iMobilty-Roundtable

IT gegen Verkehrsinfarkt

Uhr | Aktualisiert

Am 22. Mai fand der iMobilty Roundtable in Zürich statt. Vier verschiedene Ansätze zeigten auf, wie IT im Kampf gegen den stark wachsenden Verkehr alternative Lösungen für mehr Mobilität und flüssigen Verkehr bieten kann.

Von links: Norbert Ender (IBM), Stella Schieffer (Polyport), Dr. Michael Balmer (Senozon) und David Brunner (Cabtus)
Von links: Norbert Ender (IBM), Stella Schieffer (Polyport), Dr. Michael Balmer (Senozon) und David Brunner (Cabtus)

Cabtus lud gestern zum iMobility-Roundtable in Zürich ein. Zu den Präsentationen mit anschliessender Fragerunde waren Mobilitätsexperten und Stadtplaner aus der ganzen Schweiz geladen. Zentral war die Frage, wie neue IT-Technologien das Stadtbild und die Mobilität von morgen prägen können.

"Smarter Cities" gegen den Verkehrsinfarkt

Norbert Ender von IBM Schweiz erläuterte, wie "Smarter Cities" den "Verkehrsinfarkt" mildern könnten, der zunehmend auch Schweizer Städten drohe. Bis 2050 erwarte man, dass 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten lebe, in der Schweiz sei diese Zahl allerdings bereits erreicht worden.

Ender betont, dass Verkehrs- und Stadtplaner immer mehr vor massiven Problemen stehen. Die Staustunden haben im Jahr 2010 um 34 Prozent zugenommen. 93 Minuten pro Tag sei der Durchschnittsschweizer unterwegs, doch gerade auf dem Weg zur Arbeit würden viele Plätze in PKWs leer bleiben. Dies sei problematisch, so Ender.

IBM arbeitet mit Systemen und Teillösungen wie beispielsweise dem "Road Mobility Pricing" oder dem "Real Time Monitoring Traffic Prediction". Anhand des Beispiels Stockholm führte Ender aus, wie man mit solchen Auswertungen und Systemen den Verkehr in einer Stadt entlasten kann.

Beispiele Stockholm und Niederlande

Das Ziel in Stockholm war eine Staureduktion in Stosszeiten, stärkere Verschiebung auf Öffentliche Verkehrsmittel, Verbesserung des Umweltschutzes und der Lebensqualität. Um dies zu bewerkstelligen, wurden unter anderem Taxis mit GPS ausgestattet, anhand deren Signale der Verkehr und die aktuell vorherrschende Geschwindigkeit in Echtzeit vorhergesagt werden konnte. Dies ermöglichte wiederum einen dynamischen Routenplaner für Nutzer.

Andere Lösungen seien beispielsweise GPS-basierte Gebührenerhebungssysteme, wie sie in den Niederlanden getestet wurden. Es habe 70 Prozent der Fahrer dazu animiert, ihr Fahrverhalten zu verändern. Fahrten während der Rushhour wurden beispielsweise verstärkt vermieden.

Alternative Möglichkeiten

Es gäbe viele Möglichkeiten, den Verkehr in Städten zu entlasten. Road Pricing und ähnliche Modelle sind für Ender allerdings nur eine Möglichkeit. Wie eine Umfrage auf Tagesanzeiger Newsnet gezeigt habe, würden es Schweizer begrüssen, wenn zusätzlich verstärkt Alternativen wie beispielsweise vermehrt flexible Arbeitszeiten, Shuttle-Services oder Park'n'Ride-Anlagen angeboten würden.

Effizienter einkaufen

Stella Schieffer von Polyport präsentierte in ihrem Kurzreferat ein Projekt, das besonders auf die Verminderung des Einkaufsverkehrs abzielt, auf den 11,4 Prozent des jährlichen Verkehrs entfielen. Diese Einkäufe werden meistens mit dem Auto gemacht. Anbindungen zu Bus-Stationen oder Parkkosten ändern am Verhalten der Kunden selten etwas. Die Kunden würden zu Hause entscheiden, nicht am Ziel.

Unter dieser Voraussetzung entwickelt Polyport zurzeit ein System für das Vermeiden von unnötigen Einkaufsfahrten zum Möbeleinrichter Ikea. Über 4000 Produkte können online nicht bestellt werden, hauptsächlich kleine Dinge beispielsweise den Bereichen Dekoration, Lampen oder Pflanzen.

Die Lösung hierfür: Der Kunde macht über Polyport eine Onlinebestellung, die dann von einem Nachbarn, der zu Ikea fährt, mitgebracht wird. Dieser verdient sich ein kleines Taschengeld und der Kunde spart eine unnötige Fahrt. Polyport bildet dabei das bindende Glied zwischen Nachbar und Kunde und garantiert die Transportversicherung, den Support und die Liefergarantie.

Aktivitätenbasierte Modelle bei der Verkehrsplanung

Michael Balmer von Senozon führte in einem dritten Teil aus, wie die Verkehrsplanung durch das Abkommen von "Makromodellen" hin zu den "Aktivitätenbasierten" Modellen eine Revolution erlebt. Traditionelle Analysen betrachten Verkehr als Aggregat von Raum, Personen, Weg und Zeit. Sie beantworten aber nicht, wer und wo, warum und zu welchen Rahmenbedingungen Verkehr generiert wird.

Senozon will mit dem "aktivitätenbasierten" Modell diese Fragen beantworten. In diesem werden individuelle Wegketten in den Vordergrund gestellt. Aussagen sind koordinatenscharf und personengenau, zeichnen die Aktivitäten detailliert auf. Mit der Analyse des Verkehrs in der Millionenstadt Berlin konnte Senozon dieses Modell bereits erfolgreich anwenden.

Intelligente Vernetzung für mehr Mobilität

Zum Schluss präsentierte David Brunner von Cabtus die Idee der intelligenten Vernetzung, mit der die Mobilität revolutioniert werden könne. Zurzeit sei es so, dass ein Reisender seine Informationen an vielen Stellen zusammensuchen müsse. Im Fahrplan der SBB schaue man nach dem genauen Reiseweg, Google gäbe Informationen zu Hotels, das Telefonbuch verrate die Nummer eines Taxiunternehmens in der Nähe.

Diese Informationen sollen nun zentral gesammelt und mobil abrufbar werden. Schliesslich sollen die Informationen auch in sozialen Netzwerken gesammelt werden. Gefilterte, personalisierte Informationen sollen das ökologische Bewusstsein stärken und zu mehr Komfort und Spass führen.

Belohnungen statt Bestrafungen

Mit der neuen cloud-basierten Plattform soll laut Brunner auch die Suche nach Mitfahrgelegenheiten erleichtert werden. Da zurzeit Informationen in Echtzeit fehlen und der Nutzer ständig auf die Projekt-Seite gehen müsse, sei die Chance klein, dass genau dann eine Mitfahrgelegenheit offen sei, wenn man sie brauche.

In der anschliessenden Fragerunde zeigten sich viele Teilnehmer interessiert und nutzten die Chance für Rückfragen. Die Referenten waren sich einig: Auch beim Thema Mobilität würden "Belohnungssysteme" stärkere Anreize schaffen als Bestrafungen. So gäbe es durchaus auch "positive" Road-Pricingmodelle.

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