Drohnen

"Wir leisten mit diesem Projekt Pionierarbeit"

Uhr | Aktualisiert

Die Post hat im März ein Pilotprojekt für die kommerzielle Nutzung von Drohnen präsentiert. Künftig sollen Lieferdrohnen Laborproben zwischen zwei Spitälern in Lugano transportieren. Oliver Flüeler, Mediensprecher der Schweizerischen Post, erklärt, wie das Projekt vorangeht und welche Ziele die Post mit den fliegenden Robotern verfolgt.

Oliver Flüeler, Mediensprecher der Schweizerischen Post
Oliver Flüeler, Mediensprecher der Schweizerischen Post

Wie geht das Drohnenprojekt der Post voran?

Oliver Flüeler: Die ersten Testflüge in Lugano verliefen sehr erfolgreich. Wir führten rund 100 Flüge unter verschiedenen Bedingungen durch. Wir sind mit den bisherigen Ergebnissen sehr zufrieden.

Welche Ergebnisse brachten die Tests?

Wir sammelten viele Erfahrungen, etwa was die Benutzerfreundlichkeit, den Logistikprozess oder den Einfluss der lokalen Wetterbedingungen angeht. Diese Erkenntnisse fliessen in die Weiterentwicklung der Drohne ein. Mitte März erteilte die Schweizer Luftfahrtbehörde BAZL der Post sowie dem kalifornischen Drohnenhersteller Matternet eine Bewilligung. Diese beinhaltet die Erlaubnis, Drohnenflüge autonom, also ohne manuelle Steuerung und Überwachung, über besiedeltem Gebiet durchzuführen.

Wie verlief die Zusammenarbeit mit Ihren Projektpartnern?

Die Zusammenarbeit mit dem BAZL, dem Spitalverbund Tessin und dem Drohnenhersteller Matternet war sehr fruchtbar. Gemeinsam leiteten wir eine Reihe von technischen und organisatorischen Massnahmen ein. Kommerziell angewendete, autonome Drohnenflüge sind Neuland für alle Beteiligten. In diesem Sinne leisten mit diesem Projekt alle Pionierarbeit.

Wie sieht der weitere Fahrplan für das Projekt aus?

In diesem Sommer sollen erstmals echte Laborproben transportiert werden. Erst wenn die Drohne alle hohen Anforderungen in puncto Sicherheit, Praxistauglichkeit und Zuverlässigkeit erfüllt, werden die Flüge ohne Überwachung durchgeführt. Der tägliche Einsatz beginnt vo­raussichtlich Anfang 2018. Ab diesem Zeitpunkt werden die Drohnen regelmässig Laborproben zwischen den beiden Spitälern in Lugano transportieren.

Welchen Nutzen erwarten die Spitäler?

Die Spitäler in Lugano wollen Laborproben zügiger und effizienter befördern. Landen die Proben schneller bei den Labortechnikern, erhalten Ärzte in kürzerer Zeit Analyseergebnisse. Dies geschieht zum Wohle der Patienten. Bisher beauftragten die Spitäler Taxiunternehmen, um die Laborproben zu transportieren. Je nach Innenstadtverkehr dauerte eine Fahrt bis zu einer halben Stunde. Die Drohnen legen den Weg in nur 8 Minuten zurück. Mittelfristig sparen sie nicht nur Zeit, sondern auch Kosten.

Welche Ziele verfolgt die Post mit dem Einsatz von Drohnen?

Wir wollen mit den Drohnen weiteres Know-how in der Logistik aufbauen und neue technische Möglichkeiten in unsere Logistikprozesse einbinden. Die Post wird Drohnen dort einsetzen, wo sie für spezielle Transporte und Situationen für den Kunden einen Mehrwert bieten. Bei Spezialsendungen wie Laborproben ist dies sicherlich der Fall. Drohnen werden unsere Postboten, die jährlich über 120 Millionen Pakete zustellen, jedoch nicht ersetzen.

Welche weiteren Drohnenprojekte plant die Post?

Momentan konzentrieren wir uns auf den Einsatz in Lugano. Andere Spitäler, wie etwa das Universitätsspital Insel in Bern, signalisierten Interesse an einer Zusammenarbeit. Die Geschäftsleitung des Inselspitals gab grünes Licht für einen möglichen Einsatz von Drohnen. Zum jetzigen Zeitpunkt existiert aber weder ein konkreter Zeitplan für ein solches Projekt, noch wurde die Machbarkeit einer solchen Anwendung im Detail geprüft.

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DPF8_42912

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