IoT – From Hype to Reality

Das IoT bringt viele Chancen – und massenhaft Risiken

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Asut hat erstmals eine ganztägige Konferenz organisiert, bei der sich alles um das Internet der Dinge (IoT) drehte. Sie zeigte, dass das IoT enorm viel Potenzial hat, aber auch riesige Herausforderungen mit sich bringt. Debattiert wurde auch über 5G – und nicht alle Teilnehmer waren sich einig.

Der Verband Asut hat nach Bern in den Kursaal geladen. Zur seiner ersten ganztägigen Veranstaltung, die sich ausschliesslich um das Internet der Dinge (IoT) drehte. Motto: "IoT – From Hype to Reality".

Zur Begrüssung sprach Peter Grütter. "Bereits in zwei Jahren werden in der Schweiz 50 bis 200 Millionen vernetzte Dinge in Betrieb sein", sagte der Präsident von Asut. "Nutzt Du das IoT auch privat?", fragte Béatrice Merlach, Gründerin des Beraters Kasei, die gekonnt durch den Tag moderierte. "Ich nutze das IoT privat so wie die meisten – unbewusst", antwortete Grütter. Wenn er das nächste Mal sein Haus renoviere, wolle er dieses aber mit dem IoT smart machen.

Das IoT bringt viele neue Chancen …

Auch Uwe Kissmann, Managing Director Cyber Strategy & Cyber Risk Services bei Accenture, hielt ein Referat. Er zeigte sich überzeugt davon, dass das IoT die Errungenschaften moderner IT noch tiefer in unserem Alltag verankern wird. Damit das IoT aber weiter wachsen könne, brauche es mehr als bloss Technologien, sagte Philipp Metzger, Direktor des Bundesamts für Kommunikation. Der Bund habe die Aufgabe, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Er habe mit der Vergabe von 5G-Frequenzen eine wichtige Grundlage für das IoT der Zukunft geschaffen. 5G kombiniert mit dem IoT werde die Schweiz noch smarter machen – etwa in der Mobilität, Energieversorgung, Landwirtschaft und Verwaltung.

Die Konferenz von Asut zeigte, dass Unternehmen das Internet der Dinge bereits produktiv einsetzen. Thomas Koch, Head of IoT der Post, erklärte, wie das IoT hilft, eine Paketsortieranalage effizienter zu betreiben. Und Martin Bürki, Country Manager Switzerland & FL von Ericsson, zeigte Anwendungen in der Produktion von Düsentriebwerken auf.

Philip Spaeti, CTO von IBM Schweiz, wies darauf hin, dass eine solche Nutzung des Internets nur möglich sei, weil es in den letzten Jahren grosse Fortschritte in Datenanalyse, künstlicher Intelligenz und Machine Learning gegeben habe.

… und massenhaft Risiken

Also alles bestens im IoT-Universum? Nein, ganz und gar nicht. Denn das IoT kommt mit massenhaft Herausforderungen, wie der Event in Bern zeigte. Die IT-Sicherheit wird im Internet der Dinge oft vernachlässigt, der Umgang mit den gesammelten Daten ist heikel und alles zu vernetzen bringt grosse Gefahren mit sich. Die Ansprüche an Netzwerke und Infrastrukturen sind zudem enorm hoch.

Für Julian Dömer sind die grössten Hindernisse für das IoT nicht in der Technologie, sondern in der Unternehmenskultur zu finden. "Komplexe IoT-Projekte erfordern Partnerschaften und gut funktionierende Ökosysteme", sagte der Head of Internet of Things bei Swisscom. Thomas Seiler, CEO von U-Blox, wies am Beispiel des automatisierten Fahrens darauf hin, dass das IoT nur dann einen Mehrwert für Gesellschaft und Wirtschaft bringe, wenn es verlässlich und sicher sei.

Offene WLANs und gehackte Herzschrittmacher

Weitere Risiken des IoT zeigte Uwe Kissmann von Accenture auf. Der Sicherheitsexperte hackte mit seinem Team schon Spitäler, Flugzeuge und einen Formel-1-Rennstall – auf Auftrag der Kunden. "Wenn Sie in Zukunft mal von einem Jogger überholt werden, muss es nicht unbedingt sein, dass dieser topfit ist", sagte Kissmann. "Vielleicht wurde auch einfach nur sein Herzschrittmacher gehackt."

Ein Gesundheitsministerium eines europäischen Landes habe Accenture beauftragt, die Sicherheit von Spitälern zu prüfen. Was die Firma vorfand, schreckt auf: Falsch konfigurierte Hardware, ungeschützte WLAN-Zugänge und Switches und Netzwerk-Racks, die offen zugänglich waren.

"Aa123456 ist kein sicheres Passwort", sagte Kissmann. "Es ist in 5 Millisekunden geknackt!" Ein Tomograf habe sogar einen Zugriff auf Patientendaten ermöglicht und die Defibrillatoren im Spital habe man fernsteuern können. Seinem Team sei es zudem gelungen, das Bild einer Kamera, die Ärzte für Aufnahmen im Innern des menschlichen Körpers nutzen, um lebensentscheidende 2 Zentimeter zu verschieben.

Auf die Frage, ob der Nutzen des IoT höher sei als die Risiken, antwortete Kissmann dennoch wie aus der Pistole geschossen: "Ja, definitiv." Unternehmen müssten die Sicherheit im Internet der Dinge aber endlich ernst nehmen. Sie sollten ihre IoT-Geräte härten und stresstesten, dafür auch smarte Algorithmen einsetzen und sich Hilfe von Profis holen. Je früher man in einem IoT-Projekt an IT-Sicherheit denke, desto besser. Wichtig sei, nicht nur auf Technologien zu achten. Man müsse die ganze Wertschöpfungskette analysieren und dürfe auch den Mensch nicht vergessen.

Welche Rolle spielt 5G?

Auch 5G war ein Thema am Asut-Event. «5G ist ein Quantensprung, Sensoren können damit noch viel mehr Daten sammeln und versenden», sagte Philipp Spaeti von IBM Schweiz. Die Technologie birge ein riesiges Potenzial – vor allem, wenn man sie mit künstlicher Intelligenz und Analytics kombiniere.

Auch Thomas Seiler von U-Blox freut sich auf 5G. Die Technologie senke die Latenzzeiten und ermögliche viele neue Anwendungen, etwa in der Mobilität oder der vernetzten, smarten Stadt. Martin Bürki von Ericsson sehnt ebenfalls die Einführung von 5G herbei. "Mit 5G wäre das Bild besser gewesen", sagte er, nachdem er live zum Stand von Ericsson an der Hannover Messe geschaltet hatte.

Nur einer wollte nicht so richtig in den 5G-Hype einstimmen. Auf die Frage, was denn die Schweizerische Post für einen Nutzen in 5G sehe, antwortete Thomas Koch, Head of IT der Post, zuerst scherzhaft: "Ich habe gute Freunde bei Swisscom und wenn ich ehrlich bin, mögen sie mich wohl nicht mehr." Und dann sagte er trocken: "Es gibt bei uns bis jetzt keinen einzigen Anwendungsfall für 5G."

Asut veröffentlichte letzte Woche bereits einen Faktencheck zum Thema 5G. Mehr darüber können Sie hier lesen.

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