Umfrage von MyniGmeind

Digitalisierung: Gemeinden sind motiviert – geben sich aber schlechte Noten

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von Kevin Fischer und jor

Schweizer Gemeinden wollen ihre Dienstleistungen digitalisieren. Vielorts ist die Transformations-Motivation hoch, tatsächlich umgesetzt hat man jedoch erst wenig.

(Source: mynigmeind.ch)
(Source: mynigmeind.ch)

Eine Umfrage des Vereins MyniGmeind in Kooperation mit dem Schweizerischen Gemeindeverband kommt zum Schluss, dass viele Gemeinden den technologischen Wandel als Chance sehen und sich die Digitalisierung zu nutzen machen wollen. Allerdings sind die meisten Gemeinden unzufrieden mit dem Stand ihrer Transformation.

 

Teilgenommen haben an der Umfrage 760 Gemeindevertreter aus der ganzen Schweiz. Dies entspricht etwa einem Drittel aller Gemeinden. Aus den Kanton Nidwalden und Appenzell Innerrhoden liegen keine Daten vor.

 

Digitalisierung als Chance

97 Prozent der Antwortgeber bewerten die Digitalisierung grundsätzlich als Chance. Wo man auf digitale Prozess setzen will, unterscheidet sich allerdings.

 

Höchste Priorität haben gemäss demnach die Modernisierung der Verwaltungsprozesse, der Kommunikation mit Bevölkerung und Wirtschaft sowie der digitalen Dienstleistungen wie dem Online-Schalter. Weniger wichtig scheint den Kommunen hingegen die Digitalisierung in Infrastrukturbereichen wie Werkhof, Mobilität und Immobilienmanagement zu sein.

 

Als wichtigste Beweggründe für Digitalisierungsprojekte geben die Gemeinden die Steigerung der Effizienz (73 Prozent), die Verbesserung des Kundennutzens (70 Prozent) und die Stärkung des Kontakts mit der Bevölkerung (63 Prozent) an. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und dem Corona-getriebenen Trend zum hybriden Arbeiten wollen sich die Gemeinden auch immer mehr als attraktive Arbeitgeber positionieren (49 Prozent, Anstieg von 15 Prozent im Vorjahresvergleich).

 

(Source: mynigmeind.ch)

 

Zwei Drittel Nachzügler

Laut Studie befindet der Grossteil der Befragten sowohl den politischen Willen als auch die Unterstützung der Verwaltungsführung zur Digitalisierung für ausreichend. Dennoch sind die Mehrheit der Gemeinden nicht zufrieden mit dem Stand der Digitalisierung. Nur 2 Prozent schätzen sich selbst als "Vorreiter" ein; 58 Prozent sehen sich als "Nachzügler".

 

Nach dem Entwicklungsstand wichtiger Erfolgskriterien in ihrer eigenen Gemeinde gefragt, geben sich die Verantwortlichen schlechte Noten: Nur in zwei von dreizehn Kategorien bewerten sie sich als genügend. Sorgen bereiten ihnen vor allem die Ressourcen: Es mangelt aus Sicht der Gemeinden vor allem an Personal, finanziellen Mitteln und den Kompetenzen, um die Digitalisierung meistern zu können.

 

Verantwortlichkeit und Strategie helfen

Gemäss Studienergebnissen bezeichnen sich die Gemeinden, die einen Verantwortlichen für die digitale Transformation haben, deutlich häufiger als Vorreiter. Auch wer über eine Digitalstrategie verfügt, bewertet den eigenen Entwicklungsstand positiver.

 

(Source: mynigmeind.ch)

 

Nur 39,5 Prozent der befragten Gemeinden geben jedoch an, einen solchen Verantwortlichen zu haben. Und in den Fällen, in denen es eine zuständige Person gibt, fällt die Aufgabe am häufigsten dem Gemeindeschreiber zu (48 Prozent). Nur 22 Prozent der Gemeinden gaben an, einen eigenen IT-Verantwortlichen zu haben; 8 Prozent gaben an, einen "Digitalisierungsverantwortlichen in der Verwaltung" zu haben. In 9 Prozent der Fälle fällt die Aufgabe einem Mitglied der Exekutive (Stadt- bzw. Gemeinderat) zu.

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