Domain

Ein Jahr .swiss

Uhr | Aktualisiert

Vor rund einem Jahr hat das Bundesamt für Kommunikation die .swiss-Domain vorgestellt. Bundesrätin Doris Leuthard verkündete damals, sie wolle ein Schaufenster der Schweizer Wirtschaft im Web schaffen. Doch kaum ein Unternehmen präsentiert sich heute darin.

(Quelle: Netzmedien)
(Quelle: Netzmedien)

Im September 2015 hat Bundesrätin Doris Leuthard in Bern persönlich die Zukunft präsentiert: Die neue generische Top-Level- Domain .swiss. 185 000 Franken kostete den Steuerzahler das Geschenk des Bundes an die Wirtschaft. Der Adressraum .swiss sollte als Schaufenster die Schweizer Wirtschaft im Web präsentieren. So weit der Plan. Am 7. September dieses Jahres feierte das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) den ersten Geburtstag von .swiss und 15 755 zugeteilte .swiss-Adressen, wie das Bakom mitteilt. Der überwiegende Teil der Adressen sei an Unternehmen aus allen Branchen gegangen. Die Mehrzahl der börsenkotierten Unternehmen der Schweiz besässen inzwischen eine .swiss-Adresse, ebenso viele KMUs und Organisationen der öffentlichen Hand.

Viele .swiss-Adressen werden nicht aktiv genutzt

Es hätten weit mehr Adressen sein können. Etwa die Hälfte der eingereichten Gesuche lehnte das Bakom ab, wie Bakom-Sprecherin Silvia Canova auf Anfrage mitteilte.Trotz tausender Anträge hätte das Bakom nie schlichten müssen, teilte Canova mit. Ein Konflikt war um die Adresse jura.swiss entbrannt. Der Kaffeemaschinenspezialist hatte letztes Jahr für sich und seine Ausstellung Juraworld jeweils eine .swiss-Adresse beantragt, als Ergänzung zu seiner .com-Adresse. In internationalen Märkten sei die Schweizer Herkunft der Marke Jura ein wichtiges Argument im Entscheidungsfindungsprozess für den Kauf einer Maschine, begründete vor einem Jahr Unternehmenssprecher Meinrad Kofmel den Schritt. Doch dann kam der gleichnamige Kanton. Gleich 10 Stück hatte der Kanton Jura nach eigenen Angaben beantragt und erhalten. Seither traf der Kanton laut Kantonssprecher Pierre-Alain Berret aber keine weiteren Massnahmen und setzte auch keine Websites mit .swiss-Endung um. Auch sonst weist Leuthards Schaufenster im Web freie Flächen auf. Verschiedene .swiss-Adressen führen ins Leere oder auf .ch-Adressen. Wie etwa beim wohl schweizerischsten Erfrischungsgetränk Rivella. Zur Begründung, weshalb man auf der Suche nach Rivella.swiss auf rivella.ch landet, teilte das Unternehmen mit, dass es die Adresse Rivella.swiss noch nicht für die Kommunikation nutze. Umgeleitet wird man auch beim Webauftritt des Velo-Herstellers BMC oder beim Anbieter von Mundhygiene Trisa. Wer Feldschloesschen.swiss in das Browserfenster eintippt, landet auf Feldschloesschen.ch. Bakom wirbt auf seiner .swiss-Promo-Seite mit einigen dieser Unternehmen als stolze Nutzer von .swiss.

Für Stefan Vogler ist diese Entwicklung keine Überraschung. Der Markenexperte sieht sich bestätigt: «Meine Prognose bei der Lancierung hat sich bewahrheitet: Die .swiss-Adressen werden zwar häufig registriert, aber kaum ein Unternehmen beziehungsweise eine Marke nutzt und bewirbt sie aktiv.» Die neuen Endungen würden von den bekannten Marken nur registriert, damit sie niemand anders belegen könne. Unnötig, lautet daher seine Bewertung der .swiss-Domain. Dennoch sieht Vogler einen Sinn darin, auf .swiss zu setzen. «Da sie nun existieren, sollten alle Schweizer Unternehmen auch eine .swiss-Adresse regis­trieren. «Ob sich diese Kosten im Sinne einer Investition jemals rechnen, ist schwierig vorherzusagen», sagt Vogler.

Ist .swiss ein Flop?

So richtig scheint .swiss noch nicht abzuheben. Ist .swiss gar ein Flop? Beim Hosting-Anbieter Hostpoint zieht man eine positive Bilanz. Bei dem Unternehmen wurden nach eigenen Angaben fast ein Drittel aller swiss-Websites registriert. Das Bedürfnis sei klar vorhanden, sagt Thomas Brühwiler, Mediensprecher bei Hostpoint auf Anfrage und verweist auf die fast 16 000 registrierten .swiss-Adressen. Brühwiler ergänzt, dass für Website-Besucher aus dem Ausland .swiss als Domain-Endung viel aussagekräftiger als die Endung .ch sei, die Internetnutzer nicht unbedingt mit der Schweiz in Verbindung brächten.

Webcode
NW151637

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