Nervous-Net-Projekt

Offene Daten für eine smarte Gesellschaft

Uhr | Aktualisiert

Ganz normale Menschen liefern Daten, mit denen neue Dienste entwickelt werden können. Dies ist die Grundidee des Nervous-Net-Projekts der ETH. Chefentwickler Prasad Pulikal gibt einen Einblick in das Projekt und die weiteren Pläne.

Schematischer Aufbau des Nervous Nets. Die Daten werden über verschiedene Quellen eingespeist, die im Anschluss über ein dezentrales Netzwerk für Applikationen bereitgestellt werden. (Bild: Prasad Pul
Schematischer Aufbau des Nervous Nets. Die Daten werden über verschiedene Quellen eingespeist, die im Anschluss über ein dezentrales Netzwerk für Applikationen bereitgestellt werden. (Bild: Prasad Pul

Mit dem Nervous-Net-Projekt erprobt ein Team von Forschern und Entwicklern an der ETH Zürich neue Möglichkeiten der Datenwirtschaft. Geleitet wird das Projekt von Dirk Helbing. Er ist Professor of Computational Social ­Science. Zusammen mit Nervous-Net-Chefentwickler Prasad Pulikal gibt er einen Einblick in das Projekt.

Offene Daten einspeisen

Die Grundidee des Nervous Net sei es, dass Nutzer die «Welt um uns herum vermessen», sagt Helbing. Die Bürger speisen etwa Sensorendaten in einen Pool von offenen Daten ein, die im Anschluss für die Weiterverwendung für jedermann frei zur Verfügung stehen. Damit lassen sich etwa detaillierte Lärmkarten einer Strasse oder sogar einer Stadt erzeugen, wie Helbing erklärt.

Als Dienstleistung könnten solche Informationen etwa eine Entscheidung für oder gegen das Mieten einer Wohnung mit beeinflussen. So könnte ein Langschläfer prüfen, ob der Lärm um die Wohnung am frühen Morgen so laut ist, dass er nicht ausschlafen kann. Bei einer Wohnungsbesichtigung am Abend könnten die Geräusche unter Umständen nicht repräsentativ sein, und der Neumieter treffe die falsche Entscheidung, nennt Pulikal als Beispiele. Ebenso könnten bestimmte Lichtverhältnisse die Entscheidung beeinflussen.

Rechte verbleiben beim Nutzer

Mit der App «Swarm Pulse» bauten die Forscher einen Protoyp einer Anwendung, mit der Daten erhoben und eingespeist werden können. Das Nervous Net befindet sich zwar aktuell noch in einer Erprobungsphase. Alle Entwicklungsschritte werden aber dokumentiert und sind auf Github öffentlich zugänglich, wie Pulikal sagt. Momentan würden nur Daten über Smartphones erhoben. Die Nutzer können selbst bestimmen, welche Sensordaten sie mitteilen wollen. Sie können auch wählen, für welche Zwecke die Daten verwendet werden dürfen und für welche nicht. Diese Nutzungsrechte können jederzeit rückgängig gemacht werden. Denn das Teilen der Daten erlaubt nur einen Zugriff auf die Informationen, nicht die Übertragung der Daten an sich, wie Pulikal weiter erklärt.

Die Informationen selbst werden in einem dezentralen Servernetzwerk, Nervouscore genannt, gespeichert. Die Zuordnung der Daten erfolgt laut Pulikal über eine Unique-ID. Diese sei absolut anonym, verspricht er. Bei Bedarf könne ein Nutzer diese ID auch wieder löschen und die Verbindung aller Daten aufheben. Ein Rückschluss auf den Datenlieferanten sei somit nicht mehr möglich. «Der Nutzer hat immer die Kontrolle über die Daten», sagt Pulikal. Auch könne er bestimmen, wie lange die Daten genutzt werden dürfen, er könne sie sozusagen mit einem «Todesdatum» versehen. Ausserdem werde jeder Zugriff auf die Daten dokumentiert, was wiederum Transparenz erzeuge.

Ausbauschritte geplant

In der weiteren Entwicklung des Nervous Net sollen alle möglichen IoT-Geräte Daten in das Netz einspeisen können. Zudem sei die Anbindung von Partnerplattformen geplant, sagt Pulikal. Aktuell seien die Entwickler dabei, eine Plattform aufzubauen, die auch technisch weniger versierten Nutzern den Einstieg in das Projekt ermöglichen soll. Die Entwickler arbeiten hierfür an Tools zur Analyse und Visualisierung der Daten, damit auch normale Bürger einfach Informationen aus den Daten gewinnen können.

In Zukunft soll damit jeder neue Anwendungen mithilfe der offenen Daten entwickeln können. Diese sollen das Leben der Menschen verbessern, was die Macher als einen Schritt hin zum «Smart Living» verstehen.

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