Frühjahrs-Briefing von MSM Research

Schweizer CIOs zögern beim IoT

Uhr | Aktualisiert

MSM Research hat neue Studienergebnisse zum Schweizer ICT-Markt vorgelegt. Der Trend zum Outsourcing verstärkt sich. Investitionen in den hiesigen ICT-Markt sollen im nächsten Jahr zunehmen. Das Internet der Dinge bleibt jedoch für viele Firmen noch Zukunftsmusik.

MSM Research lädt Kunden und Vertreter der Fachpresse zweimal im Jahr zu einem IT-Markt-Briefing. Philipp A. Ziegler, CEO von MSM Research, hat aktuelle Studienergebnisse zur Schweizer ICT-Branche präsentiert. Auf der Basis von Umfragedaten zeigte er aktuelle Trends und einen Ausblick auf die Entwicklung bis 2018.

Zunächst lieferte Ziegler einen Überblick über den Stand des Schweizer ICT-Marktes. Hiesige Unternehmen im B2B-Segment geben im laufenden Jahr rund 17,3 Milliarden Franken im ICT-Bereich aus, wie aus den Ergebnissen hervorgeht. Im Schnitt ergibt dies 72 Millionen Franken pro Tag.

KMUs stützen den Schweizer ICT-Markt

Die Ausgaben im Schweizer ICT-Sektor gleichen sich laut Ziegler dem Bruttoinlandprodukt an. Für das Wirtschaftswachstum nehmen KMUs in der Schweiz eine Schlüsselrolle ein. Sie machen über zwei Drittel des Marktes aus, wie Ziegler sagte. Ihr Marktanteil wachse deutlich schneller als jener von Grossunternehmen. MSM Research definiert KMUs als Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern.

Für das laufende Jahr rechnet Ziegler mit einem Wachstum von 1,7 Prozent im KMU-Markt. Im Vorjahr betrug die Wachstumsrate gemäss MSM Research 0,6 Prozent.

Das Wachstum im KMU-Markt täuscht nicht darüber hinweg, dass Schweizer Unternehmen zurzeit noch auf Sparflamme in den ICT-Sektor investieren. Das internationale ökonomische Umfeld beeinträchtige den hiesigen ICT-Markt, erklärte Ziegler.

Planungsunsicherheit hemmt Investitionen

Gemäss einer Prognose der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich ist weiterhin mit einer Verlagerung der Produktion ins Ausland und dem Abbau von Arbeitsplätzen in der Schweiz zu rechnen. Die Unternehmen hielten sich mit Investitionen in Ausrüstungen zurück. Dies betreffe nicht nur die Industrie, sondern auch Investitionen im ICT-Sektor, sagte Ziegler.

Die Konjunkturforschungsstelle und MSM Research erwarten allerdings eine Trendwende für das Jahr 2018. Gemäss den Prognosen sollten die Investitionen in den ICT-Markt zu Beginn des kommenden Jahres wieder zunehmen.

Trend zum Outsourcing nimmt weiter zu

Der Trend zum Outsourcing im IT-Bereich geht gemäss MSM Research weiter. 30 Prozent der Befragten gaben an, dass sie einen Wechsel von internen zu externen Lösungen planten. Ohne die Auslagerung von Dienstleistungen an externe Anbieter würde der ICT-Markt gar nicht mehr wachsen, sagte Ziegler.

Der Anteil an Ausgaben für Managed- und Cloud-Services nimmt deutlich zu, wie aus den Ergebnissen hervorgeht. MSM Research rechnet für das kommende Jahr mit einem Anteil von 57 Prozent für externe Dienstleistungen. 2014 lag dieser Anteil noch bei rund 30 Prozent.

Ausgaben für Hardware seien hingegen rückläufig. MSM Research geht davon aus, dass dieser Trend in den kommenden Jahren anhält.

Unternehmen forcieren Trend zu flexibler und mobiler Arbeit

Die befragten Unternehmen geben den Ergebnissen zufolge jeden vierten Franken im Bereich Mobility aus. Gemäss MSM Research steht das Thema Mobilität für Schweizer ICT-Unternehmen zuoberst auf der Prioritätenliste für ihre Ausgaben.

Für das laufende Jahr prognostiziert MSM Research, dass Unternehmen im Bereich Mobilität 9,3 Prozent mehr ausgeben als im Vorjahr. Zu diesem Bereich gehören etwa Netzwerkdienstleistungen oder Angebote unter dem Stichwort Unified Communications.

Flexibles und mobiles Arbeiten werde sich bis 2018 in mehr als der Hälfte der befragten Unternehmen durchsetzen, schreibt MSM Research im aktuellen Frühjahrs-Report. Der Marktforscher versteht darunter, dass die Mitarbeiter keinen persönlichen Desk mehr haben und auch unterwegs arbeiten können. Feste Arbeitsplätze würden an Bedeutung verlieren. Heute setze nur noch rund ein Fünftel der befragten Unternehmen auf fixe Arbeitsplätze ohne die Möglichkeit, mobil arbeiten zu können, heisst es im Report. Dieser Anteil werde bis Ende des kommenden Jahres auf unter 10 Prozent sinken.

IoT ist für viele noch Zukunftsmusik

Der Schweizer Markt für das Internet der Dinge (IoT) ist gemäss Ziegler noch marginal. Die Mehrheit der Befragten geht davon aus, dass das IoT noch nicht in der Arbeitswelt angekommen ist. Über die Hälfte gab an, dass es noch drei bis fünf Jahre dauern werde, bis das IoT Auswirkungen auf ihr Geschäftsmodell habe. Jeder Dritte schätzte, dass dies erst in fünf bis zehn Jahren der Fall sein wird. Nur jeder Zehnte ging davon aus, dass das Internet der Dinge noch im laufenden Jahr oder im Verlauf der nächsten zwei Jahre durchschlägt.

Über diesen Befund zeigte sich Ziegler überrascht. Im Silicon Valley rechnen Unternehmer nicht in Jahren, sondern in Monaten, sagte er. Die Voraussetzungen für Investitionen in IoT seien hierzulande vorhanden. Dennoch würden Schweizer Unternehmen zu weit in die Zukunft planen, wenn es um disruptive Technologien geht.

Kunden wüssten nicht, wie sie ihre Idee vermarkten und gewinnbringend umsetzen könnten. Die Nachfrage nach Unterstützung sei dementsprechend hoch. Sie wird allerdings kaum abgedeckt, wie aus den Ergebnissen hervorgeht. 80 Prozent der Befragten wüssten nicht, an wen sie sich für Hilfeleistungen beim Thema IoT wenden sollten. Ziegler sieht folglich ein hohes Potenzial für Beratungsdienstleistungen in diesem Bereich.

E-Security wird als grosse Herausforderung wahrgenommen

MSM Research fragte ICT-Entscheider, welche Herausforderungen sie zurzeit am meisten beschäftigt. Das Thema Sicherheit machte seit den letzten Befragungen den grössten Sprung. Die Gefährdung der Sicherheit im ICT-Bereich wurde für die befragten Unternehmen zur zweitwichtigsten Angelegenheit. Im Jahr zuvor rangierte das Thema E-Security noch auf Platz vier, wie aus der Studie hervorgeht.

Schweizer Unternehmen werden im laufenden Jahr 2,25 Milliarden Franken für ICT-Security ausgeben, wie die Studie ergab. Als wichtigste Hürden gaben die Befragten an, dass den Mitarbeitern zu wenig bewusst sei, wie wichtig das Thema E-Security sei. Ausserdem mangle es an Budget und Know-how, um Sicherheitslösungen umzusetzen.

Methodische Grundlagen und Ausblick auf die nächsten Studien

Die Ergebnisse beruhen auf Befragungsdaten. MSM Research führt jährlich rund 800 Interviews bei Schweizer Unternehmen und Behörden durch. Es handelt sich um telefonische, webgestützte Befragungen sowie persönliche Experteninterviews.

Ziegler kündigte für das laufende Jahr neue Studien an. Ende März folgt die nächste Publikation zum Thema Netzwerk. Das nächste IT-Markt-Briefing soll am 11. April stattfinden und wird das Thema Datenschutz beleuchten, wie Ziegler sagte.

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