Thomas Heynen von Adnovum

Das sagt der Master of Swiss Apps über den Projekterfolg

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Mit "Mobility Carsharing" hat Adnovum den diesjährigen Master of Swiss Apps entwickelt. Im Interview spricht ­Thomas Heynen, Managing Director Growth Markets von Adnovum, über die Herausforderungen, Erfolge und Lektionen aus dem Projekt.

Thomas Heynen, Managing Director Growth Markets, Adnovum. (Source: zVg)
Thomas Heynen, Managing Director Growth Markets, Adnovum. (Source: zVg)

Was bedeutet der Award für Adnovum?

Thomas Heynen: Zuerst einmal ist es eine grosse Bestätigung für das Team, das mit sehr viel Einsatz an der App gearbeitet hat. Es ist auch ein Beweis dafür, dass wir unser Versprechen, "Design, UX, Architektur, Entwicklung und Betrieb aus einer Hand mit höchsten Qualitätsansprüchen", in jedem Bereich halten können.

Was hat Sie am Projekt besonders gereizt?

Einerseits sicherlich die Herausforderung, die sich durch die Komplexität und den Facettenreichtum des Projekts ergibt. Auf der anderen Seite natürlich der Auftraggeber: Mobility ist eine Schweizer Institution. Wir teilen viele Werte von Mobility und wer für Mobility arbeitet, wird von ihrem Purpose erfasst und motiviert. Das ist auch etwas, das man bei den Mobility-Mitarbeitenden sofort merkt.

Was waren die grössten Herausforderungen bei der Umsetzung? 

Da stechen zwei Dinge heraus: Ein Setting zu haben, bei dem jeder absolut motiviert ist, die bestmögliche App zu bauen, führt zwangsläuft zu hitzigen Diskussionen. Denn man ist sich nicht zwingend einig darüber, wie die bestmögliche App aussehen soll; und mit einem limitierten Budget können nicht alle Wünsche erfüllt werden. Auch muss man sich bewusst sein, dass hinter einer App wie der Mobility-Carsharing-App eine komplexe Systemlandschaft steckt. Es war klar, dass diese nicht an alle Anforderungen der neuen App angepasst werden kann.

Wie sind Sie mit den Schwierigkeiten umgegangen? 

Wir haben als Team zentrale Themen früh und offen angesprochen, um genug Zeit für Entscheide zu haben. Dabei halfen Offenheit, klare Kommunikation, der Austausch auf Augenhöhe und nicht zuletzt die gemeinsame Vision. Die Usability-Herausforderungen, die sich aus den Strukturen im Back-End ergaben, konnten wir in der App durch Designansätze lösen.

Wie sind Sie bei der Konzeption und Entwicklung der App ­vorgegangen?

Mobility hat verstanden, welche Bausteine für eine hohe Kundenorientierung erforderlich sind. Eine Vorstudie mit User-Tests brachte die Schwachstellen des Ist-Zustands bezüglich der Customer Journey ungefiltert an die Oberfläche. Auch eine Marktanalyse brachte Einblicke über Best Practices im Bereich Mobilität und half bei der Standortbestimmung und Definition der strategischen Ziele. Bei der Konzeption folgten wir dem Prinzip des User Centered Design. Wir stellten die Bedürfnisse der Mobility-User ins Zentrum und führten intensive Workshops zu Zieldefinitionen, Scoping, Brainstorming und Ausarbeitung von Prototypen durch. Eine weitere Validierung fand durch organisierte und spontane Testiterationen mit Projekt-Unbeteiligten statt. Mit dem Start der Entwicklung wurden zunächst eine gemeinsam definierte Minimalvariante (MVP) umgesetzt und danach Sprint für Sprint erweitert. Durch regelmässige Updates konnten die Benutzerinnen und Benutzer laufend auf dem Smartphone testen und Feedback und Bugs in der App auf einfache Weise direkt dem Produkt- und Entwicklungsteam melden. Der Nutzerkreis wurde über die Phasen hinweg kontinuierlich vergrössert und dadurch das Risiko einer fehlenden Akzeptanz beim Go-live auf ein Minimum reduziert.

Wurde im Entwicklungsprozess das Front-End bewusst priorisiert? Und wenn ja: warum? 

Ja, Ziel des Projekts war explizit, eine Mobile App mit einem zeitgemässen Benutzererlebnis bereitzustellen. Schnellere und einfachere Buchungen, ein modernes Design, kurze Ladezeiten und eine informative App standen im Vordergrund. Das meiste davon konnte letztlich mit front-end-seitigen Anpassungen oder dem optimierten Einsatz des bestehenden Back-Ends erreicht werden.

Zusätzlich zum Master-Titel gewann das Projekt zweimal Gold, und zwar in den Kategorien Design sowie UX & Usability. Was ist das Geheimnis einer guten Benutzerfreundlichkeit?

User Experience umfasst definitionsgemäss die Gesamtheit der Eindrücke und Emotionen, die man bei der Interaktion mit einem Produkt oder einem System hat, und ist somit immer ein Resultat, nicht ein Prozess.  Komplexe Applikationen wie die Mobility-App können deshalb nur in interdisziplinärer Zusammenarbeit erfolgreich umgesetzt werden. Die gute User Experience entsteht nicht isoliert im Design-Team, sondern in enger Zusammenarbeit mit allen Stakeholdern, vom Kunden über die Designerinnen und Architekten, Entwicklerinnen und Tester bis hin zu den App-Benutzerinnen und -Benutzern. Entwickler und Architektinnen sind ins Proto­typing und Testing involviert und umgekehrt sind UX-Spezialistinnen und -Spezialisten während der ganzen Entwicklung integraler Teil des agilen Teams. Die Kunst liegt dabei im systematischen Einbinden von Benutzerinnen und Benutzern und im ständigen Abwägen von Businessanforderungen und technischer Machbarkeit. Das UX-Team koordiniert und lenkt den kreativen Prozess und sorgt dafür, dass die Interessen der Benutzerinnen und Benutzer im Fokus des Designprozesses bleiben.

Was macht ein gutes App-Design aus? 

Ein gutes Design hat für uns neben einer visuell ansprechenden, modernen und zeitlosen Ästhetik immer auch eine Funktion. Gutes Design ist klar, konsistent und einfach zu verstehen. Dies trägt neben anderen Faktoren zu einer positiven User Experience bei. Hochwertige Typographie, Texte, Übergangsanimationen, Auswahl der Farben und die eigens entwickelten Icons vermitteln dabei nicht nur Informationen, sondern auch die Marke Mobility. Durch kontinuierliche Tests mit Test-Usern wurden weiter das Layout, die Lesbarkeit – bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen, etwa in der Tiefgarage oder im Freien mit Sonneneinstrahlung – optimiert.

Wie lief die Zusammenarbeit mit Mobility?

Die Zusammenarbeit mit Mobility war für uns inspirierend und bereichernd. Adnovum ist wie Mobility in der Schweiz verankert. Viele unserer Mitarbeitenden nutzen selbst Mobility und teilen die Werte des Unternehmens. Für die Umsetzung stellten wir mit dem Mobility-Team ein funktions- und organisationsübergreifendes Projektteam mit allen Stakeholdern zusammen, das im Laufe des Projekts zu einem höchst performanten Team zusammenwuchs. Sehr hilfreich dabei waren die offene und lösungsorientierte Kommunikation und die gemeinsame Vision, die das Team über die Unternehmensgrenzen hinweg verband.

Was war die wichtigste Lektion, die Sie während des Projekts ­gelernt haben?

Eigentlich keine neue Lektion, doch wurde uns einmal mehr in aller Konsequenz vor Augen geführt, wie wichtig die frühe Einbindung echter Benutzerinnen und Benutzer ist. Über 1000 Personen waren bereits mit der neuen App unterwegs, als noch längst nicht alle Funktionen integriert waren. Mobility hat es geschafft, ihre Nutzerbasis zu aktivieren und ihnen mit zweiwöchentlichen Updates über viele Monate viel Freude zu machen. Die Dynamik, die Mobility so gegenüber ihren Kunden transparent machen konnte, ist auch sehr gute Werbung.

 

Übrigens: Aus Sicht des Auftraggebers spricht Lars Kläger, Leiter Commerce bei Mobility, darüber, wie es zum Relaunch kam, mit welchen Herausforderungen das Projekt zu kämpfen hatte und was die Zukunft der App noch bereithält.

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nNFZYdy5