Digitalisierung ist Chefsache

«Wir verschmelzen Tradition mit Innovation und gestalten das Private Banking der Zukunft»

Uhr | Aktualisiert
von Marc Landis und Fabian Vogt

Die Falcon Private Bank wagt unter CEO Martin Keller den Neustart. Mit einer ambitionierten Wachstumsstrategie, einer neuen Crew und einem Ausbau des Advisory- und Blockchain-Angebots will Keller den Turnaround schaffen.

Martin Keller, CEO, Falcon Private Bank
Martin Keller, CEO, Falcon Private Bank

Was haben Sie für ein Jahr als CEO hinter sich?

Martin Keller: Ein spannendes Jahr, aber auch ein aufwühlendes. Seit dem Wechsel von Walter Berchtold zu mir im Herbst 2017 ist einiges passiert. Wir haben viel Zeit in die Ausarbeitung einer neuen Strategie investiert. Dafür haben wir sämtliche Stakeholder involviert und uns gefragt, wo wir eigentlich hinwollen. Die Geschäftsleitung hat gemeinsam mit dem Shareholder und dem Verwaltungsrat einen detaillierten Plan für die nächsten Jahre ausgearbeitet.

Das klingt nach einem aufwändigen Prozess.

Ja, aber das war nötig. Es war auch eine Art Bereinigungsprozess, den es brauchte, um die Themen der Vergangenheit zu verarbeiten. Besonders beim Aktionär musste Klarheit geschaffen werden, damit sich gewisse Dinge nicht mehr wiederholen. Vor rund zwei Monaten ist uns eine Punktlandung gelungen und nun setzen wir den klar definierten Plan um.

Was hat sich im operativen Bereich getan?

Wir haben uns auf der digitalen Asset-Management-Seite weiterentwickelt. Im Krypto-Bereich sind wir führend und differenzieren uns klar von der Konkurrenz. Im technologischen und operativen Bereich haben wir sehr viel erreicht und können nächstes Jahr anfangen, Lösungen zu implementieren, die auf dem Kerngeschäft aufbauen und unseren Kunden direkten Zusatznutzen bringen.

Sind Sie auf Kurs oder so weit, wie Sie sein wollten?

Wir sind auf Kurs. Die Strategiefindung hätte für mich etwas schneller gehen können, was hauptsächlich an meiner intrinsischen Unruhe liegt. Aber das war nicht realistisch, wenn man sieht, welche Dimension die Entscheide hatten, die wir fällen mussten. Unter anderem haben wir den Sommer genutzt, um mit Unterstützung einer Beratungsfirma an jeder Stellschraube zu drehen, sämtliche Kosten, Ertragstreiber und alle strategischen Optionen auszuloten. Wir wollten herausfinden, welche Chancen wir mit der Bank haben und eine passende Strategie definieren ; das braucht einfach Zeit.

Wie sieht die Neupositionierung der Bank nun aus ?

Falcon bleibt auch in Zukunft eine agile und unternehmerische Private-Banking-Boutique. Wir verschmelzen Tradition mit Innovation und gestalten das Private Banking der Zukunft. Es gilt, Trends frühzeitig zu erkennen und unsere marktführende Kompetenz bei der Verwaltung digitaler Vermögenswerte weiter auszubauen.

Und wie kommen Sie dorthin ?

Unser Plan basiert auf drei Säulen. Erstens schauen wir die gesamte operative Plattform an : Wo haben wir Optimierungspotenzial, welche Kosten können und müssen reduziert werden ? Zweitens fokussieren wir auf Kernmärkte und der dritte und wichtigste Punkt ist eine Reihe von Wachstumsinitiativen, die wir aktuell implementieren.

Werden diese Initiativen hauptsächlich interne oder externe Bereiche betreffen?

Die Wachstumsstrategie geschieht in erster Linie an der Kundenfront. Wir sind daran, zusätzliche Relationship Manager zu rekrutieren, um an der Front auszubauen. Parallel dazu soll die Beratung zunehmend digital unterstützt werden. Ausserdem fahren wir einen Multi-Custody-Ansatz und erweitern unser Krypto-Angebot. Ein weiterer Bereich ist der Aktionär, der unheimlich viele Ressourcen hat, die wir nutzen wollen. Sei das zum Beispiel in Form von Co-Investments mit unseren Kunden und unserem Eigentümer Mubadala. Oder indem wir Synergien im Direktkundengeschäft nutzen oder mit anderen Banken, bei denen wir als eine Art « Wealth Management Boutique of Choice » auftreten können.

Wie sieht die Roadmap für die nächsten zwölf Monate aus ?

Dieses Jahr war und auch 2019 wird ein Transformationsjahr. Da werden wir operative Themen auf Kosten-, Ertrags- und Investitionsseite angehen, was wir teilweise dieses Jahr bereits begonnen haben. Zudem haben wir seit September einen neuen CFO, einen neuen COO und einen neuen Head of HR.

Wie sehen Ihre Pläne in der Beratung aus?

Hier kommt der erwähnte Multi-Custody-Ansatz zum Tragen. Unabhängig davon, bei welcher Bank der Kunde sein Geld gebucht hat, wollen wir ihm unsere umfassende Beratung, mit einer konsolidierten Vermögensabbildung, anbieten.

Wir haben uns digitale Kompetenz erarbeitet, während viele Banken gegenüber dem Thema ‹Digital Assets› Ablehnung zeigten.

Sie verfolgen demnach einen klaren Plattformgedanken.

Genau. Wir wollen eine Bank bleiben, gleichzeitig aber auch als unabhängiger Asset Manager agieren und die besten Komponenten in einer Banking-Plattform zusammenbringen. Das Beste aus zwei Welten sozusagen.

Eine Welt, in die auch die Investition in Krypto-Währungen hineingehört, wie Sie vorhin sagten. Wie lief das an ?

Wir sind gut gestartet. Falcon war die erste Privatbank, die das Thema anging und ihren Kunden entsprechende Dienstleistungen anbot. Wir glauben an die Technologie und diese – nennen wir sie mal Technologie-Anlageklasse. Wir bearbeiten das Thema auch, weil wir innovativer sein wollen, sein müssen, als unsere grösseren Konkurrenten. Die Resonanz ist bisher sehr positiv.

Welche Anlagemöglichkeiten schaffen Sie konkret im Bereich Krypto-Währungen? Stellen Sie Portfolios für die Kunden zusammen ?

Wir bieten den Kunden einen einfachen Zugang zur Aufbewahrung und zum Handel von Krypto-Währungen. Je nach Risikoprofil können die Kunden ihr Portfolio mit einem kleinen Anteil dieser Anlageklasse diversifizieren. Investitions- oder Fondsprodukte gibt es bei uns keine, aber wir bauen unser Krypto-Angebot weiter aus.

Sie arbeiten dafür unter anderem mit Bitcoin Suisse zusammen, können Sie mehr darüber erzählen?

Das ist vor allem eine funktional getriebene Zusammenarbeit. Bitcoin Suisse macht die Umwandlung von Krypto-Währungen in Fiat-Geld und umgekehrt. Wir kümmern uns um das gesamte Reporting und die Aufbewahrung. Als erste und bisher einzige Bank haben wir einen Prozess implementiert – der übrigens vom Wirtschaftsprüfer abgesegnet ist –, um die im Krypto-Bereich gemachten Vermögen unter gewissen Bedingungen annehmen zu können.

Sind Initial Coin Offerings für Falcon ein Thema?

Ja, das ist ein wichtiger Teil der Strategie im Krypto-Bereich. Aber da müssen wir mit Partnern extrem selektiv abklären, welche ICOs unterstützt werden sollen.

ICO und Krypto sind Hochrisikogeschäfte. Haben Sie keine Angst, sich die Finger zu verbrennen ?

Mit unserer Vergangenheit können wir uns das nicht erlauben. Wir haben uns eine Kompetenz erarbeitet, während viele Banken gegenüber dem Thema Digital Assets Ablehnung zeigten. Solche Geschäfte machen bisher auch kaum andere Banken ( nur die Hypothekarbank Lenzburg und die Bank Frick bieten auch Krypto-Geschäfte an, Anm. d. Red. ).

Wie können Sie diese Angaben bekommen?

Interessant ist ja, dass gerade die Blockchain dafür gemacht ist, die gesamte KYC-Kette ( know your customer, eine Legitimitätsprüfung, Anm. d. Red. ), zu durchleuchten. Wir arbeiten dafür mit unseren eigenen Ressourcen sowie spezialisierten Partnern, die international tätig sind. Zudem stimmen wir uns laufend mit unserem Revisor und der Finma ab. Wir fühlen uns kompetent genug und dringen nur in Gebiete vor, die wir verstehen. Zudem haben wir kein Marktrisiko an Krypto-Währungen. Wir betreiben weder Eigenhandel noch haben wir eine Verantwortung im Beratungsbereich.

Trotzdem haben Sie Risiken erwähnt. Welche bleiben?

Möglicherweise Reputationsrisiken, wenn entweder wir oder der Kunde gehackt würden.

Wie garantieren Sie, dass das nicht passiert?

Falcon betreibt seit Sommer 2017 eine eigene Custody-Lösung für Krypto-Währungen. Diese wurde vom Auditor geprüft und nutzt eine mehrfach geschützte « Cold-Storage-Lösung », die nicht mit dem Internet verbunden und somit gegen Hacker-Angriffe geschützt ist. Die Prozesse beinhalten mehrfache unabhängige Kontrollen, die das Risiko einer unerlaubten Transaktion reduzieren. Gewisse Schritte können nur von mehreren Personen gemeinsam durchgeführt werden - Stichwort: Multi-Signature.

Weshalb arbeiten Sie bei der Falcon Bank ? Sie hatten sich ja aus Ihrer operativen Tätigkeit zurückgezogen und waren hauptsächlich noch in Verwaltungsräten tätig.

Mich hat die Herausforderung interessiert, unternehmerisch und intellektuell etwas zu übernehmen, das eine schwierige Vergangenheit hat. Und Falcon nachhaltig erfolgreich zu machen. Das haben alle Mitarbeitenden und die Kunden verdient, die uns auch in schwierigen Zeiten die Treue hielten. Dabei trifft man natürlich auf Schwierigkeiten in der Umsetzung, was unter anderem kulturbedingt ist. Das ist nicht immer nur eine ‹lässige› Aufgabe.

Apropos Aufgaben : Was steht als Nächstes an ?

Die Kostenoptimierungen umsetzen, das Geschäftsmodell optimieren und vor allem im Wachstumsbereich all die Dutzenden Initiativen zum Laufen zu bringen. Wie gesagt, 2019 soll ein Umbaujahr werden, ab 2020 / 2021 wollen wir die Früchte unseres Erfolgs ernten.

Wie sieht Ihr eigener Zeithorizont bei der Falcon Private Bank aus?

Mein Engagement dauert mindestens fünf Jahre, darüber hinaus kann ich noch nichts sagen. Das Letzte, was diese Bank nach all den Phasen der Unsicherheit brauchen kann, ist weitere Instabilität. Meine Ambitionen sind klipp und klar, dass ich der Bank zurück zum Erfolg verhelfen will und mich dann in vielen Jahren auf meine VR-Mandate zurückziehen kann.

Dieser CEO-Posten wäre dann der Höhepunkt Ihrer Karriere gewesen.

Ich hoffe, dass das so kommen wird.

Digitale Fitness

Auf einer Skala von 1 bis 10, als wie « digital fit » bezeichnen Sie...

5 | sich selbst?
8 | die Schweiz?
4 | die Finanzbranche?
8 | Falcon Private Bank?

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Über Falcon Private Bank

Falcon Private Bank verfügt über mehr als 50 Jahre Erfahrung im Private Banking und bietet eine umfassende Vermögensverwaltung mit Krypto-Fokus an. Falcon hat den Hauptsitz in Zürich sowie Niederlassungen in Dubai, London und Luxemburg. (Quelle: Falcon Private Bank)

Webcode
ZB201804

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