie die Schweiz nach Ansicht seines Verbands auf die digitale Transformation reagieren soll. Euphorische Hoffnungen auf eine "schöne neue Welt" und Ängste vor Arbeitslosigkeit und Freiheitsverlust seinen keine guten Ratgeber. Vielmehr fordert Economiesuisse eine Bestandsaufnahme der Chancen der Schweiz in einer digitalisierten Welt. Die Frage müsse lauten: "Stimmen die Rahmenbedingungen für die Schweizer Wirtschaft?"

Die Digitalisierung sei für die Schweizer Wirtschaft "die wichtigste Transformation seit der Entstehung der globalen Märkte", sagte Karrer. Dies erfordere eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema, Offenheit sowie Technologiekompetenz. In der aktuellen Diskussion um Netzsperren, Robotersteuern, Uber oder Airbnb käme dies jedoch oftmals zu kurz.

"Letztlich geht es um die Frage: Welche Zukunft wünschen wir uns?", sagte Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer. (Source: Netzmedien)

Hier setze die zusammen mit WIRE erarbeitete Studie an. Ihr Ziel habe darin bestanden, Strategien, Potenziale, Spannungsfelder und wirtschaftspolitische Leitplanken für eine digitale Schweiz zu entwerfen. Die Studie zeige, dass die Schweiz alle Voraussetzungen mitbringe, um zur "Digitalisierungsgewinnerin" zu werden. "Wir müssen die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung gemeinsam als Gesellschaft angehen", schloss der Economiesuisse-Präsident sein Referat.

Szenarien für eine digitalisierte Schweiz

Die Spannungsfelder und Szenarien dieser digitalen Zukunft erklärte im Anschluss Stephan Sigrist, der Leiter des Think Tanks WIRE. Ihm zufolge stand die technologische Entwicklung zu lange im Mittelpunkt der Debatte um die Digitalisierung. Besser sei es, die langfristigen Chancen der Technik für den Menschen in den Blick zu nehmen. Ausserdem plädierte Sigrist für eine Gesamtperspektive auf die Versprechungen der digitalen Transformation, statt sich in Detailfragen zu verlieren.

Sigrist identifizierte vier Felder, auf denen der technologische Wandel eine ambivalente Wirkung ausübt. Die Digitalisierung führe zu mehr Gestaltungsraum, erzeuge aber auch mehr Komplexität. Sie ermögliche neue Gemeinschaften, entferne die Menschen aber ebenso voneinander. Die Automatisierung verspreche mehr Effizienz, führe aber auch zu einer Angleichung. Schliesslich seien in der digitalen Welt mehr Sicherheit und Transparenz möglich, es drohe aber auch Kontrollverlust in Bezug auf die persönlichen Daten.

Für die Schweiz gelte es nun, zu diesen Ambivalenzen eine Position zu beziehen. Es geht laut Sigrist nicht nur darum, was technisch machbar sei, sondern auch, was wir für gesellschaftlich wünschbar erachten.

Wie eine so gedachte digitale Zukunft aussehen könnte, skizzierte der Chef von WIRE anhand einer Reihe von Szenarien. Vom Bergbauern, dem ein vielbeiniger Roboter beim Heuen hilft, über den virtuellen Hausarzt bis hin zum smarten Einkauf beim Grossverteiler, versuchte der Think Tank hier das Selbstbild der Schweiz mit der Digitalisierung in Einklang zu bringen. Die Resultate muten - wohl bewusst - zum Teil etwas eigenartig an.

So stellen sich Economiesuisse und WIRE die Logistik nach der digitalen Transformation vor. (Source: Economiesuisse/WIRE)

Der Staat soll sich bei der Digitalpolitik zurückhalten

Das letzte Wort hatte schliesslich Rudolf Minsch, der Chefökonom von Economiesuisse. Er widmete sich der eingangs gestellten Frage nach den Aufgaben des Staates in der Digitalisierung. Die Versuchung sei gross, nun bestehende Strukturen und Branchen zu schützen und einen Katalog von Regeln und Verboten aufzustellen. Minsch liess keinen Zweifel daran, dass staatliche Regulierungswut seiner Meinung nach der falsche Ansatz sei. Politische Regulierungen würden der technologischen Entwicklung gezwungenermassen hinterherhinken. Sie seien ausserdem zu stark auf Einzelprobleme fixiert und richteten schlimmstenfalls sogar Schaden an.

Mit Verweis auf eine ökonomische "DNA" der Schweiz, mit der das Land in der Vergangenheit Umbrüche gemeistert habe, plädierte Minsch für Zuversicht. Es sei eine Stärke der Schweiz, auf technologische und soziale Veränderungen zu reagieren. Arbeitsplätze, die in der einen Branche verloren gingen, würden in anderen Bereichen neu geschaffen.

Minsch forderte, dass die schweizerischen Erfolgsrezepte Offenheit und Flexibilität erhalten bleiben müssten. Damit meinte er vor allem Deregulierung und weniger staatliche Intervention. Die Privatwirtschaft könne viele Spannungsfelder selbst regeln; etwa im Konsumentenschutz, beim Aufbau der digitalen Infrastruktur oder bei der Schaffung einer elektronischen Identität. "Gleich kurze statt gleich lange Spiesse müsste das Motto heissen", sagte Minsch.

Tradition und Technik sollen in ungewohnter Weise zusammenfinden. (Source: Economiesuisse/WIRE)

Von der Politik erwartete Minsch eine Digitalpolitik, die Unternehmen nicht einengt oder bevormundet. Innovation und Bildung müssten gefördert und die Forschung von privaten und staalichen Institutionen vernetzt werden. Schliesslich seien angesichts der sogenannten "Gig-Ökonomie" auch Anpassung am Sozialsystem unumgänglich.

Wie diese Regulierung der digitalen Schweiz im Einzelfall aussehen könnte, darüber konnten Economiesuisse und WIRE allerdings noch keine Auskünfte geben. Hier sollen weitere Studien Lösungen entwerfen, wie Heinz Karrer abschliessend sagte.

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