Women in Tech - Podium mit Barbara Marti, Postfinance

"Nie vergessen, Frau zu sein und Frau zu bleiben."

Uhr | Aktualisiert

Frauen stellen auch in der Schweizer IT-Branche immer noch die Minderheit dar. Das vorherrschende "Nerd-Image" scheint viele Frauen davon abzuschrecken, sich für einen Informatikberuf zu entscheiden. Barbara MartiLeiterin ­Application Management bei Postfinance sprach über diese Problematik in Schweizer IT-Unternehmen.

Barbara Marti, Leiterin Application Management bei Postfinance. (Source: Mediamatik PF74)
Barbara Marti, Leiterin Application Management bei Postfinance. (Source: Mediamatik PF74)

Wie haben Sie Ihren beruflichen Werdegang in der IT-Branche als Frau erlebt?

Barbara Marti: Sehr gut. Ich empfand es nie als Nachteil, in einer Männerdomäne eine Frau zu sein. Wenn schon eher umgekehrt – man fällt auf als Ausnahme, und dies ist eine Chance, die man ergreifen kann. Ich wurde nie ausgebremst.

Was machen Sie, um mehr Diversität/Frauen in Ihrer Organisation zu fördern?

Die Frage ist für mich eher, was ein sinnvolles Ziel ist. Diversität fördert die Teamarbeit, davon bin ich überzeugt. Diversität ist aber keinesfalls nur eine Genderfrage. Dies hat Postfinance schon sehr lange erkannt und achtet gezielt auf die verschiedenen Aspekte wie Alter und Herkunft. Ich bin überzeugt von diesem Ansatz und stehe als Führungskraft in der IT dafür ein. Eine Frauenquote als Zielsetzung lehne ich absolut ab – es ist weder sinnvoll noch unterstützt es das Ziel. Die betroffenen Frauen werden eher benachteiligt, weil man ihnen nicht attestiert, dass sie aufgrund ihrer Fähigkeiten gefördert werden. Natürlich ermutige ich zögerliche Frauen, Karriereschritte zu tun, aber mir ist die Gleichbehandlung sehr wichtig – das wird von allen Beteiligten geschätzt.

Warum sind die bisherigen Initiativen zur Förderung der Frauen in der IT-Branche wenig erfolgreich?

Sie greifen im Leben eines jungen Menschen zu spät. Häufig werden Aktionen erst am Schluss der Schulzeit oder bei der Studienwahl gestartet. Ich habe vor Jahren regelmässig für die Universität Bern ein Referat vor Maturanden gehalten, die vor ihrer Studienwahl standen. Das Ziel war, gegen das Klischee anzukämpfen, indem ich den Mädchen zeigte, was alles in diesem Beruf steckt. Ich stand aber immer vor 95 Prozent jungen Männern. Das war logisch, denn die Sensibilisierung muss früher ein­setzen.

Welchen Rat geben Sie Frauen, die in der IT Karriere machen wollen?

Einfach tun, wofür man Herzblut gibt, sich etwas trauen und auch dafür kämpfen, ohne das Genderthema als Hürde zu thematisieren – ein Pro­blem kann auch entstehen, indem man es benennt. Und nie vergessen, Frau zu sein und Frau zu bleiben – sei es im Auftritt, bei der Kleidung oder im Verhalten. Frauen sind nicht die besseren Männer, sie sind Frauen, und das ist gut so, denn Diversität lebt, wie es das Wort schon sagt, von der Verschiedenheit.

Die Arbeitswelt ändert sich, auch in der IT. Werden sich dadurch die Chancen für Frauen verändern?

Durch die flexibleren Arbeitszeitmodelle hat sich in der Arbeitswelt bereits viel getan, was vor allem für Frauen, die auch Mütter sind, vorteilhaft ist. Zudem verbreiten sich immer mehr Organisationsmodelle und ein agiles Mindset, das das klassische, hierarchische Modell hinterfragt. Auch dies bietet Chancen für Frauen und Männer, neue Karrierewege einzuschlagen.

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