"Ein Drittel aller Downloads kommt bereits von mobilen Endgeräten"
Der Schweizer Web-TV-Start-up Ipmedia hat am 9. Mai am World Media Festival in Hamburg mit der Plattform InternetTV.ch drei Silber-Awards gewonnen. Die Netzwoche hat mit Mitgründer und CEO Marco Demont gesprochen.
Herr Demont, kamen die drei Auszeichnungen am World Media Festival für Sie überraschend?
Wir konnten die Chancen nur schwer einschätzen, zumal auch die Konkurrenz gross war. Es freut uns sehr, dass es tatsächlich geklappt hat.
Planen Sie, auch dank der Auszeichnungen, verstärkt im Ausland zu wachsen?
Die Awards haben uns bestätigt, dass wir seit der Firmengründung 2008 auf dem richtigen Weg sind. In der Schweiz haben wir den Proof of Concept geschafft. Wir arbeiten profitabel. Es ist deshalb durchaus ein Thema, auch im Ausland Fuss zu fassen. Technisch ist eine Skalierung des Businessmodells heute kein Problem mehr. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, einen schlagkräftigen Sales- Apparat aufzubauen sowie geeignete strategische Partner zu finden.
Wie weit sind diese Pläne denn bereits fortgeschritten?
Wir sind im DACH-Raum auf der Suche nach Kooperationspartnern. In Österreich dürfte es noch etwas einfacher sein als in Deutschland, das schon relativ stark gesättigt ist mit Videoplattformen.
Welche Konkurrenz sehen Sie in der Schweiz?
Es gibt keine vergleichbare Plattform. Vom Prinzip her am ähnlichsten ist das Videoportal des Schweizer Fernsehens. Zudem gibt es vereinzelt Medienhäuser, die mit Videoinhalten arbeiten.
Welche Rolle spielt Youtube?
Youtube bewegt sich immer mehr in Richtung unseres Channel-Modells, was uns natürlich bezüglich unserer strategischen Ausrichtung bestärkt. Wir sehen in Youtube keine Konkurrenz, zumal wir mit InternetTV.ch stark auf Swissness setzen und sich auch das Geschäftsmodell stark unterscheidet.
Wie sieht denn Ihr Businessmodell aus?
Wir verlangen einerseits Lizenzgebühren für die Channels. Bei redaktionellen Inhalten wie bei gewissen Sparten- oder Regioportalen kommt die Werbung über klassische Videound Display-Ads dazu. Zusätzlich bieten wir gleich auch die Produktion von Bewegtbild- Inhalten an, je nach Kundenbedarf.
Inhalte auf der Plattform gegen Bezahlung anzubieten – ist das ein Thema?
Im kleinen Schweizer Markt, noch dazu in Nischenmärkten, bezahlte Inhalte zu bezahlbaren Preisen anzubieten, ist derzeit kaum realistisch.
Wie ist Ihre IT aufgestellt?
Anfänglich bestand unsere Strategie darin, möglichst vieles selbst zu machen. So ist etwa unser Media-Content-Management-System eine Eigenentwicklung, basierend auf dem Open-Source-CMS Symfony. Von dieser Strategie sind wir unterdessen weitgehend abgerückt. Wir kaufen verfügbare Module ein, die Marktführer in ihrer Nische sind und eine stete Weiterentwicklung garantieren.
Wie entwickelt sich der Traffic auf Ihrer Plattform?
Eher exponentiell als linear steigend. Traffic- Booster sind dabei etwa die Channels der Medienhäuser wie das St. Galler Tagblatt oder die Wiler Zeitung. In St. Gallen haben wir unseren Hauptsitz. Wir sind zudem in Zürich präsent und werden als Nächstes in der Zentralschweiz und in der Region Bern neue Kanäle starten. Bezüglich der Endgeräte sehen wir starke Zunahmen im Tablet-Bereich. Ein Drittel aller Downloads kommt bereits von mobilen Endgeräten. Ein Thema ist dabei Second-Screen. Die Leute schauen also fern und twittern beispielsweise nebenbei mit Freunden. Das Nutzerverhalten hat sich stark verändert.
Auf was kommt es an, damit die Inhalte auf den Mobile-Kanälen funktionieren?
Es ist ähnlich wie im Web. Es müssen kurze und knackige Inhalte sein. Das setzt voraus, dass sie professionell produziert werden. Wir haben dafür Videojournalisten angestellt. Zudem muss die Usability stimmen und das System stabil laufen, denn Streaming-Unterbrechungen sind sehr ärgerlich.
Arbeiten Sie mit hybriden oder nativen Apps?
Wir arbeiten mit hybriden Apps, basierend auf mobilen Websites mit HTML5. Somit können wir bei der Lancierung neuer Kanäle Apps für die einzelnen Plattformen bauen, ohne dass die Kosten aus dem Ruder laufen.
Welche Trends neben den Mobile-Kanälen sehen Sie sonst noch im Bereich Web-TV?
Hybrid-TV, also die Zusammenführung von Web und TV, ist derzeit ein grosses Thema. Wir kooperieren diesbezüglich mit Samsung. Da gibt es noch enorm viele Möglichkeiten der Weiterentwicklung.
Könnte auch Youtube künftig mehr professionell produzierte Inhalte anbieten? Die Plattform hat ja kürzlich Spiele der Eishockey- WM live übertragen.
Das könnte eine Möglichkeit sein. Youtube wird immer häufiger auf grossen TV-Bildschirmen angeschaut. Das Publikum ist älter und anspruchsvoller geworden. Gleichzeitig hat die Plattform sehr hohe Streaming-Kosten. Die vielen Handyfilmchen und von Hobby-Filmern hochgeladene Clips lassen sich dagegen schlecht vermarkten. In dem Zusammenhang besteht schon der Anreiz, exklusive und professionell produzierte Inhalte anzubieten, die sich auch nachhaltig vermarkten lassen.
4 von 5 Schweizer Banken führen schon KI ein
BACS rät zu Schutzmassnahmen bei Grossveranstaltungen
Adnovum stärkt Security-Angebot mit zwei Übernahmen
Die unmögliche Herausforderung, als Erwachsener neue Freunde zu finden
Convotis verkauft SAP-Sparte, um sich auf KI und Security zu konzentrieren
NZZ-CTIO wird COO von Livingdocs
EFK bemängelt digitale Transformation der 1. Säule
Sunrise plant Abbau von 190 Stellen
2026 nehmen Unternehmen ihre digitalen Lieferketten genauer unter die Lupe