Smart Meter gehackt

Stromdiebstahl auf Malta

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von David Klier

Auf der Mittelmeerinsel Malta haben Kriminelle etliche Smart Meters manipuliert und so allein im Jahr 2012 Strom im Wert von 30 Millionen Euro gestohlen. In den grossangelegten Coup ist offenbar eine Gruppe korrupter Mitarbeiter des Energieversorgers Enemalta involviert.

Mehreren Berichten des Malta Independent zufolge erlebt die Mittelmeerinsel Malta zurzeit eine neue Form des Stromdiebstahls. Zapfte man früher noch Stromleitungen direkt an, nutzen die Energiediebe heute modernste Technologien. Demnach hat eine Gruppe von Technikern des staatlichen Energieversorgers Enemalta etwa 1'000 Smart Meters so manipuliert, dass diese bei grossen Stromabnehmern bis zu 75 Prozent weniger Verbrauch erfassten.

Allein im Jahr 2012 soll der Betrug 10 Prozent des gesamten maltesischen Stromverbrauchs ausgemacht haben, was einem Schaden von etwa 30 Millionen Euro entspreche. Bislang verhafteten die zuständigen Behörden neun Mitarbeiter von Enemalta. Einer wurde bereits zu einer Haftstrafe von 2 Jahren verurteilt.

Möglich wurde der Betrug unter anderem durch Maltas ambitionierten Schritt zum Austausch aller Ferraris-Stromzähler auf der Insel. Vor fünf Jahren investierte Malta 70 Millionen Euro, um die Insel flächendeckend mit 250'000 Smart Meters auszustatten. Die dadurch erhofften Einsparungen bescherten Enemalta nun hingegen einen Schaden in Höhe eines mittleren zweistelligen Millionenbetrags, der sich in seiner abschliessenden Gänze noch nicht genau beziffern lässt.

Verbrauch über unwissende Kunden ausgeglichen

Die Manipulation der Smart Meters blieb erstaunlich lange unerkannt. Wie der Malta Independent weiter berichtet, liegt deshalb die Vermutung nahe, dass die Betrüger den Verbrauch unwissender Enemalta-Kunden über weitere manipulierte Smart Meters nach oben trieben, um so den Gesamtverbrauch stabil zu halten.

Im Zusammenhang des Betrugsfalls beschuldigen sich die amtierende Labour-Partei und die oppositionelle nationalistische Partei gegenseitig der Korruption und Vetternwirtschaft. Demnach amnestierte die regierende Labour-Partei brevi manu etwa 1'000 Individuen, die manipulierte Smart Meters für Preise ab 1'200 Euro aufwärts von den korrupten Enemalta-Mitarbeitern gekauft haben sollen. Nach Ansicht der Labour-Partei enstand der Skandal jedoch überhaupt erst während der Regierungszeit der nationalistischen Partei und sei nun von der Labour-Partei beendet worden.

In der Schweiz kamen Smart Meters bislang nur testweise zum Einsatz. Für den Aufbau eines zukünfitgen Smart Grids wollen aber etwa die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) sukzessive Smart Meters flächendeckend einsetzen. Bis das gesamte EKZ-Versorgungsgebiet mit Smart Meters ausgerüstet ist, werden allerdings noch etwa 15 bis 20 Jahre vergehen, wie es auf der EKZ-Webseite heisst. Das Smart-Meter-Projekt der zentralschweizerischen Kraftwerke im Kanton Luzern aus dem Jahr 2010 entpuppte sich als wenig erfolgreich. Die Nachfrage war gering und die Ersparnisse beliefen sich auf wenige Prozentpunkte pro Jahr.