Porträt

Von der Schafweide in den Chefsessel

Uhr | Aktualisiert

Patrick Schmid wohnt auf einem Bauernhof und hält Schafe. Seit Juni leitet er die Geschäfte von Dacor Informatik. Der Luzerner IT-Dienstleister mit Wurzeln im lokalen Gewerbe baut unter dem neuen Chef ein Beratungsgeschäft auf.

Patrick Schmid, Geschäftsführer von Dacor Informatik. (Source: Netzmedien)
Patrick Schmid, Geschäftsführer von Dacor Informatik. (Source: Netzmedien)

Patrick Schmid machte einen Umweg, um da zu landen, wo er heute steht. Seine Faszination für Computer entdeckte er zwar früh. Als Zwölfjähriger verbrachte er seine Nachmittage vor einem Commodore 64. «Später folgten meine ersten Versuche als Programmierer», schmunzelt er. Doch beruflich schlug Schmid einen anderen Weg ein. Statt in die Gefilde der IT zog es ihn an die frische Luft.

Schmid absolvierte eine Lehre als Landschaftsgärtner. Seine Verbindung zur Natur begleitet ihn bis heute. Er wohnt auf einem Bauernhof, hält Hütehunde und rund 80 Schafe. Dies scheint ihn zu erden, denn Schmid tritt bodenständig auf. «Ich packe gerne mit an», sagt er.

Von der Natur über die Technik zur Strategie

Seinen ersten Beruf übte Schmid nicht lange aus. Aus gesundheitlichen Gründen musste er nach seiner Ausbildung umsatteln. Was sich im Nachhinein als Glücksfall herausstellte, wie sich Schmid erinnert: «Ich konnte schliesslich mein Hobby zum Beruf machen.» Nachdem er sein Diplom in Wirtschaftsinformatik erlangt hatte, durchlief er mehrere Weiterbildungen.

Die Welt der IT betrat Schmid als Techniker. Er arbeitete für kleine Computer-Firmen, bei Banken im IT-Support und bei grossen Unternehmen wie etwa dem Systemhaus Also Comsyt, das heute zu Bechtle gehört. Zuletzt war Schmid zehn Jahre lang als IT-Abteilungsleiter bei der Stiftung für Schwerbehinderte in Luzern tätig. «Meine Erfahrungen helfen mir heute sehr», sagt er.

Eines Tages sei er an einen Scheideweg gelangt, merkt Schmid an. «Jeder, der in der IT-Welt Karriere machen will, muss sich früher oder später entscheiden: Will ich mich technisch weiter spezialisieren oder will ich lernen, Strategien zu entwickeln.» Schmid entschied sich für letzteres.

IT fürs regionale Gewerbe

Seit Juni 2017 leitet Schmid die Geschicke der Dacor Informatik. Der IT-Dienstleister blickt auf eine 40-jährige Geschichte zurück. 1977 entstand Dacor als eine Tochterfirma der Gewerbe-Treuhand, einem Steuerberatungsunternehmen, das dem Gewerbeverband des Kantons Luzern gehört.

Dacor Informatik besinnt sich bewusst auf die Region Innerschweiz, wie der neue Geschäftsführer erklärt. Der Kundenkreis bestehe ausschliesslich aus lokalen KMUs, die aus unterschiedlichen Branchen stammen. «Wir bedienen alle möglichen Mittel- und Kleingewerbeunternehmen, vom Schreiner bis hin zum Velomechaniker», sagt Schmid.

Massgeschneiderte Standard-Lösungen für ERP

Seit 1997 bietet Dacor ERP-Lösungen an. «Damals war die Firma noch ein kleiner Partner von Navision», sagt Schmid. Der dänische Softwarehersteller gehört seit 2002 zu Microsoft. Deswegen liess sich Dacor drei Jahre später zum Microsoft-Partner zertifizieren.

Heute erstellt Dacor Informatik ERP-Lösungen mit Microsoft Dynamics NAV. Die Software liege nahe am ERP-Standard, erklärt Schmid. Um sie branchenspezifisch anzupassen, entwickelt die Firma Add-ons. «Auf diese Weise können wir unseren Kunden beides bieten: Eine Standardlösung sowie Erweiterungen, die wir auf die Bedürfnisse unserer Kunden zuschneiden», sagt Schmid.

Nebengeschäfte auf Wunsch der Kunden

Die ERP-Lösung läuft auf Dacors hauseigenem Rechenzentrum. Dieses besteht bereits seit 1983. «Wir betreiben unser Data Center ausschliesslich als Service für unsere Kunden», sagt Schmid. Diese wickeln etwa Lohn-, Debitoren- und Kreditorenbuchhaltungen auf den Servern von Dacor Informatik ab.

Nebenbei tritt der IT-Dienstleister auch als Systemintegrator auf. Dacor Informatik pflegt Partnerschaften mit Microsoft und HP Inc. Die Produkte der beiden Hersteller implementiert Dacor Informatik in die bestehenden IT-Infrastrukturen seiner Kunden. Der Luzerner IT-Dienstleister verkaufe die Produkte seiner Partner allerdings nur im kleinen Rahmen, erklärt Schmid und fügt hinzu: «Wir wollen den grossen Händlern keinerlei Konkurrenz machen.» Der Geschäftszweig sei entstanden, weil Kunden den Wunsch geäussert hatten, einen Partner für all ihre Anliegen rund um die IT zu finden.

Dacor Informatik bietet ausserdem Schulungen zu Microsoft Office an. Auch mit seinem Kursangebot adressiert der IT-Dienstleister insbesondere KMUs aus der Region.

Ein neues Standbein wächst

Der neue Geschäftsführer will die Firmentradition fortsetzen und dennoch Neues schaffen. Er habe festgestellt, dass eine grosse Nachfrage nach Expertise im Bereich Datensicherheit bestehe. Zudem zeigt Schmid Freude daran, sein Know-how weiterzugeben. Bereits vor seiner Anstellung stand fest: Schmid tritt an, um das Beratungsgeschäft von Dacor Informatik aufzubauen.

In einem ersten Schritt nimmt der neue Geschäftsführer die Zügel selbst in die Hand. Erste Mandate konnte Schmid bereits gewinnen. Er verfolge das Ziel, die Kunden auf ihrem Weg in die digitale Transformation zu unterstützen und der Firma Dacor ein weiteres Standbein zu sichern.

Beratung lebt von Vertrauen

Viele KMUs würden sich zurzeit für oder gegen eine Cloud-Lösung entscheiden, sagt Schmid. «Wir wollen den Kunden beratend zur Seite stehen und sie bei diesem Entscheid unterstützen.» Mit Risikoanalysen und betrieblichem Kontinuitätsmanagement will Schmid seinen Kunden helfen, ihre IT-Risiken zu verringern.

Besonderen Wert legt Schmid auf Ehrlichkeit. «Als Berater müssen Sie ehrlich sein und Ihre Kunden unabhängig von Herstellern beraten», sagt Schmid und ergänzt: «Wer dies versäumt, verspielt sein wichtigstes Kapital, nämlich das Vertrauen seiner Kunden.»

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DPF8_60271

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