Wild Card von Daniel Liebhart

Close to the Edge

Uhr | Aktualisiert

An den Rändern der Wolke spielt sich Erstaunliches ab – Computing Power entwickelt sich in die Randgebiete der Cloud. Der Grund dafür ist einfach nachzuvollziehen: I/O.

Pünktlich zum Jahresende sind sie wieder da, die Technologietrends für 2018. Neben den üblichen Verdächtigen wie Artificial Intelligence/Maschine Learning, Blockchain und Robotics sticht ein neuer Trend ins Auge: Edge Computing. Damit ist die Verlagerung von Rechenleistung an den Rand eines vernetzten Gesamtsystems gemeint. Der Begriff selbst ist über 20 Jahre alt und kann auf die sogenannten «Edge Servers» in einem Content Delivery Network (CDN) zurückgeführt werden. Deren Zweck war und ist die schnelle Lieferung von Webinhalten nahe am Konsumenten des Inhalts selbst. Erreicht wird dies durch ein Kopieren der Inhalte auf Rechner, die lokal nahe beim Nutzer stehen.

Heute sind CDNs integraler Bestandteil jedes besseren Cloud-Angebots und die Basis jeder Social-Media-Plattform oder IP-TV-Infrastruktur. Die moderne Variante von Edge Computing geht jedoch weit über eine reine Lieferung von Daten aus. Die Verarbeitung von Daten nahe an den verteilten Sensoren, Aktoren, Maschinen oder anderen Geräten – also im weitesten Sinne allgemeine Rechenleistung – ist heute die wichtigste Aufgabe von Edge Computing.

Intelligente Maschinen als Treiber

Die Analysten von IDC sind der Meinung, dass in naher Zukunft 40 Prozent der gesamten global verfügbaren Rechenleistung am Rande der globalen Netzwerke stattfinden wird. Gartner hat «Cloud to the Edge» als einen der Top 10 strategischen Technologietrends für 2018 definiert. Kasey Panetta, Brand Content Managerin bei Gartner, meint, dass Edge Computing in Sachen Konnektivität, Latenz, Bandbreitenproblematik und Funktionsumfang klassisch verteilten Modellen überlegen sei. «Unternehmen sollten beginnen, Edge Design Pattern beim Aufbau von Infrastrukturarchitekturen anzuwenden», lautet der Rat der Analystin.

Motor hinter dieser Entwicklung ist das Internet der Dinge oder genauer gesagt die immer grösser werdende Datenmenge, die durch intelligente Drohnen, autonome Fahrzeuge, Produktionsmaschinen und andere Geräte produziert werden. Viele dieser Maschinen und Geräte sind auf sehr schnelle Datenverarbeitung angewiesen, um ihre Funktion erfüllen zu können. Was den Einsatz traditioneller Cloud- oder konventioneller IT-Lösungen ausschliesst, da diese Lösungen in Sachen I/O, also der Fähigkeit grosse Datenmengen sehr schnell von einem Ort zum anderen zu verschieben, um sie zu verarbeiten, schwach auf der Brust sind.

Spezialisierte Edge-Technologien

Hersteller wie HPE, Cisco oder andere stellen speziell auf die Bedürfnisse von Edge Computing abgestimmte Lösungen zur Verfügung. In gewissem Sinne eine moderne Version des traditionellen Edge Servers. Cisco beispielsweise bezeichnet seine «Edge Analytics Fabric» als Ansatz für die Bereitstellung von «hyperdistributed» Lösungen. HPE entwickelte eine neue Rechnerarchitektur, die an der diesjährigen Cebit präsentiert wurde. Unter dem Produktnamen «The Machine» wurde eine Servertechnologie entwickelt, die speziell auf die schnelle Verarbeitung grosser Datenmengen ausgelegt ist. 160 Petabytes sollen damit in 250 Nanosekunden verarbeitet werden können. Nicht weniger als das Ende der traditionellen «Von-Neumann-Architektur», die auf die zentrale Recheneinheit ausgerichtet ist, soll das innovative System einläuten.

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