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03.02.2012 10:18 (Rodolphe Koller)
Aus der aktuellen Ausgabe

"Im Jahr 2012 haben wir riesige Projekte rund um das Steuerwesen"

Peter Wintsch, CIO bei Pictet
Peter Wintsch, CIO bei Pictet & Cie.
Im Gespräch mit unserer Westschweizer Redaktion erläutert Peter Wintsch, Chief Information Officer bei Pictet & Cie, die Auswirkungen der Steuerabkommen mit Deutschland und England auf die Informatik des Unternehmens.

Wo kann man sich mittels IT genügend differenzieren, dass sich eine Eigenentwicklung lohnt?

Bei Ihrer Frage gehen Sie davon aus, dass Marktlösungen günstiger seien als Eigenentwicklungen, was ich in vielerlei Hinsicht zu bezweifeln wage. Wenn man eine kritische Masse erreicht hat, ist es nicht wirtschaftlicher, etwas einzukaufen, als es selbst herzustellen. Man kann aber, wenn man die richtigen Teams hat, die Ausführungsgeschwindigkeit im Vergleich zu einem Lieferanten steigern. Im Weiteren erlaubt Ihnen der Lieferant nur, genau das zu tun, was auch die anderen tun – das ist hervorragend, wenn man sich darauf beschränkt, alles nur anderen nachzumachen. Wir müssen uns bewusst machen, dass die Finanzindustrie vollkommen entmaterialisiert ist – man tut nichts anderes, als Informationen zu bearbeiten. Differenzierung bedeutet also nur, die Informationen anders zu bearbeiten. IT kann also ein Faktor der Differenzierung sein, die Frage ist nur, wo man dies tun möchte. Die Frage nach Build oder Buy ist eigentlich nur eine Scheindebatte. Es gibt Standardbereiche, in denen es besser ist, sich auf Marktlösungen zu stützen, wie etwa beim SWIFT oder beim vorschriftsmässigen Reporting. In anderen Bereichen, die die Interaktion mit dem Kunden oder die betriebliche Effizienz betreffen, kann es sinnvoll sein, die Dinge intern entwickeln zu lassen. Im Gegensatz zu anderen Banken haben wir die kritische Masse, um dies zu tun.

Es ist häufig davon die Rede, es entstehe zurzeit eine neue Generation wohlhabender Kunden mit Hang zu neuen Technologien. Wie gehen Sie auf deren Erwartungen ein?

Unsere Weblösung ist typischerweise an das iPad angepasst. Wir haben das Glück, in unserem Team über zwei Spezialisten zum Thema User Experience zu verfügen. Was die von unseren Beratern eingesetzten Tools angeht, sind wir noch nicht in der Lage, die gesamte Bandbreite einer Arbeitsumgebung auf dem Tablet anzubieten. Man darf aber trotzdem nicht vergessen, dass der Service einer Privatbank zu einem Grossteil auf menschlichen Faktoren wie Kommunikation und Einfühlungsvermögen basiert. Diese Aspekte sind nicht ohne Weiteres auf die IT-Ebene übertragbar. Im Bereich der institutionellen Vermögensverwaltung gibt es immer mehr Anfragen von institutionellen Betreibern und Verkäufern, die mit ihren eigenen Geräten auf die mobilen Systeme zugreifen wollen. Derzeit werden Überlegungen angestellt, ob dies wirtschaftlich sinnvoll ist oder nicht.

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