IT und Industrie verbinden

Was Industrie 4.0 Schweizer Unternehmen bietet

Uhr | Aktualisiert

Der Begriff Industrie 4.0, der erstmals 2011 an der Hannover-Messe vorgetragen wurde, beschreibt die Vernetzung von Maschinen, Geräten, Sensoren und Menschen über das Internet. Dadurch sollen etwa Abläufe optimiert, Probleme schneller erkannt, anstehende Entscheidungen in Echtzeit gefällt und Prozesse autonom gesteuert und überwacht werden.

(Source: Philipp Ziegler)
(Source: Philipp Ziegler)

Industrie 4.0 aber nur auf den Begriff einer Smart Factory zu beschränken, wäre zu kurz gegriffen. Dazu zählen auch die durchgängige Digitalisierung und Automatisierung der Geschäftsprozesse, angefangen bei der Analyse des Kundenverhaltens und der Nachfrage-Entwicklung, der Erfassung von Bestellungen und Aufträgen bis zur individualisierten Fertigung, Lieferung und Verrechnung.

Bemerkenswert an der Industrie 4.0 ist die Tatsache, dass dies eigentlich nicht ein Begriff aus einer nachgeschichtlichen Analyse ist, sondern im Vergleich zu den drei industriellen (R)Evolutionsstufen davor eher einer Vorhersage und Marschroute für den nächsten logischen Schritt gleichkommt. Die Zielsetzungen der Industrie 4.0 gehen um ein Vielfaches weiter als die Absichten der ersten Phasen der industriellen Entwicklung. Sie ist mehr als nur ein weiterer, kleiner Automatisierungsschritt: Durch die Verzahnung von Produktion und ICT, die umfassende Vernetzung und einen lückenlosen Austausch aller Informationen sollen Maschinen miteinander kommunizieren und sich selbst regulierende Abläufe, Prozesse und Fertigungen geschaffen werden. Ein aus Sicht der Evolution logischer und grosser Schritt nach vorn.

Das Differenzierungspotenzial durch die Version 4.0 der industriellen Fertigung ist immens. Durch die Möglichkeit, dem Kunden individualisierte Produkte anzubieten, umfassend auf seine Wünsche einzugehen, auch während der Produktion noch verändernd einzugreifen und in kürzester Zeit zu fertigen und zu liefern, werden Quantensprünge geschaffen, die so noch vor kurzer Zeit nicht denkbar gewesen wären. Die individuelle Fertigung auch kleinerer Serien und die Verkürzung der Reaktionszeiten auf Veränderungen am Markt sind zwingende Parameter zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit. Dies schafft neue Gesetzmässigkeiten im Markt und eröffnet neue Marktchancen. Das Credo heisst nicht mehr, «viel und billig», sondern «schnell und individuell».

Zeitraum der Auswirkungen von Industrie 4.0

Unsere neue Studie zur Industrie 4.0 hat aufgezeigt, dass hierzulande aktuell erst jedes fünfte Unternehmen damit rechnet, dass dieses Thema bereits in den kommenden ein bis zwei Jahren in vollem Umfang Realität wird. Mehr als die Hälfte der Befragten sehen die Entwicklung noch eher gelassen, sie rechnen mit den Auswirkungen der digitalen Welt auf ihr Unternehmen erst in drei bis acht Jahren. Das könnte für Späteinsteiger fatale Folgen haben.

In der Schweiz haben wir gute Voraussetzungen, im globalen Wettbewerb zu bestehen, und auch weiter erfolgreich zu bleiben. Das Fenster zur Umsetzung neuer Visionen wird allerdings nicht lange offen bleiben, und niemand wartet auf uns. Das Wettbewerbsumfeld wird härter und das Rennen um die Spitzenplätze der industriellen Digitalisierung und Vorherrschaft ist eröffnet. Die Konkurrenz steht nicht nur im europäischen Umfeld in den Startlöchern, Anbieter aus dem asiatischen Raum investieren viel Geld, um sich entsprechend zu positionieren.

Industrie 4.0 bietet immense Möglichkeiten, neue Märkte und Kundensegmente anzugehen und sich weiter erfolgreich zu differenzieren. Es gilt, jetzt zu handeln und die Expertise in der Produktion und der ICT mit den Ansätzen der Industrie 4.0 zu verbinden und Neues zu schaffen.

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