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Die Cloud-Dirigenten von heute

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von Stella Gatziu Grivas, Leiterin Kompetenzschwerpunkt Cloud Computing, Digitalisation & Transformation, Institut für Wirtschaftsinformatik, FHNW Hochschule für Wirtschaft

Hybrid und Multi-Cloud sind nach wie vor der grosse Trend. Doch was bewirken diese Modelle auf Management-Ebene und warum gelten sie als der neue Schlüssel zum Erfolg bei der Digitalisierung?

Stella Gatziu Grivas, Leiterin Kompetenzschwerpunkt Cloud Computing, Digitalisation & Transformation, Institut für Wirtschaftsinformatik, FHNW Hochschule für Wirtschaft. (Source: zVg)
Stella Gatziu Grivas, Leiterin Kompetenzschwerpunkt Cloud Computing, Digitalisation & Transformation, Institut für Wirtschaftsinformatik, FHNW Hochschule für Wirtschaft. (Source: zVg)

Alle sind sich einig: Die "richtige" Cloud-Lösung für die meisten Unternehmen ist weder public noch private, sondern beides, und zwar als Hybrid- und oft auch als Multi-Cloud. Eine Hybrid Cloud besteht aus Private-Cloud-Umgebungen und Public-Cloud-Umgebungen. Dies kann eine beliebige Kombination aus Software-as-a-Service (SaaS), Infrastructure-as-a-Service (IaaS), Platform-as-a-Service (PaaS) oder jeder anderen "As-a-Service-Umgebung" sein. Ausser der Hybrid Cloud gibt es noch die Multi-Cloud, wenn ein Unternehmen mehrere verschiedene Public-Cloud-Services, oft von verschiedenen Anbietern, nutzt. Worin liegt der Vorteil? Verschiedene Public-Cloud-Services von unterschiedlichen Anbietern können die Anforderungen der einzelnen Bereiche im Unternehmen besser erfüllen: Marketing und Vertrieb zum Beispiel haben andere Anforderungen als Softwareentwicklung oder Forschung und Entwicklung. Die unterschiedlichen Clouds können für diverse Aufgaben genutzt werden, um Best-of-Breed-Ergebnisse zu erzielen oder die Bindung an den Anbieter zu reduzieren.

Unabhängig davon, ob Unternehmen auf eine Hybrid- oder Multi-Cloud oder eine Kombination aus beiden Modellen setzen: Die Flexibilität und die Wahlmöglichkeiten führen auch zu einer erhöhten Komplexität, und der Ruf nach Cloud-Orchestrierung wird immer lauter. Mehrere Anwendungen, die auf verschiedenen Cloud-Umgebungen laufen, werden mit der Cloud-Orchestrierung miteinander verbunden, sodass sie als ein System arbeiten können. Cloud-Orchestrierung ist also der Prozess, um unterschiedliche Work­loads automatisiert über mehrere Cloud-Lösungen hinweg zu verwalten, mit dem Ziel, diese zu einem einzigen Workflow zusammenzufassen. So wie die Herausforderung eines Orchesters darin besteht, alle Instrumente dazu zu bringen, das gleiche Stück zu spielen. Der Dirigent des Cloud-Orchesters steuert die Aufführung und hält alles synchron.

Die IT als Cloud-Dirigent

Cloud-Orchestrierung ist jedoch nicht gleich Cloud-Automatisierung. Die Cloud-Automatisierung betrifft die Steuerung einer einzelnen Aufgabe, wie etwa das Starten eines Webservers über einen automatisierten Weg mit minimalem menschlichem Eingriff. Es ist ein eigenständiger Prozess und ein einzelner Workload. Die Cloud-Orchestrierung hingegen beinhaltet die Koordination mehrerer solcher Workloads. Dies kann eine Cloud-Automatisierung beinhalten.

Und was bewirkt ein Hybrid- und Multi-Cloud-Betriebsmodell auf Management-Ebene? Der Cloud-Dirigent auf diese Ebene ist die neue IT-Organisation. Diese hat das Cloud-Paradigma vollständig übernommen und kümmert sich um die Eingliederung neuer Workloads und Cloud-Anbieter, die Neugestaltung von Prozessen und die Weiterentwicklung des Betriebsmodells. Das wichtigste Ins­trument des Cloud-Dirigenten ist das Cloud-Dashboard. Damit können mehrere Cloud-Dienste überwacht und detaillierte Informationen bereitgestellt werden. Cloud-Dashboards mit dem notwendigen Abstraktionslevel müssen den gesamten Stack (also Hybrid und Multi-Cloud) abdecken und die Überwachung und die Bestellung der Services ermöglichen – auch im Sinne einer Cloud-Automatisierung. Der nächste logische Schritt, auch wenn das im Moment vielleicht noch Zukunftsmusik ist, sind Vergleichstools mit künstlicher Intelligenz. Als Teil des Dashboards ermöglichen sie den Unternehmen, ihre Cloud-Plattform zusammenzustellen und zu experimentieren, bevor sie sich für einen Anbieter-Mix entscheiden. Einfachere Dashboards sind heute leicht verfügbar. Laut Analysten wird das Angebot an solchen Dashboards in der nächsten Zeit gar noch weiter steigen.

Hybrid- und Multi-Cloud als Schlüssel zum Erfolg bei der ­Digitalisierung

Hybrid- und Multi-Cloud sind derzeit voll im Trend. Neue Studien belegen dies. Die neue Rightscale Survey zeigt, dass 84 Prozent der Unternehmen heute eine Multi-Cloud-Strategie haben. Die neue Fujitsu-Studie "State of Orchestration 2018/19" kommt zum Schluss, dass Unternehmen die Cloud-Orchestrierung zunehmend als Schlüssel zu einer erfolgreichen Digitalisierung sehen. In den letzten Jahren ist sehr viel darüber diskutiert worden, warum eine Digitalisierung ohne Cloud schwieriger ist. Heute weiss man: Für das Digital Business Development ist der schnelle Zugang zu Services, die skalierbar und ohne Vorabinvestitionen verfügbar sind, ein Muss. Dies manifestiert sich deutlich in Plattform-as-a-Service-Angeboten und den Cloud-Garagen, die Zugang zu sehr mächtigen Entwicklungsumgebungen ermöglichen. Diese werden rege genutzt, um neues Business zu entwickeln. Das Unternehmen erhält dadurch die Agilität, um auf die Marktverhältnisse reagieren zu können.

Aber warum sind Hybrid- und Multi-Clouds und die Cloud-Orchestrierung der Schlüssel zum Erfolg? Die Antwort ist folgende Gegenfrage: Wie wertvoll wäre ein Orchester, wenn der Dirigent sich auf bereits vorhandene Instrumente beschränken müsste und nicht die Möglichkeit hätte, neue Instrumente ergänzend zu den bestehenden einzubinden – je nach Aufführung? So geht es dem Cloud-Dirigenten, sprich der IT. Die IT muss dem Business einen Mehrwert liefern und die Digitalisierung unterstützen. Der Best-of-Breed-Approach bei Multi-Clouds erlaubt es der IT, Cloud-Services so einzubinden, wo die Chancen-Risiken-Analyse aufgeht. Die Voraussetzung ist jedoch die Erarbeitung der Sourcing- Strategie, die in der Hybrid-Multi-Cloud-Welt noch mehr an Bedeutung gewinnt.

StarAudit, ein Lösungskonzept von Eurocloud

Den idealen Cloud-Anbieter für die individuellen Bedürfnisse aus der Vielzahl an Wettbewerbern und Angeboten am Markt auszuwählen, ist eine Herausforderung. Cloud-Dienste werden oft in sehr komplexen Konstellationen unabhängig vom Standort von Benutzer oder Anbieter erbracht. Um hier etwa Datensouveränität garantieren zu können, kann es von Bedeutung sein, ob ein im Land des Nutzers angebotener Dienst bestimmte Einrichtungen oder Leistungen (z. B. Rechen- oder Speicherkapazität) in einem anderen Land bezieht, wodurch eventuell andere Datenschutz- oder Steuerregelungen greifen. Das Ziel von "StarAudit" ist, eine nachvollziehbare Qualitätsbeurteilung und ein Rating von Cloud-Services zu liefern. Die Vision von "StarAudit" ist:

  • Ein Bezugssystem mit Bewertungen und auch Zertifikaten als aussagekräftige Entscheidungshilfe für Kunden bereitzustellen, die vertrauenswürdige Cloud-Dienste verwenden wollen.

  • Den Bedarf an kostspieligen Einzelaudits reduzieren.

  • Ein wertvolles Instrument mit hoher Transparenz und maximalem Orientierungswert für Kunden und Anbieter zur Verfügung stellen.

  • Effiziente Prozesse für Wissenstransfer und Akkreditierung ermöglichen.

Eurocloud Swiss (ECS)
Die in den Swico integrierte IG Eurocloud Swiss bezweckt die Förderung von Cloud Computing in Theorie und Anwendung und den ­Einsatz von Technologien, Konzepten und Methoden und verwandten Themen in der Schweiz. Sie vertritt die ­Interessen der Cloud-Computing-Community in der Schweiz und fördert den Austausch mit anderen Personen sowie ­nationalen und internationalen Organisationen. Sie bietet den Mitgliedern eine umfassende Schweizer Plattform für den nationalen und internationalen Wissens- und Erfahrungsaustausch.

Webcode
DPF8_139354

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