Interview mit Matthias Schorer von VMware

Auf dem Weg zum Internet der Dinge gibt es noch viel zu tun

Uhr | Aktualisiert

Sicherheit, Skalierung und Datenschutz - beim Internet der Dinge (IoT) gibt es noch viele Baustellen und Fragezeichen. Matthias Schorer ist Lead Business Development Manager, IoT, EMEA von VMware. Im Interview gibt er Auskunft darüber, worauf Firmen bei der IoT-Umsetzung achten müssen und wo aktuell die Herausforderungen liegen.

Matthias Schorer. (Source: www.marekbeier.de)
Matthias Schorer. (Source: www.marekbeier.de)

Wo stehen wir heute in der Entwicklung des Internets der Dinge (IoT)?

Matthias Schorer: Ich sage immer: Man muss irgendwo mal anfangen. Wir haben viele Kunden, die Proof of Concepts machen und die Dinge ausprobieren, beispielsweise RasperryPis und Arduinos erwerben und Prototypen bauen. Was wir also sehen, sind erste Versuche mit der Technik zu arbeiten. Viele Unternehmen tun sich aber noch schwer mit dem Business Case. Sie haben dann zwar IoT-Geräte im Einsatz, wissen aber nicht genau wofür. Kosteneinsparungen sind zwar ein Argument, aber nicht wirklich sexy. Hier müssen andere Vorteile angeführt werden, zum Beispiel eine effizientere Produktion.

Können Sie ein Beispiel geben?

Ein wichtiger Einsatzbereich sind Spitäler, die z. B. jedes Jahr bis zu 30 Prozent ihrer Medizingeräte verlieren. Das kann ein Rollstuhl sein, oder auch ein Skalpell. Das hört sich nicht nach viel an, wenn man aber weiss, dass jedes Jahr in einem Krankenhaus bis zu 260'000 Geräte mit einem Gesamtwert von 15 Millionen Euro ersetzt werden müssen, dann lohnt es sich auf jeden Fall hier mit IoT gegenzusteuern. Spitäler möchten in der Lage dazu sein diese Geräte zu tracken. Das spart Kosten, macht den Betrieb effizienter und ist für den Patienten angenehmer. In diesem Bereich haben wir Kunden, die über bereits die Testphase hinaus sind und das Tracking mit Hilfe von VMware's Pulse IoT Center professionell umsetzen.

Hat VMware Schweizer Kunden, die eine solche IoT-Strategie besonders gut umsetzen?

Die Schweiz ist beim Thema IoT sehr rührig und von dort bekommen wir im Moment sehr viele Anfragen. Das hängt auch mit der Grösse der Betriebe zusammen. Der Mittelstand spielt beim Internet der Dinge eine grosse Rolle, denn KMUs sind in der Regel agiler bei der Umsetzung neuer Technologien. Bei einem Grosskonzern dauert es länger bis so ein Projekt durch alle Gremien durch ist.

Das Internet der Dinge soll einst Millionen von Geräten miteinander vernetzen. Sind Hard- und Software für diese Dimensionen überhaupt schon bereit?

VMware ist im Rechenzentrum, also hinsichtlich der virtuellen Bereitstellung von Compute, Netzwerk und Storage gut aufgestellt. Das ist eine Grundvoraussetzung, um Systeme dieser Grössenordnungen skalieren zu können. Im Bereich der selbstfahrenden Autos zum Beispiel bauen wir zusammen mit Fujitsu für einen grossen Hersteller ein System, das die Überwachung und Aktualisierung der Fahrzeuge ermöglichen soll.

Wo liegen die Herausforderungen?

Es geht bei so einem Beispiel um hunderte von Millionen Dingen. Denn in jedem neuen Auto steckt eine Vielzahl Steuergeräte, die je ein Gerät für sich sind. Darauf ist die Industrie noch nicht wirklich vorbereitet. Wir arbeiten mit unseren Partnern an unserer Software, um eine skalierfähige Version anzubieten. Das kann heute kein Anbieter auf dem Markt, weil niemand mit so einer explosionsartigen Vermehrung der Geräte gerechnet hat. Solche Dimensionen erfordern eine ganz neue System-Architektur - sowohl im Rechenzentrum als auch im Fahrzeug.

Welche Herausforderungen gibt es sonst noch für Unternehmen, die eine IoT-Lösung umsetzen möchten?

Sicherheit ist natürlich ein grosses Thema. Wenn Sie zum Beispiel ein seit 20 Jahren bestehendes System in einer Fabrik an eine Industrie-4.0-Umgebung anbinden, dann ist es erstmal nicht sicher. Es wurde nämlich gar nicht dafür gebaut, jemals mit etwas verbunden zu werden. Sie müssen also überlegen, wie ein inhärent unsicheres System sicher gestaltet werden kann. Unser Ansatz ist es vor dieses System ein Gateway zu bauen. Dies verhindert, dass jemand etwa vom Rechenzentrum aus einen Angriff starten kann. Mit der Überwachungs-Plattform Pulse IoT Center können wir ausserdem im Datenstrom Hinweise darauf finden, ob ein Hacker unbefugt auf das System zugreift.

Nutzt VMware die IoT-Plattform auch zur Früherkennung von Fehlern mittels künstlicher Intelligenz?

Das Pulse IoT Center sorgt dafür, dass die Infrastruktur funktioniert. Es analysiert zum Beispiel, ob ein Sensor zuverlässige Daten liefert oder eine Batterie die richtige Spannung hat. Für die weitere, langfristige Analyse der Daten gibt es andere Lösungen. Die Informationen der Geräte landen aber alle auf unserer Plattform. Die können dann über APIs an andere Systeme weitergegeben werden.

IoT-Sensoren erheben eine grosse Menge an Daten, auch über Personen. Wie will VMware den Datenschutz gewährleisten?

Wir setzen vor allem auf Verschlüsselung und sicheren Transport, was bei bestehenden Systemen nicht so ausgeprägt ist. Alles was wir von der Edge ins Rechenzentrum transportieren, ist abgesichert. Das geht so weit, dass jedes einzelne Gateway eine eigene Verschlüsselung bekommt. Was dann ein Kunde mit den Daten macht, liegt nicht mehr in unserer Hand. Das zweite wichtige Thema ist Compliance. In der Regel haben Kunden in ihren Rechenzentren entsprechende Vorgaben, die auch für das IoT-Gateway gelten. Wir können Unternehmen dabei unterstützen festzustellen, ob ein System compliant ist, etwa über Hardening Guidelines für den Server, und entsprechende Updates einspielen.

Was sind die nächsten Schritte, die VMware beim Thema IoT machen will?

Wir fokussieren uns aktuell auf die Skalierfähigkeit der Systeme und das Thema automatische Aktionen. Letzteres heisst, dass man bei einem Sensor oder Gateway bestimmte Einstellungen definieren kann, die automatisiert etwas auslösen - zum Beispiel ein Software-Update. Denn je mehr Geräte in einem IoT-System vorhanden sind, umso schwieriger wird es für den Menschen, den Überblick zu behalten und Dinge manuell zu tun.

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DPF8_88464

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