Nachgefragt

"Kunden müssen Vertrauen zum Mobile-Payment-Anbieter aufbauen"

Uhr | Aktualisiert

Wie wird sich die Mobile-Payment-Landschaft in der Schweiz entwickeln? Tom Sprenger, CTO bei Adnovum, gibt einen Einblick.

Was fällt alles unter den Begriff Mobile Payment, und was gehört bereits nicht mehr dazu?

Tom Sprenger: Wir verstehen unter dem Begriff "Mobile Payment" eine Bezahlform, bei der auf der Kunden- und eventuell zusätzlich auf der Händlerseite ein mobiles Gerät in entscheidender Form involviert ist. Entscheidend heisst, dass es ohne mobiles Gerät in der angebotenen Form nicht funktionieren würde beziehungsweise nicht praktikabel wäre. Wir unterscheiden dabei drei grundsätzliche Szenarien. Zunächst das Bezahlen am Point-of-Sale, dies sowohl an der Kasse beim Händler oder am Automaten. Zudem kommt das Bezahlen im Internet und das Bezahlen zwischen zwei Personen (Peer-to-Peer) hinzu.

Welche Rolle spielt Adnovum im Mobile-Payment-Geschäft?

Adnovum hat seit jeher eine grosse Affinität zu Finanzdienstleistern und in diesem Zusammenhang den Trend "Mobile Payment" seit einigen Jahren auf dem Innovationsradar. Seit rund drei Jahren setzen wir uns mit konkreten Lösungsansätzen in diesem Bereich auseinander. Wir haben verschiedene Kundenprojekte zum Thema "Mobile Payment" am Laufen.

Welche Geschäftsmodelle sind mit Mobile Payment vorstellbar?

Ich denke hier zunächst an die Finanzierung über Transaktionsgebühren: Dieses Geschäftsmodell ist offensichtlich, aber tendenziell auslaufend. Dabei werden Bewegungs- und Kundendaten immer wichtiger. Dieses ermöglicht, den Händlern Insights in Kundensegmente zu bieten. Das hilft etwa beim Verkauf von personalisierter und lokalisierter Werbung. Generell werden sich die Geschäftsmodelle im Mobile Payment immer mehr in Richtung Mehrwertdienste, zusätzlich zum eigentlichen Payment, verschieben.

Weshalb ist der Schweizer Markt für Anbieter von mobilen Bezahllösungen so attraktiv? Oder anders gefragt: Welche Zukunft hat Mobile Payment in der Schweiz?

Der hohe technische Standard in der Schweiz - viele Leute haben neueste Handys und gleichzeitig ist die mobile Konnektivität sehr gut - schafft die Grundlage für eine erfolgreiche Ausbreitung von Mobile-Payment-Lösungen. Wir sehen den Schweizer Markt aber nicht als mehr oder weniger prädestiniert als andere Märkte. Grundsätzlich gehen wir aktuell davon aus, dass sich aufgrund der spezifischen Gegebenheiten der Schweiz neben zirka zwei globalen Playern ein bis zwei nationale Player langfristig etablieren werden können.

Was sind die drei grössten Probleme auf dem Weg zum flächendeckenden Mobile Payment?

Die Hauptherausforderung ist es, ein System zu schaffen, das gleichzeitig sowohl den Endkunden als auch den Händlern sowie dem Betreiber eines Mobile-Payment-Systems einen Mehrwert bietet. Zudem müssen die Kunden zu einem Mobile-Payment-Anbieter erst einmal Vertrauen aufbauen. Weiter ist die heutige Mobile-Payment-Landschaft in der Schweiz mit den vielen händlerspezifischen Lösungen zu fragmentiert.

Woran liegt es, dass viele Anbieter ihre eigenen Lösungen anbieten?

Es geht in dieser frühen Phase unter anderem um nachvollziehbare lokale Interessen der Anbieter und darum, Marktanteile zu gewinnen. Es ist eine ähnliche Situation wie bei den Instant-Messenger-Lösungen.

Es gibt zahlreiche Ansätze für Mobile Payment. Welche sind aus Ihrer Sicht die bedeutendsten, die sich durchsetzen könnten?

Wir sehen diverse, sehr vielversprechende Lösungen, die sowohl technisch wie auch bezüglich der Marktentwicklung komplett verschiedene Herangehensweisen gewählt haben. Es ist zu früh zu sagen, welche Lösungen sich am Markt durchsetzen werden. Hängt dies doch von vielen verschiedenen Faktoren wie etwa der Akzeptanz bei Händlern und Kunden, der technischen Umsetzung und auch einer ganzen Portion Glück - im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein - ab.

Mobiles Bezahlen ist ein zentrales Feature auf dem Weg zu einer bargeldlosen Wirtschaft. Welchen Beitrag können Mobile-Payment-Lösungen dazu leisten?

Grundsätzlich: Bargeld wird es noch sehr lange geben. Mobile-Payment-Lösungen zählen, wie auch kartenbasierte Zahlungslösungen, zu einer Entwicklung hin zu weniger Bargeld. Gemäss einer Studie von Capgemini wächst der bargeldlose Zahlungsverkehr um 7,7 Prozent pro Jahr.

Was ist der Beitrag von Mobile-Payment-Lösungen zu dieser Entwicklung?

Unserer Einschätzung nach konkurrieren die Mobile-Payment-Lösungen in einem ersten Schritt hauptsächlich mit den heutigen mit Karten umgesetzten Volumen. Was Mobile Payment namentlich nicht bieten kann, ist die vom Bargeld bekannte Anonymität. Dies ist eine grundsätzliche Limitation von Mobile-Payment-Lösungen in der heutigen Form. Mit anderen Technologien wie etwa Blockchain lässt sich das Bedürfnis nach Anonymität jedoch abdecken. Für die Ablösung des Bargelds dürften somit Technologien wie Blockchain fast eine wichtigere Rolle spielen als Mobile Payment per se.

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