Organische Netzwerke

Von der Natur kopieren lohnt sich

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von Klaus-Peter Kaul Regional Sales Director für Alpine (Schweiz und Österreich), Riverbed Technology

Heutige Netzwerke sind nicht nur global ausgelegt, sondern auch sehr komplex aufgebaut. Für die IT-Abteilung wird es bei einer grossen Bandbreite an Kommunikationstools, Software- und Hardwareplattformen immer schwieriger, die Übersicht zu behalten und Probleme effektiv und effizient zu beheben. Eine Symptombekämpfung ist in den wenigsten Fällen nachhaltig. Ein Blick in die Natur zeigt, dass es auch anders geht.

Für die IT kann es ausgesprochen herausfordernd sein, Netzwerkprobleme mit traditionellen Methoden zu beheben. Normalerweise ist es bei einem Ausfall Aufgabe der IT, die Ursache zu ermitteln und das Problem innerhalb der Netzwerk- und Anwendungsinfrastruktur effizient zu lösen. Zusätzlich sollte sie nach Möglichkeit verhindern, dass das Problem erneut auftritt. Das klappt jedoch höchst selten. Trotz aller Bemühungen kommt es unweigerlich zu weiteren Ausfällen, da die IT nur spezifische Probleme adressiert, nicht aber kompletten Ausfällen vorgebeugt. Die gute Nachricht: Dieser Zyklus lässt sich durchbrechen. Der Schlüssel dazu ist das Imitieren eines natürlich widerstandsfähigen Systems.

Vom menschlichen Körper kann man viel über Schutzmechanismen und Widerstandsfähigkeit lernen. Er verfügt über eine eingebaute Redundanz und ist anpassungsfähig, um die Überlebenschancen zu maximieren. Wenn der Körper in kaltes Wasser eintaucht, werden Körperfunktionen selektiv abgeschaltet, um Energie zu sparen – eine natürliche Reaktion mit niedriger Latenz, die die wichtigsten Dinge priorisiert. Ein zweites Beispiel: Eine einfache Injektion gibt unserem Immunsystem die Möglichkeit, zukünftige Infektionen abzuwehren.

SD-WAN mit neuen Technologien verknüpfen

Könnte nun die IT-Infrastruktur auf die gleiche Weise geimpft werden, wäre ein Ausfall zwar noch möglich, aber zukünftige Probleme hätten weitaus weniger Auswirkungen. Als mögliche Replik des menschlichen Körpers kann man beispielsweise softwaredefinierte Wide Area Networks (SD-WAN) sehen. Sie sind in der Lage, aufgrund der erhaltenen Informationen zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Dadurch spiegeln sie die Fähigkeit des menschlichen Körpers wider, Probleme oder fehlerhafte Funktionsweisen zu erkennen und zu korrigieren, bevor der ganze Körper befallen ist. Um sich jedoch als ein wirklich widerstandsfähiges, organisches Netzwerk zu etablieren, muss SD-WAN mit anderen Technologien wie Cloud, künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen verknüpft werden.

Durch eine Kombination von SD-WAN und Automatisierung können Betreiber etwa ein integriertes Überwachungssystem entwickeln, das es der IT ermöglicht, die Reaktion des Körpers auf eine Infektion und Immunisierung technologisch zu kopieren. Gegenwärtig wird Monitoring als Zusatzfunktion weitaus häufiger genutzt. Eine eingebaute, automatisierte digitale Leistungsüberwachung macht es hingegen jedem Computer, jeder mobilen Vorrichtung, Netzwerkanwendung und jedem Gerät möglich, Teleme­triedaten an eine zentrale Leitstelle zu senden. Dadurch können erste Anzeichen eines Problems erkannt werden, bevor es sich massgeblich ausbreitet – ähnlich wie Blutgerinnsel, die als Reaktion auf einen Schnitt den Blutverlust begrenzen.

Technologie wird oft als Gegenstück zur Natur angesehen. Die von der Natur angebotenen Paradigmen können und sollten jedoch als Inspiration für die Problemlösung dienen. In Zukunft könnten Betriebsfachleute, die mit einem Ausfall konfrontiert sind und gefragt werden, wie sie denn einen weiteren verhindern können, die einfache Erklärung liefern: "Das Netzwerk wurde gegen ähnliche zukünftige Bedrohungen geimpft."

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DPF8_152422

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